Examensarbeit, 2004
141 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Religionspädagogik im Kontext Feministischer Theologie und Gender Studies
2.1 Religiöse Sozialisation von Mädchen und jungen Frauen
2.1.1 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
2.1.2 Körperlichkeit, Religiosität und Gottesbild
2.1.3 Geschlechtsspezifische und religiöse Sozialisation in Elternhaus und Schule
2.2 Situation Jugendlicher heute
2.2.1 Berufsorientierung und Lebensentwürfe
2.2.2 Die Girlie-Generation
2.3 Schlussfolgerungen für die Ausbildung einer weiblichen, religiösen Identität
3. Die Wiederentdeckung biblischer Frauengestalten durch Feministische Theologie
3.1 Verschiedene Zugänge und Verfahren feministisch-exegetischer Hermeneutik
3.2 Die herstory in der Bibel
3.3 Untersuchung zu ausgewählten biblischen Frauengestalten unter Berücksichtigung feministischer Anliegen
3.3.1 Debora
3.3.2 Rut
3.3.3 Maria und Marta
3.4 Zusammenfassung
4. Bibeldidaktische methodische Reflexion
4.1 Richtlinien und Lehrpläne für Gymnasien
4.1.1 Sekundarstufe I
4.1.2 Sekundarstufe II
4.1.3 Zusammenfassung
4.2 Aktuelle Bibeldidaktiken im Kontext Feministischer Theologie
4.2.1 Kritische Bestandsaufnahme
4.2.2 Zusammenfassung
4.2.3 Desiderate für eine geschlechtergerechte und rezepienten/rezipientinnen orientierte Bibeldidaktik
4.3 Sichtung aktueller Religionsbücher
4.3.1 SpurenLesen
4.3.2 Kursbuch Religion 2000
4.3.3 Hoffnung lernen, Gerechtigkeit lernen, Versöhnung lernen
4.3.4 Religion entdecken – verstehen – gestalten
4.3.5 Zusammenfassung
4.4 Behandlung biblischer Frauengestalten im Religionsunterricht
4.4.1 Lernvoraussetzungen im Hinblick auf die Art von Glauben bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Religionsunterricht
4.4.2 Didaktische Überlegungen zu Debora, Rut, Maria und Marta
4.4.3 Lernziele
4.4.4 Methodenauswahl
5. Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die Relevanz biblischer Frauenfiguren für den Religionsunterricht, analysiert geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse und evaluiert didaktische Ansätze sowie aktuelle Unterrichtsmaterialien hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Mädchen und junge Frauen in ihrer religiösen Identitätsentwicklung zu stärken.
Die herstory in der Bibel
Vor der näheren Beschäftigung mit vier ausgewählten biblischen Frauen soll zunächst ein Blick in die Frauengeschichte der Bibel geworfen werden, um die Vielzahl des Vorhandenseins von Frauen zu veranschaulichen. Die Behandlung ihrer jeweiligen Geschichte fällt von der Länge her ganz unterschiedlich aus. Trotz durchgängig anzunehmender männlicher Autoren der Bibel und deren eigenen Sichtweise sowie zum Teil politischen Interessen, treten Frauen auf und fungieren häufig sogar als souverän und initiativ Handelnde.
Neben Eva (Gen 2-3), der Urmutter aller Lebenden, und Maria (Mt 1,18 par.), der Mutter Jesu, die besonders bekannt unter Schüler/innen laut der Umfragen waren, existieren noch zahlreiche andere Frauen in der Bibel. Die Erzählungen von Sara (Gen 16), Rebekka (Gen 25,19ff.), Rahel (Gen 30,1), der Mutter des Simson (Ri 13,2), und Hanna (1 Sam 1,5) berichten von zunächst unfruchtbaren Frauen und erörtern somit die Bedeutung von Nachkommen und der Genealogie. Die Kinderlosigkeit treibt einige dieser Frauen soweit, dass sie ihrem Mann zu sexuellem Verkehr mit deren Nebenfrauen raten, die somit für Nachkommen sorgen sollten (Gen 16,1-3; Gen 30,1ff.). Verständlicherweise führt diese Praxis unter den Frauen zu Konflikten, von denen die Beziehungen von Sara und Hagar sowie Lea und Rahel berichten. Tamar verschafft sich ihr Recht, nachdem ihr Schwiegervater Juda ihr nach dem Tod seiner beiden Söhne, die nacheinander ihre Männer gewesen waren, nicht noch seinen dritten Sohn zum Mann geben will (Gen 38,6-30).
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Relevanz biblischer Frauenfiguren im Religionsunterricht und fragt nach deren Einfluss auf die Identitätsbildung von Schülerinnen unter Berücksichtigung feministischer Hermeneutik.
2. Religionspädagogik im Kontext Feministischer Theologie und Gender Studies: Dieses Kapitel analysiert die geschlechtsspezifische religiöse Sozialisation, die Bedeutung von Vorbildern und die aktuelle Situation Jugendlicher, um die Notwendigkeit geschlechtergerechter Didaktik zu begründen.
3. Die Wiederentdeckung biblischer Frauengestalten durch Feministische Theologie: Hier wird der theoretische Rahmen feministischer Exegese erörtert und die biblische "Herstory" anhand konkreter Frauengestalten wie Debora, Rut, Maria und Marta untersucht.
4. Bibeldidaktische methodische Reflexion: Der Hauptteil analysiert bestehende Lehrpläne, Bibeldidaktiken und Religionsbücher kritisch und formuliert Desiderate sowie konkrete methodische Vorschläge für die Unterrichtspraxis.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Behandlung biblischer Frauengestalten essentiell für die Identitätsentwicklung ist und fordert eine geschlechtergerechte, erfahrungsorientierte Bibeldidaktik.
Feministische Theologie, Religionspädagogik, Bibeldidaktik, geschlechtsspezifische Sozialisation, Gender Studies, biblische Frauengestalten, Identitätsbildung, Feministische Exegese, Bibliodrama, Rezeptionsästhetik, Religionsunterricht, Geschlechtergerechtigkeit, Herstory, Rolle der Frau, religiöse Erziehung.
Die Arbeit untersucht, wie biblische Frauengestalten im Religionsunterricht behandelt werden können, um Mädchen und junge Frauen in ihrer Identitätsbildung zu unterstützen und patriarchal geprägte Strukturen aufzubrechen.
Die zentralen Themen umfassen die feministische Religionspädagogik, geschlechtsspezifische Sozialisation, die Rolle der feministischen Exegese, die Analyse aktueller Unterrichtsmaterialien sowie konkrete methodische Ansätze wie das Bibliodrama.
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie durch die Thematisierung biblischer Frauen eine geschlechtergerechte Identitätsentwicklung gefördert und das defizitäre Angebot an weiblichen Identifikationsfiguren im Unterricht ausgeglichen werden kann.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus erziehungswissenschaftlichen Erkenntnissen zur Sozialisation, feministisch-theologischer Hermeneutik und einer kritischen Analyse von Lehrplänen und Religionsbüchern.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Ansätze zur feministischen Bibelauslegung vorgestellt als auch die konkrete Umsetzung in der Unterrichtspraxis diskutiert, inklusive der Analyse verschiedener aktueller Bibeldidaktiken und Religionsbücher.
Wichtige Begriffe sind Feministische Theologie, Geschlechtergerechtigkeit, biblische Frauengestalten, Identitätsentwicklung, Sozialisation und ganzheitliche Methoden wie das Bibliodrama.
Die Unterscheidung verdeutlicht, dass die traditionelle Bibelauslegung androzentrisch (auf männliche Erfahrungen) fokussiert ist, während eine "Herstory" die Lebenswelten und die aktive Rolle von Frauen in der biblischen Geschichte sichtbar macht.
Das Bibliodrama wird als besonders geeignete, ganzheitliche Methode hervorgehoben, da es den Schülerinnen ermöglicht, sich in biblische Rollen einzufühlen, Identifikationsprozesse anzustoßen und eigene Lebenserfahrungen mit den Texten zu verknüpfen.
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