Magisterarbeit, 2004
149 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitende Betrachtungen
2 Grundlagen der Debatte zum gegenwärtigen Zustand der Ökonomie
2.1 Eine Protestwelle brandet auf
2.2 Kritik am herrschenden Paradigma
2.2.1 Zu viel Mathematik, zu viel Formalisierung
2.2.3 Das Verhältnis von Empirie und Theorie
2.2.4 Fortschritt durch die Spieltheorie?
2.2.5 Philosophische Kritik der modernen Wirtschaftswissenschaften
2.2.5.1 Ökonomische Naturgesetze?
2.2.5.2 Variable 'Konstanten' in der Wirtschaftswissenschaft
2.2.5.3 Die Unmöglichkeit der Maschine 'Gesellschaft'
2.2.5.4 Der rettende 'Durchschnitt' ?
2.3 Historische Weichenstellungen der ökonomischen Theorieentwicklung
3 Freys Beitrag: Kritik und Alternative
3.1 Interpretation und Kritik des ökonomischen 'Mainstreams'
3.1.1 Der Schleier der Mathematik
3.1.2 Rationalität und Nutzenmaximierung
3.1.3 Interdisziplinarität aus Freys Sicht
3.2 Gegenentwurf
3.2.1 Ein neuer Ansatz
3.2.2 Die Rolle der Institutionen
3.2.3 Das Verhalten des Menschen
3.3 Zu überwindende Schwächen des ökonomischen Verhaltensmodells
3.3.1 Trittbrettfahren bei öffentlichen Gütern
3.3.2 Systematische Verzerrung durch Wahrnehmungsprobleme
3.3.2.1 Entscheidungstheoretische Anomalien
3.3.2.2 Konsequenzen der existierenden Anomalien
3.3.2.3 Relevanz der Anomalien auf der individuellen Ebene
3.3.2.4 Relevanz der Anomalien auf gesellschaftlicher Ebene
3.3.2.5 Kompensation von Anomalien durch Institutionen
3.3.3 Überschätzung und Problematik ökonomischer Anreize
3.3.3.1 Mangelnde Wirkung materieller Anreize
3.3.3.2 Vergessene Prozessorientierung
3.3.3.3 Die Bedeutung von Motiven
3.3.3.4 Kommerzialisierung, Werte, Moral
3.4 Erweiterungsmöglichkeiten des Verhaltensmodells
3.4.1 Präferenzen, Einschränkungen und Wahlhandlungen
3.4.1.1 Anreicherung der Präferenzen
3.4.1.2 Anreicherung der Einschränkungen
3.4.1.3 Bewusste Wahlhandlungen der Individuen
3.4.2 Das Verhältnis der Ökonomie zur Psychologie
3.4.2.1 Anknüpfungspunkte
3.4.2.2 Nutzen für die Psychologie
3.4.2.3 Nutzen für die Ökonomie
4 Kritische Würdigung und hoffnungsvoller Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die gegenwärtige Debatte über den Zustand der modernen Wirtschaftswissenschaften, indem sie sowohl kritische Positionen zur mathematisch-formalisierten Orthodoxie als auch konkrete Reformvorschläge von Bruno S. Frey analysiert, um eine fundierte interdisziplinäre Weiterentwicklung des ökonomischen Verhaltensmodells aufzuzeigen.
2.2.1 Zu viel Mathematik, zu viel Formalisierung
Einer der zentralen Punkte, der immer wieder hervorgebracht wird, ist die Kritik am mathematischen Modellbau der Ökonomie und dessen Brauchbarkeit für eine empirische Sozialwissenschaft. WICKSELL hatte bereits 1913 darauf hingewiesen, dass mathematische Gleichungen keine Beweise sind. Er formulierte damals über WALRAS:
„Beinahe tragisch ist jedoch, dass der sonst so klare und scharfsinnige Walras diesen strengen Beweis (...) schon dadurch gefunden zu haben glaubte, dass er gerade den Gedankeninhalt, der ihm in gewöhnlicher Sprache ausgedrückt ungenügend erschien, bloß in eine mathematische Formel einkleidete.“
Auch bei KEYNES sind Bemerkungen zur Verwendung der Mathematik in der ökonomischen Wissenschaft zu finden. „[Die] neue mathematische Ökonomie ist nur ein Gebräu, ebenso unpräzise wie ihre anfänglichen Voraussetzungen, auf denen sie basiert und die dem (jeweiligen) Autor erlauben, den Blick für die Komplexität und Interdependenz der realen Welt in einer Masse überheblicher und wertloser Symbole zu verstecken.“
Wichtig hierbei erscheint, dass weder KEYNES noch die meisten anderen kritischen Stimmen die Anwendung mathematischer Methoden an sich beanstanden, sondern den Zweck der Anwendung. Sie ermöglicht es dem Versierten, sich in einer Welt scheinbarer Gesetze und deren Beweisführung wie hinter einem Schleier aufzuhalten, ohne sich jedoch an den realen Problemen zu orientieren. Zwar hat die mathematische Sprache den Vorzug exakt zu sein, so ARNDT, aber sie ließe sich genauso missbrauchen wie jede andere Sprache auch. „Wie die grammatikalische Richtigkeit eines Satzes nicht das Geringste über die inhaltliche Richtigkeit besagt, so wenig lässt sich aus der formalen Richtigkeit einer mathematischen Formel auf die sachliche Richtigkeit der in ihr enthaltenen Aussage schließen. Die mathematische Ausdrucksweise ist ebenso wie die verbale Sprache sachneutral. Sie lässt sich ebenso verwenden, um unzutreffende und sachlich falsche Aussagen auszudrücken.“
1 Einleitende Betrachtungen: Einführung in die weltweite Kritik von Ökonomiestudenten an der einseitigen, mathematisch-dogmatischen Lehre und Hinführung zur wissenschaftlichen Position von Bruno S. Frey.
2 Grundlagen der Debatte zum gegenwärtigen Zustand der Ökonomie: Analyse der methodischen Defizite der Neoklassik, insbesondere durch die übermäßige mathematische Formalisierung und die problematische Anlehnung an mechanistische Naturgesetze der klassischen Physik.
3 Freys Beitrag: Kritik und Alternative: Detaillierte Auseinandersetzung mit Freys Gegenentwurf, der das ökonomische Verhaltensmodell durch die Integration von Institutionen und psychologischen Aspekten erweitert und Schwächen der reinen Nutzenmaximierung aufdeckt.
4 Kritische Würdigung und hoffnungsvoller Ausblick: Zusammenfassende Bewertung von Freys interdisziplinärem Ansatz und Diskussion der Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser Ideen in einem akademischen System, das weiterhin von traditionellen methodischen Beharrungskräften geprägt ist.
Ökonomie, Bruno S. Frey, Neoklassik, Mathematisierung, Interdisziplinarität, Verhaltensökonomie, Institutionenökonomie, Nutzenmaximierung, Psychologie, Rationalität, Methodenstreit, Wirtschaftsgeschichte, Formalismus, Sozialwissenschaft, Paradigmenwechsel.
Die Arbeit analysiert die aktuelle Methodenkritik an der modernen Ökonomie und stellt den Beitrag von Bruno S. Frey zur Weiterentwicklung der Wirtschaftswissenschaft als Sozialwissenschaft vor.
Zentrale Themen sind die Kritik an mathematischer Formalisierung, die Bedeutung von Institutionen für individuelles Verhalten sowie die sinnvolle Integration psychologischer Erkenntnisse in ökonomische Modelle.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Ökonomie durch eine Erweiterung ihres theoretischen Rahmens wieder anschlussfähig für reale gesellschaftliche Probleme werden kann, anstatt sich in bloßen mathematischen Modellen zu verlieren.
Es handelt sich primär um eine klassische Literaturarbeit, die durch ein Experteninterview mit Bruno S. Frey ergänzt wurde, um das theoretische Wissen zu vertiefen und offene Fragen zu klären.
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Analyse der bestehenden neoklassischen Theoriegrundlagen und eine detaillierte Ausarbeitung des Gegenentwurfs von Bruno S. Frey, einschließlich der Kompensation individueller Anomalien.
Charakteristische Begriffe sind unter anderem Verhaltensökonomie, Methodenkritik, Interdisziplinarität, Rationalitätsbegriff und das Spannungsfeld zwischen Theorie und Empirie.
Er betrachtet sie als ein Problem, da sie den Blick auf die wirkliche Welt verstellt und oft zu einer inhaltlichen Entleerung führt, in der nur noch logisch konsistente, aber realitätsferne Puzzles gelöst werden.
Institutionen bilden den Rahmen, in dem menschliches Handeln stattfindet. Sie sind für Frey essentiell, um nicht nur monetäre Anreize zu betrachten, sondern auch das soziale Gefüge und die Beschränkungen der Handlungsspielräume abzubilden.
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