Magisterarbeit, 2004
118 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung
I. Die wichtigsten Theorien zur Genese kreolsprachlicher Systeme
I.1 Bruch durch Pidginisierung?
I.1.1 Die Lebenszyklustheorie einer Pidginsprache nach Hall
I.1.2 Das Ein-Generationen-Modell nach Bickerton
I.1.3 Neuere Vertreter einer Kreolisierung über die Zwischenstufe eines Pidgins: McWhorter & Parkvall
I.2 Universalistische Ansätze - Bruch durch universelle Faktoren des Sprachkontakts?
I.2.1 Foreigner Talk
I.2.2 Mündlichkeit
I.2.3 Ungesteuerter Zweitspracherwerb
I.2.4 (Re)Analyse
I.2.5 Grammatikalisierung
I.3 Afrogenetische Ansätze - Bruch durch substratsprachlichen Einfluss?
I.3.1 Die Formel basissprachliches Lexikon und substratsprachliche Grammatik
I.3.2 Polygenetische Relexifizierungstheorie
I.3.3 Die Formel basissprachliche Substanz und substratsprachliche Form
I.4 Eurogenetischer Ansatz – Chaudensons Approximationstheorie als graduelles Kreolisierungsmodell
I.4.1 Soziohistorische und -linguistische Faktoren der Kreolisierung
I.4.1.1 Das Drei-Phasen-Modell
I.4.1.2 Endogene versus exogene Kreols
I.4.2 Sprachliche Faktoren der Kreolisierung
I.4.2.1 Die langue des colons
I.4.2.2 Spracherwerbsstrategien
I.4.2.3 Autoregulatorische Prozesse des Französischen
II. Interpretation morphosyntaktischer Züge in den französischbasierten Kreolsprachen und Vergleich mit ihren Entsprechungen im français cadien in Louisiana
II.1 Artikelagglutination
II.2 Der bestimmte Artikel
II.3 Personalpronomen
II.4 Interrogativpronomen
II.5 Verbalsystem
II.5.1 Verbform
II.5.2 TMA-Markierung
II.5.2.1 Der progressive Aspekt
II.5.2.2 Die bestimmte Vergangenheit
II.5.2.3 Die unbestimmte Vergangenheit
II.5.2.4 Futur
II.5.2.5 Konditional
II.6 Negation
II.7 Kopula
III. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Genese französischbasierter Kreolsprachen und beleuchtet die wissenschaftliche Debatte darüber, ob deren Entstehung als abrupter Bruch oder als gradueller Prozess der Kontinuität zu betrachten ist. Dabei wird insbesondere das Verhältnis der Kreolsprachen zu ihren jeweiligen Basissprachen sowie der Einfluss von Substratsprachen kritisch analysiert.
I.1.1 Die Lebenszyklustheorie einer Pidginsprache nach Hall
Ausgearbeitet wurde die Idee der Verbindung von Pidgins und Kreols 1962 von Robert A. Hall Jr., der aus dem Pidginursprung eines Kreols ein wesentliches Merkmal seiner Definition einer Kreolsprache macht.
In der Sichtweise Halls wird die Basissprache zu Beginn der Kolonialzeit drastisch zu einem rudimentären sprachlichen Pidgin-System reduziert, das mit elementaren grammatischen Strukturen und einem reduzierten Wortschatz ausgestattet ist sowie nur begrenzte Funktionen erfüllen kann und niemandes Muttersprache ist.
Im Gegensatz zu „normalen Sprachen“, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und deren „Lebenszeit“ von dem Fortbestehen der Sprachgemeinschaft abhängt, verschwinden Pidgins als Funktionssprachen nach Hall – unabhängig von der Weiter-Existenz der Sprachgemeinschaft – nach dem Verlust ihrer Aufgabe. Jedoch gebe es eine Reihe von Pidgins, die – nach in der Regel einer Generation – als Muttersprache neu geborener Individuen eine größere Anzahl an Funktionen abdecken müssten, womit ein funktioneller und sprachlicher Ausbau und eine Statusänderung auf dem Wege zur Entwicklung einer Kreolsprache einhergehe. Diese zur Kreolsprache ausgebauten Pidgins durchliefen also den so genannten „Lebenszyklus der Pidginsprachen“.
0. Einleitung: Die Einleitung umreißt die zentrale Forschungsfrage zur Genese der Kreolsprachen und stellt die wesentlichen theoretischen Standpunkte zur Debatte um Kontinuität versus Bruch vor.
I. Die wichtigsten Theorien zur Genese kreolsprachlicher Systeme: Dieses Kapitel erläutert ausführlich die verschiedenen theoretischen Ansätze, darunter die Lebenszyklustheorie, universalistische Erklärungsmodelle, afrogenetische Ansätze sowie Chaudensons Approximationstheorie.
II. Interpretation morphosyntaktischer Züge in den französischbasierten Kreolsprachen und Vergleich mit ihren Entsprechungen im français cadien in Louisiana: Im Hauptteil werden spezifische morphosyntaktische Phänomene der Kreolsprachen, wie Artikelagglutination, Verbalsysteme und Negation, analysiert und mit dem Status im cadien verglichen.
III. Fazit: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und kommt zu dem Schluss, dass die Kreolisierung als komplexer Prozess zu verstehen ist, bei dem von einem „Teilbruch“ mit der Basissprache gesprochen werden kann.
Kreolsprachen, Kreolisierung, Pidginisierung, Sprachkontakt, Reanalyse, Grammatikalisierung, Substrateinfluss, französischbasierte Kreolsprachen, français cadien, Morphosyntax, Sprachwandel, Soziohistorie, Verbalsystem, Referenzprinzip
Die Magisterarbeit untersucht die Entstehungsgeschichte der französischbasierten Kreolsprachen und diskutiert wissenschaftliche Theorien zu deren Genese.
Zentrale Themen sind der Vergleich zwischen „kontinuierlicher“ und „abrupter“ Sprachentwicklung, die Rolle von Pidgins, soziohistorische Bedingungen und der Einfluss afrikanischer Substratsprachen auf die französische Basis.
Die Arbeit hinterfragt, ob französischbasierte Kreolsprachen eine abrupte Diskontinuität zur französischen Sprache aufweisen oder ob sie das Resultat eines graduellen Entwicklungsprozesses darstellen.
Die Arbeit verwendet eine vergleichende typologische Methode, bei der verschiedene Kreolsprachen mit den theoretischen Modellen und dem nicht-kreolischen français cadien aus Louisiana gegenübergestellt werden.
Im Hauptteil werden morphosyntaktische Züge wie Artikelagglutination, Personalpronomen, Interrogativpronomen, das Verbalsystem, Negation und Kopulagebrauch analysiert.
Schlüsselwörter sind Kreolisierung, Reanalyse, Grammatikalisierung, Substrat, Approximation und Sprachkontakt.
Die Arbeit zeigt, dass der Einfluss afrikanischer Sprachen zwar bei der Struktur der Kreolsprachen eine bedeutende Rolle spielt, die Argumentation jedoch differenziert zwischen „konservativen“ und „innovativen“ Kreols betrachtet werden muss.
Im Gegensatz zu den Kreolsprachen zeigt das französische cadien in Louisiana keine Anzeichen für ein Pidgin-Stadium oder eine durch extreme soziale Not erzwungene radikale Reanalyse, weshalb es eher als regionale Variante denn als eigenständige Kreolsprache eingestuft wird.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

