Magisterarbeit, 1994
119 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Die Integration der Indígenas in den Staat
1.1. Die Auswirkungen der integrativen Maßnahmen in den Comunidades Indígenas
1.1.1. Die wachsende Unabhängigkeit der Indígenas von den Ladinos
1.1.2. Die intraindigene Klassenbildung
1.2. Politisierung und Organisierung der Indígenas in den frühen 70er Jahren
1.2.1. Die Formierung erster Indígena-Organisationen
1.2.2. Der Griff nach den politischen Institutionen
2. Milieuspezifische Indígena-Organisationen in den späten 70er Jahren
2.1. Die Entstehung der indigenen Basisorganisation
2.1.1. Die Abkehr der Campesinos von der indigenen Bourgeoisie
2.1.2. Das Comité de Unidad Campesina (CUC)
2.2. Die Organisierung der indigenen Bourgeoisie
2.2.1. Die neue Ideologie der indigenen Bourgeoisie
2.2.2. Bourgeoise Indígena-Organisationen im indianistischen Kontext
3. Indígena-Organisationen im Lichte der Aufstandsbekämpfungspolitik
3.1. Die Politik der Generäle
3.2. Die indigene Bevölkerung im bewaffneten Widerstand
3.2.1. Volksorganisation und Guerilla
3.2.2. Indianisten während der Kriegsjahre
3.2.3. Die Debatte um Klasse und Nation
4. Die Zivilregierung und die indigene Bevölkerung
4.1. Das indianistische Autonomieprogramm
4.1.1. Maya-Organisationen als Grundpfeiler der Maya-Republik
4.1.2. Maya-Organisationen und Strategien zur Förderung der ethnischen Identität
4.2. Die Entstehung der Volksorganisationen
4.2.1. Volksorganisationen im Kampf um soziale und Menschenrechte
4.2.2. Volksorganisationen und die Kampagne „500 Años des Resistencia Indígena y Popular“
4.2.3. Die ethnische Bewußtseinsbildung in den Volksorganisationen
4.3. Das Verhältnis zwischen Volksorganisationen und Maya-Institutionen
Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und ideologische Ausrichtung von Indígena-Organisationen in Guatemala zwischen den frühen 1970er und den frühen 1990er Jahren, mit einem besonderen Fokus auf das Spannungsfeld zwischen klassenspezifischer Organisierung und ethnischer Identitätsbildung sowie die Auswirkungen der staatlichen Repression.
1.1. Die Auswirkungen der integrativen Maßnahmen in den Comunidades Indígenas
Obwohl in der Litaralitätskampagne zunächst kaum mehr als 1.000 Indígenas in der spanischen Sprache alphabetisiert worden waren, brachte deren Rückkehr in die Heimatgemeinden für die gesamte Gemeinschaft einen Wandel im Verhältnis zu den Ladinos mit sich (Arias 1990: 238): Warren (1978: 165) und Brintnall (1983: 25) beobachteten übereinstimmend, daß selbst die dort keine Lehrtätigkeit aufnehmenden Heimkehrer ein hohes Ansehen in der Gemeinde genossen, da sie als Repräsentanten der Gemeinschaft vor Ladino-Arbeitgebern und Bezirksregierung selbst-bewußt für deren Rechte eintraten. Da diese Individuen inzwischen die gänzlich auf Spanisch verfaßten Zeitungen, Gesetze, Urkunden und Radioprogramme verstehen konnten, wurden Ladinos als zwischengeschaltete Vermittler der `nationalen Kultur´ überflüssig (Brintnall 1983: 25), als welche sie zuvor ihr Sprachmonopol in den permanenten Landstreitigkeiten der Comunidades Indígenas mit den expandierenden Großgrundbesitzern zu ihren Gunsten hatten ausnutzen können (Burgos 1984: 103ff). Als in den 70er Jahren auf den großen Agrarexportplantagen ein Baumwoll-Boom einsetzte und eine große Anzahl indigener Arbeiter von den Kaffeeplantagen im Landesinneren zur Saisonarbeit anzog, war den Ladinos bereits die traditionelle Kontrolle über den Abschluß der Wanderarbeiter-Verträge entglitten (Brintnall 1983: 25).
Auch die Einführung der innovativen und einen gewissen Wohlstand bringenden Techniken über die Genossenschaften hatte die herkömmlichen Ausbeutungsstrukturen gebietsweise ins Wanken gebracht: Von den bis zum Ende der 70er Jahre weit über fünfhundert entstandenen Genossenschaften waren mehr als die Hälfte Landwirtschaftsgenossenschaften (terre des hommes 1987: 30), weshalb Großgrundbesitzer lokaler Plantagen sich gezwungen sahen, den rückläufigen Zahlen indigener Arbeitskräfte mit leichten Verbesserungen der bisher extrem schlechten Arbeitsbedingungen und geringen Lohnsteigerungen zu begegnen (Warren 1978: 160). Gleiches geschah in der Ixil-Region, nachdem die Genossenschaften ihren Mitgliedern ermöglicht hatten, einen Teil ihres von den Ladinos angeeigneten Landes zurückzukaufen (Stoll 1988: 102).
1. Die Integration der Indígenas in den Staat: Analysiert die staatlichen Integrationsmaßnahmen und deren Auswirkungen auf die ländlichen indigenen Gemeinschaften sowie die beginnende Politisierung und Organisierung in den 1970er Jahren.
2. Milieuspezifische Indígena-Organisationen in den späten 70er Jahren: Beschreibt die Entstehung verschiedener Organisationsformen, darunter die indigene Basisorganisation CUC und die Organisationen der indigenen Bourgeoisie mit ihrem Fokus auf eine neue Identitätspolitik.
3. Indígena-Organisationen im Lichte der Aufstandsbekämpfungspolitik: Erörtert die Auswirkungen der staatlichen Aufstandsbekämpfung und militärischen Repression auf die Arbeit der Organisationen und deren Beteiligung am bewaffneten Widerstand.
4. Die Zivilregierung und die indigene Bevölkerung: Untersucht die Rolle der indigenen Organisationen während des Übergangs zur Zivilregierung, die Entwicklung indianistischer Autonomieprogramme sowie die Rolle der Volksorganisationen im Friedensprozess.
Guatemala, Indígenas, Indianismo, Indigenismo, soziale Bewegung, Campesino, Volksorganisationen, indigene Identität, Autonomie, Widerstand, ethnische Diskriminierung, Klassenbildung, Menschenrechte, CUC, Maya
Die Arbeit analysiert die Geschichte, Strategien und ideologischen Wandlungsprozesse von indigenen Organisationen in Guatemala zwischen 1970 und 1993 im Kontext politischer und sozialer Unterdrückung.
Zentral sind die Themen indigene Identitätspolitik, die sozio-ökonomische Klassenlage, der Einfluss von Missionierung und Genossenschaftswesen sowie der Kampf um Menschenrechte und Autonomie gegenüber dem guatemaltekischen Staat.
Das Ziel ist es, die Entwicklung der indigenen Selbstorganisation als eine Antwort auf Marginalisierung und Repression aufzuzeigen und dabei insbesondere die ideologische Kluft zwischen „indianistischen“ und „klassenorientierten“ Ansätzen zu beleuchten.
Es handelt sich um eine historisch-soziologische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Sekundärliteratur, Flugschriften, Berichten der Organisationen selbst sowie ethnographischen Studien basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Organisierung der 70er Jahre, die Reaktionen auf die militärische Repression in den 80er Jahren und die Rolle der Organisationen bei der Demokratisierung und im Friedensprozess bis Anfang der 90er Jahre.
Neben Indígena, Guatemala und Maya sind dies Begriffe wie Klassenbewegung, Identität, Autonomie, Repression, Volksorganisationen und soziale Stratifikation.
Das Comité de Unidad Campesina (CUC) fungierte als maßgebliche Bauernorganisation, die maßgeblich zur Politisierung des indigenen Sektors beitrug und eine Vorreiterrolle bei der landesweiten Organisierung gegen die sozio-ökonomische Ausbeutung einnahm.
Der indianistische Ansatz betont die kulturelle und ethnische Dimension der Unterdrückung als eigenständigen Faktor und lehnt oft die rein klassenkämpferische Interpretation der marxistischen Guerilla-Organisationen ab, da diese die kulturelle Identität der Indígenas zu vernachlässigen drohe.
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