Magisterarbeit, 2003
127 Seiten, Note: Sehr Gut
Prolog
I. Hauptteil: Amerikanische Kultur- und Politikgeschichte unter Berücksichtigung philosophischer Implikationen bis zum Ende des Bürgerkriegs 1865
1. Einleitung
2. Britisches Empire und eigenständige Identitätsentwicklung der USA
2.1. Anfänge
2.2. Beginnendes Autonomiestreben der Siedler
2.3. Der „kapitalistische“ Benjamin Franklin: Deismus und Aufklärung; Max Webers „Geist“ des Kapitalismus
2.4. Erster Kontinentalkongress
2.5. Vom zweiten Kolonialkongress zur „Declaration of Independence“ am 4. Juli 1776
2.6. Unabhängigkeitskrieg und neue Verfassung
3. Politische Systeme in der Anfangsphase der amerikanischen Union
3.1. Die „Federalists“ an der Macht (1789-1800)
3.2. Der Republikanismus - Jeffersons „Liberale Aufklärung“ im Widerspruch
3.3. Der „zweite Unabhängigkeitskrieg“ gegen England und seine Folgen
3.4. Resümee und Widersprüche der Zeit
4. Demokratie, „liberale“ amerikanische Identität, Marktrevolution und territoriale Expansion – 1815-1854
4.1. Era of Good Feeling
4.2. Krise, Wirtschaftspolitik und Parteiensystem
4.3. Bevölkerungswachstum und territoriale Expansion
4.4. „Markt- und Transportrevolution"
4.5. Die politische Wende – Demokratie und Parteipolitik
4.6. Territoriale Expansion: Texas – Oregon
4.7. Der Krieg gegen Mexiko
4.8. Der „Clay-Kompromiss“ - 1850: Die ungelöste Frage der Sklaverei
4.9. Nebraska und Kansas – Unerträgliche Spannungen, politische Veränderungen
5. Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861-65)
5.1. Abraham Lincolns Aufstieg
5.2. Lincolns „Emanzipationserklärung“, Schrecken und Strategien des Krieges
5.3. Kapitulation des Südens und die Ermordung Lincolns
II. Hauptteil: „New England Transcendentalism“: Henry D. Thoreaus Politik- und Gesellschaftskritik
1. Amerikanischer Transzendentalismus: Definition, Einleitung, allgemeiner Überblick
2. Der Transzendentalist Henry David Thoreau – eine biographische Skizze seines Lebens und Werkes
3. Die Politik- und Gesellschaftskritik Henry David Thoreaus
3.1. Einleitung
3.2. Civil Disobedience: Hinführung und Wirkungsgeschichte
3.2.1. Über den Essay „Civil Disobedience“
3.2.2. Postum
3.3. Civil Disobedience: Legalität und Legitimation - das Verhältnis von Recht und Moral
3.4. Über das Gewissen und von der Gewalt
3.4.1. Passivität?
3.4.2. Peaceable Revolution? - If any such is possible...
3.5. „Slavery in Massachusetts“
3.6. Am Ende Gewalt?
3.6.1. Emerson und John Brown
3.6.2. Thoreaus Captain John Brown
Epilog
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der USA sowie die Politik- und Gesellschaftskritik Henry David Thoreaus vor dem Hintergrund des Transzendentalismus. Sie verfolgt das Ziel, das politische Denken Thoreaus aus seiner geschichtlichen Einbettung heraus zu verstehen und insbesondere seine radikale, auf moralischer Integrität basierende Kritik an Staat und Gesellschaft zu beleuchten.
3.2.1. Über den Essay „Civil Disobedience“
Im Essay CD wurden Fakten und aktuelle Geschehnisse der Zeit (Krieg gegen Mexiko, politische Standpunkte der Regierung, Sklaverei, Indianerproblematik,…), persönlich Erlebtes (Verhaftung, Nacht im Gefängnis) und moralphilosophische Fragen (Legitimität versus Legalität, Gesetz der Zweckmäßigkeit,…) literarisch verarbeitet und der Fiktion unterworfen (fingierte Wirklichkeitsaussagen), sodass der textimmanente Ich-Erzähler von Vergangenem und Erlebtem berichtet, sich über die Politik und Gesellschaft seiner Zeit erregt und kritisch Fragen aufstellt.
Die Strategie des Autors Thoreau, nämlich das Umarbeiten persönlicher Fakten zu einem Mythos über das nach ethischen Grundsätzen handelnde heroische „Ich“ als Staatsbürger, ist zumindest gegen jenen Missstand gerichtet, wovon hier nun die Rede sein soll: nämlich gegen den Verfall von ethischen Grundsätzen innerhalb des rechtsstaatlichen Amerikas, in welchem von der Regierung Gesetze erlassen wurden, die nicht nur den Grund- und Menschenrechten – somit auch der Gründungsidee Amerikas – vehement widersprechen, sondern darüber hinaus von keinem mit Gewissen ausgestatteten Bürgers Amerikas moralisch mitgetragen werden dürfen.
So ungefähr darf die Kampfansage, die Thoreau an seine Mitbürger – er spricht, um ein möglichst intensives Nahverhältnis zwischen sich und seinem Publikum aufzubauen, gerne von seinen Nachbarn – richtete, sicherlich verstanden werden.
I. Hauptteil: Amerikanische Kultur- und Politikgeschichte: Bietet einen historischen Rekurs über die Entwicklung der USA bis 1865, um den Kontext für Thoreaus Kritik zu schaffen.
1. Einleitung: Stellt die geschichtliche Ausgangslage sowie die Bedeutung des Souveränitätsbegriffs und der amerikanischen Revolution dar.
2. Britisches Empire und eigenständige Identitätsentwicklung der USA: Analysiert die Kolonialgeschichte, das Aufkommen puritanischer Einflüsse und das beginnende Autonomiestreben.
3. Politische Systeme in der Anfangsphase der amerikanischen Union: Behandelt die Etablierung der politischen Parteien und die ideologischen Gegensätze zwischen Föderalisten und Republikanern.
4. Demokratie, „liberale“ amerikanische Identität, Marktrevolution und territoriale Expansion – 1815-1854: Diskutiert die wirtschaftlichen Umbrüche, die Ära Monroe, die territoriale Expansion und die eskalierende Sklavereifrage.
5. Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861-65): Analysiert den Weg in den Bürgerkrieg, die Rolle Abraham Lincolns und die politische Bedeutung der Emanzipationserklärung.
II. Hauptteil: „New England Transcendentalism“: Henry D. Thoreaus Politik- und Gesellschaftskritik: Untersucht die philosophischen Grundlagen der Bewegung und Thoreaus biographische Prägung.
1. Amerikanischer Transzendentalismus: Definition, Einleitung, allgemeiner Überblick: Definiert den Transzendentalismus als Gegenbewegung zum Unitarismus und Materialismus.
2. Der Transzendentalist Henry David Thoreau – eine biographische Skizze seines Lebens und Werkes: Skizziert das Leben Thoreaus als Entwicklung zum kritischen Denker und Individualisten.
3. Die Politik- und Gesellschaftskritik Henry David Thoreaus: Behandelt detailliert Thoreaus Schriften, seinen Widerstand und die Radikalisierung seiner Positionen.
Henry David Thoreau, amerikanischer Transzendentalismus, Civil Disobedience, Sklaverei, politischer Widerstand, individuelle Moral, US-Geschichte, 19. Jahrhundert, Ralph Waldo Emerson, Staatstheorie, Gewissen, Abolitionismus, Rechtsstaatlichkeit, Politik, Gesellschaftskritik
Die Arbeit analysiert die historische und politische Entwicklung der USA bis zum Bürgerkrieg und stellt diese in den Kontext des transzendentalistischen Denkens von Henry David Thoreau, um dessen politisches Handeln und seine Gesellschaftskritik fundiert einzuordnen.
Zentral sind die amerikanische Geschichte des 19. Jahrhunderts, die philosophische Bewegung des Transzendentalismus, Thoreaus Konzepte von Widerstand und Gewissen sowie die Auswirkungen der Sklavereidebatte auf das politische System.
Das Ziel ist es, Thoreaus als „Zivilen Ungehorsam“ bekanntes Werk nicht isoliert zu betrachten, sondern als konsequente Entwicklung eines moralisch handelnden Individuums innerhalb einer historisch gewachsenen, oft widersprüchlichen amerikanischen Gesellschaft zu verstehen.
Die Diplomarbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, kombiniert mit einer tiefgreifenden philosophiehistorischen Untersuchung von Primär- und Sekundärquellen zu Thoreau und dem amerikanischen Transzendentalismus.
Der erste Teil bietet eine umfassende historische Analyse der USA (von den Anfängen bis 1865). Der zweite Teil fokussiert auf Thoreau, seine biographische Entwicklung und die detaillierte Analyse seiner Schriften, insbesondere „Civil Disobedience“ und „Slavery in Massachusetts“.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Transzendentalismus“, „Civil Disobedience“, „individuelle moralische Integrität“, „Sklaverei“ und „politischer Widerstand“ geprägt.
Seine Verhaftung wegen Steuerverweigerung 1846 und seine Beobachtung der gesellschaftlichen Missstände (Sklaverei, Mexikanischer Krieg) dienten als unmittelbare Katalysatoren für sein politisches Schreiben und seine Forderung nach einem Handeln gemäß dem Gewissen.
Während er in frühen Schriften (z.B. „Civil Disobedience“) primär auf moralische Verweigerung setzt, radikalisiert sich seine Position im Kontext der Sklavenproblematik bis hin zu einer (wenn auch ambivalenten) Rechtfertigung von Aggression gegen einen Staat, der Unrecht mit „dämonischer“ Gewalt durchsetzt.
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