Magisterarbeit, 2005
121 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.2 Virtuelle Rathäuser
1.3 Personalratsarbeit
1.4 Arbeitspsychologische Perspektive
2. Arbeitspsychologische Theoriekonzepte
2.1 Das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept
2.2 Stresskonzepte
2.2.1 Definition
2.2.2 Reaktionsorientierte Stressmodelle
2.2.3 Reizorientierte Stressmodelle
2.2.4 Transaktionales Stressmodell von Lazarus
2.2.5 Salutogenetisches Konzept
2.3 Handlungsregulationstheorien
2.3.1 Persönlichkeitsförderlichkeit und Qualifizierung
2.4 Ressourcenkonzepte
2.5 Stress und neue Techniken
2.6 Fazit
3. Kommunikation
3.1 Computer als Kommunikationsmedium
3.2 Theorien zu computervermittelter Kommunikation
3.2.1 Theorien zur Medienwahl
3.2.2 Theorien zu Medienmerkmalen
3.2.3 Theorien zum medialen Kommunikationsverhalten
3.3 Medienökologisches Rahmenmodell
4. Untersuchungsmethodik und -methodologie
4.1 Teilstandardisierte Interviews
4.2 Methodologische Vorüberlegungen
4.3 Gütekriterien qualitativer Sozialforschung
5. Datenerhebung
5.1 Theoretisches Sampling
5.2 Durchführung der Interviews
6. Datenauswertung
6.1 Konkretes Vegen
7. Darstellung der Ergebnisse auf Gesamtebene
7.1 Bedeutung von virtuellen Rathäusern
7.2 Einführung von neuen Medien
7.2.1 Anfängliche Haltung gegenüber den neuen Medien
7.2.2 Bewertung der neuen Medien
7.3 Auswirkungen auf die alltägliche Arbeit
7.3.1 Virtuelles Setting
7.3.2 Positiv wahrgenommene Auswirkungen
7.3.3 Negativ wahrgenommene Auswirkungen
7.3.4 Auswirkung auf verschiedene Kommunikationsebenen
7.3.5 Zusammenarbeit mit Sekretärin
7.4 Handlungsspielraum
7.5 Transparenz
7.6 Qualifikation
7.7 Expertenaussagen zu Kernzielen
8. Ergebnisse der Einzelfallanalysen
8.1 P1: „Permanenter Veränderungsprozess“
8.2 P2: „Spannende Neuheit“
8.3 P3: „Wir sind doch keine Maschinenstürmer“
8.4 P4: „Persönliche Kontaktpflege ist von großer Bedeutung“
8.5 P5: „Aufbau virtueller Strukturen“
8.6 P6: „Neue Medien sind nur Werkzeuge, mehr nicht!“
8.7 P7: „Gesundes Misstrauen“
8.8 P8: „Sinnhaftigkeit muss gegeben sein“
8.9 P9: „Ich möchte es nicht mehr missen“
8.10 Zusammenfassende Top-Down-Sicht
9. Diskussion
9.1 Kritische Anmerkungen zum methodischen und methodologischen Vorgehen
9.2 Zusammenfassung der Hauptergebnisse
9.2.1 Physische und psychische Belastungen im virtuellen Setting
9.2.2 Ressourcen und Coping im virtuellen Setting
9.2.3 Kommunikationsverhalten im virtuellen Setting
10. Ausblick
Die Magisterarbeit untersucht explorativ, welche Auswirkungen die Einführung von virtuellen Rathäusern und neuen Kommunikationstechnologien auf die Arbeit von Personalräten in baden-württembergischen Kommunen hat und wie diese subjektiv psychische Belastungen sowie Veränderungen in ihrer Arbeitsweise wahrnehmen.
1.2 Virtuelle Rathäuser
Mittlerweile ist fast jede Stadt oder Gemeinde in Deutschland online und virtuelle Rathäuser haben in unterschiedlicher Ausprägung Gestalt angenommen. Der virtuelle Kontakt zwischen Bürgern und Verwaltung ist möglich geworden. Die Schwerpunkte der Internetangebote liegen auf Informationen und einfachen Dienstleistungen. Die Internetangebote orientieren sich an dem Konzept der Lebenslagen eines Bürgers, z.B. Umzug oder Heirat. Einfache Dienstleistungen sind beispielsweise Reservierung eines KfZ-Wunschkennzeichens, An- und Abmeldung einer Wohnung, Beantragung eines Anwohnerparkausweises und Anmeldung einer Demonstration. Es gibt auch vereinzelte Angebote in der Verarbeitung von sensibleren Daten wie z.B. Bauanträge. Großen Anteil an dieser Entwicklung hat Media@Komm, eine Initiative, mit der 1998 das damalige Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (jetzt: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit) begann, den Einsatz von Multimedia-Technologien in den kommunalen Verwaltungen zu fördern. Mit dem Förderprojekt „Virtuelles Rathaus“ wurden die drei Preisträger (Modellregionen Bremen, Esslingen und Nürnberg) über einen Zeitraum von 3-4 Jahren finanziell unterstützt, um einen sicheren, rechtsverbindlichen und vertraulichen Geschäfts- und Rechtsverkehr der öffentlichen Verwaltung zu erproben und die Vision eines digital vernetzten Gemeinwesens zu realisieren. Ziel war die Entwicklung von kommunalem Electronic Government (E-Government) und virtuellen Märkten. Ein wichtiger Meilenstein innerhalb des Projektes war die Entwicklung und Erprobung der digitalen Signatur, welche einer rechtskräftigen Unterschrift entspricht.
Dabei ist der Begriff virtuelles Rathaus entsprechend der Schnelllebigkeit der Zeit schon wieder am Verschwinden und wird mittlerweile von Begriffen wie E-Government, E-Democracy, E-Administration, E-Governance und digitales Rathaus ersetzt.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der virtuellen Rathäuser, der Personalratsarbeit sowie Definition der arbeitspsychologischen Perspektive.
2. Arbeitspsychologische Theoriekonzepte: Erörterung zentraler Theorien wie Belastungs-Beanspruchungs-Konzept, Stressmodelle (Lazarus), Handlungsregulationstheorien und Ressourcenkonzepte.
3. Kommunikation: Darstellung allgemeiner Kommunikationsmodelle und Spezifizierung auf computervermittelte Kommunikation (CvK) sowie medienökologische Ansätze.
4. Untersuchungsmethodik und -methodologie: Begründung der qualitativen Vorgehensweise und Darstellung der theoretischen Fundierung für die problemzentrierten Interviews.
5. Datenerhebung: Beschreibung der Interviewführung mit Personalräten und des theoretischen Samplings.
6. Datenauswertung: Erläuterung des Codierverfahrens (ATLAS.ti) zur Analyse der Interviews.
7. Darstellung der Ergebnisse auf Gesamtebene: Zusammenfassung der wahrgenommenen Auswirkungen, Handlungsspielräume und Kernziele aus den Interviews auf aggregierter Ebene.
8. Ergebnisse der Einzelfallanalysen: Detaillierte Betrachtung einzelner Personalräte (P1-P9) und ihrer spezifischen subjektiven Erfahrungen mit dem virtuellen Setting.
9. Diskussion: Kritische Reflexion der methodischen Vorgehensweise und Zusammenführung der Ergebnisse mit den theoretischen Modellen.
10. Ausblick: Identifikation zukünftiger Forschungsfragen und Weiterentwicklungen in Bezug auf das Berufsbild und die digitale Transformation.
Personalratsarbeit, Virtuelles Rathaus, E-Government, Arbeitspsychologie, Stress, Belastung, Beanspruchung, Handlungsregulation, Kommunikation, Medienwahl, Qualitative Sozialforschung, Ressourcen, Coping, Arbeitsplatzgestaltung, Digitale Transformation
Die Magisterarbeit untersucht aus arbeitspsychologischer Perspektive, wie sich die Einführung von virtuellen Rathäusern und neuen Informationstechnologien auf die Arbeit und das subjektive Erleben von Personalräten auswirkt.
Die Schwerpunkte liegen auf der psychologischen Stressanalyse, Ressourcen und Coping-Strategien sowie auf dem veränderten Kommunikationsverhalten durch elektronische Medien in kommunalen Verwaltungen.
Das Ziel ist es, ein ganzheitliches Bild der Veränderungen aus der Sicht der Personalräte zu gewinnen und relevante Faktoren für die Gestaltung humaner Arbeitsbedingungen in diesem neuen digitalen Umfeld zu identifizieren.
Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt, bestehend aus problemzentrierten Interviews mit neun Personalratsvorsitzenden, deren Auswertung durch theoretisches Codieren erfolgt.
Der Hauptteil fundiert die Untersuchung theoretisch durch Konzepte der Belastungs- und Beanspruchungsforschung, Stressmodelle von Lazarus, salutogenetische Ansätze von Antonovsky sowie Handlungsregulationstheorien und Theorien zur computervermittelten Kommunikation.
Zentrale Begriffe sind Personalratsarbeit, Virtuelles Rathaus, E-Government, Stress, Ressourcen, Coping, Kommunikation und qualitative Sozialforschung.
Die Untersuchung zeigt, dass Personalräte Aufgabenverschiebungen in der Zusammenarbeit mit Sekretärinnen beobachten und diese Unterstützung als entlastend für die eigene Führungsfunktion wahrnehmen, jedoch eine Tendenz zum Stellenabbau in diesen Bereichen kritisch betrachten.
Die Befragten setzen verschiedene Coping-Strategien ein, wie etwa konsequentes Filtern, Priorisierung nach Wichtigkeit oder die bewusste Entscheidung für persönliche Face-to-Face-Gespräche bei komplexen oder heiklen Problemen, um der Informationsüberlastung entgegenzuwirken.
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