Bachelorarbeit, 2017
44 Seiten, Note: 1,0
1 Das Problem Apostasie
1.1 Einleitung
1.2 Terminologie
1.3 Forschungsstand
1.4 Was ist Apostasie?
1.5 Der Fall Faraǧ Fauda 1992
1.5.1 Das „Verbrechen“ und die Vergeltung
1.5.2 Die Verteidigung
1.6 Andere prominente Fälle
2 Normative Quellen und Autoritäten
2.1 Koran
2.2 Sunna
2.3 Fiqh (Jurisprudenz)
2.3.1 Strafrecht
2.3.2 Zivilrecht
2.4 Die Stellungnahme Yūsuf al-Qaradạ̄wı̄s 1996
3 Kultur- und Rechtspraxis in Ägypten
3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.2 Islamisierung von Gesellschaft und Recht
3.3 Ausblick
3.3.1 Die Fälle Hịǧāzı̄(2007) und al-Qimnı̄(2009)
3.3.2 Jüngere Entwicklungen (2011–heute)
4 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik des Abfalls vom Islam (Apostasie) vor dem Hintergrund der Kultur- und Rechtspraxis im Ägypten der 1990er Jahre, wobei der Fall Faraǧ Fauda als zentraler Ausgangspunkt zur Beleuchtung der Debatte um Meinungs- und Glaubensfreiheit dient.
1.5.1 Das „Verbrechen“ und die Vergeltung
Der ägyptische Autor, Intellektuelle und Aktivist Faraǧ Fauda wurde am 8. Juni 1992 im Alter von 54 Jahren in Kairo von militanten Islamisten erschossen. Diese gehörten der Organisation al-Ǧamāʿa al-Islāmı̄ya („Islamische Gemeinschaft“) an und waren ausgezogen, Fauda für dessen vermeintliche Apostasie zu bestrafen. Dabei wurde auch Faudas Sohn schwer verletzt, ebenso wie weitere anwesende Personen. Faraǧ Fauda war bereits häufiger der Apostasie und des Unglaubens bezichtigt worden, hatte aber dennoch die (verbale) Auseinandersetzung mit Islamisten selten gescheut. Unmittelbar vor seiner Ermordung hatte am 3. Juni 1992 eine Gruppe von Vertretern der einflussreichen al-Azhar-Universität in Kairo ein fatwā veröffentlicht, das Fauda als Apostaten brandmarkte und ihm Gotteslästerung vorwarf. Dies hat manche Wissenschaftler dazu geführt, von einer ‚division of labor‘ zwischen militanten Islamisten und gewissen radikalen Azhar-Gelehrten zu sprechen.
1 Das Problem Apostasie: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert den Begriff der Apostasie und beleuchtet anhand des Falls Faraǧ Fauda die Spannungsfelder zwischen Meinungsfreiheit und religiös motivierter Verfolgung.
2 Normative Quellen und Autoritäten: Das Kapitel analysiert Koran, Sunna und Fiqh hinsichtlich der apostasierechtlichen Bestimmungen und untersucht die Positionierungen islamischer Rechtsgelehrter wie Yūsuf al-Qaradạ̄wı̄.
3 Kultur- und Rechtspraxis in Ägypten: Es wird der rechtliche Rahmen Ägyptens beleuchtet und die Islamisierung von Gesellschaft und Recht in den Kontext von Machtkämpfen zwischen säkularen und islamistischen Akteuren gesetzt.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass die definitorische Unschärfe des Apostasiebegriffs politisch instrumentalisiert wird, um Andersdenkende zu verketzern und gesellschaftliche Debatten zu unterdrücken.
Apostasie, Islam, Ägypten, Faraǧ Fauda, Religionsfreiheit, Scharia, al-Azhar, Islamismus, Rechtspraxis, Blasphemie, Säkularismus, Jurisprudenz, Koran, Sunna, Politische Instrumentalisierung.
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik des Abfalls vom Islam (Apostasie) in Ägypten und der Frage, wie religiöse und rechtliche Narrative genutzt werden, um soziale und politische Kontrolle auszuüben.
Zentrale Themen sind die Interpretation normativer islamischer Texte, die historische und aktuelle Rechtspraxis in Ägypten sowie der Einfluss des politischen Islam auf die Justiz und die Gesellschaft.
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen religiöser Tradition und staatlichem Recht im modernen Ägypten zu analysieren und zu zeigen, wie der Apostasie-Vorwurf als politisches Instrument eingesetzt wird.
Es handelt sich um eine islamwissenschaftliche Analyse, die einschlägige Primärquellen (Koran, Sunna), juristische Gutachten und zeitgenössische Fallbeispiele historisch und kontextuell untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung normativer religiöser Quellen, die Darstellung ägyptischer Rechtspraktiken und die Analyse gesellschaftspolitischer Islamisierungstendenzen anhand konkreter Fallbeispiele.
Wichtige Begriffe sind Apostasie, al-Azhar, Rechtspraxis, Säkularismus, Politisierung der Religion und Religionsfreiheit.
Der Mord an Fauda im Jahr 1992 fungiert als Präzedenzfall, der verdeutlicht, wie religiöse Fatwas als Rechtfertigung für Gewalt gegen Intellektuelle instrumentalisiert werden konnten.
Obwohl al-Qaradạ̄wı̄ die Todesstrafe für Apostaten prinzipiell befürwortet, lehnt er Selbstjustiz ab und betont, dass ein solches Urteil nur durch eine staatliche rechtliche Instanz unter Einhaltung islamischer Rechtsgrundsätze vollzogen werden darf.
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