Masterarbeit, 2018
71 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Der IKEA-Effekt
2.1 Systematik des IKEA-Effekts
2.2 Abgrenzung zum Endowment-Effekt
2.3 Abgrenzung zum Trophy-Effekt
3 Finanzmärkte
3.1 Effizienzmarkthypothese
3.2 Verhalten der Akteure
4 Design
5 Auswertung
5.1 Hypothese hinsichtlich des soziodemographischen Merkmals Geschlecht
5.2 Hypothesen hinsichtlich des Endowment-Effekts
5.3 Hypothesen hinsichtlich des Einflusses des IKEA-Effekts
6 Fazit
Das Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob die eigenständige Zusammenstellung eines Aktienportfolios im Kontext der Finanzmärkte einen sogenannten IKEA-Effekt auslöst, bei dem der erbrachte Aufwand zu einer unverhältnismäßig hohen subjektiven Wertschätzung führt.
2.1 Systematik des IKEA-Effekts
Entwickelt und vorgestellt wurde der IKEA-Effekt in dem Arbeitspapier „The IKEA effect: When labor leads to love“ (2012) von Michael I. Norton von der Harvard Business School, Daniel Mochon von der University of California und Dan Ariely von der Duke University. Die Autoren konnten mithilfe von vier durchgeführten Experimenten nachweisen, dass die eigenhändige Montage von Massenartikeln zu einer höheren subjektiven Wertschätzung führt. Die praktischen Beweise des IKEA-Effekts wurden dabei mit sich ähnelnden und relativ simplen Versuchsanordnungen erbracht.
Im ersten vorgestellten Experiment wurde zunächst die klassische Form des IKEA-Effekts an einer Universität im Südosten der Vereinigten Staaten untersucht. Insgesamt 52 Probanden wurden zufällig in die Gruppe der „builder“ oder in die der „non-builder“ unterteilt. Die erste Gruppe bekam die Aufgabe, IKEA-Aufbewahrungsboxen mithilfe der mitgelieferten Montageanleitung zusammenzubauen. Die Probanden der Gruppe „non-builder“ hingegen erhielten eine bereits vormontierte IKEA-Box und sollten diese lediglich inspizieren.
Im Anschluss wurden die Teilnehmer beider Gruppen nach ihren maximalen Zahlungsbereitschaften in Form eines Gebots für ihre jeweiligen IKEA-Boxen befragt. Dabei wurde die Becker-DeGroot-Marschak-Methode (im Folgenden BDM) angewendet, um den Probanden einen Anreiz zur Angabe der wahren Zahlungsbereitschaft zu geben (Becker et al., 1964). Diese Methode lässt sich stark vereinfacht mit einer Zweitpreisauktion vergleichen, bei der die Probanden gegen ein computergeneriertes Gebot antreten. Wenn die Gebote der Probanden über denen der Zufallsgebote liegen, so erwerben sie die IKEA-Box zu ihrem individuell abgegeben Gebot. Liegt ihr Gebot darunter, so verbleibt die Box bei den Experimentatoren.
Die Erbauer der IKEA-Boxen boten im Durchschnitt 0,78 US-Dollar, die Gruppe der Nicht-Erbauer hingegen nur 0,48 US-Dollar. Dieser Unterschied war statistisch signifikant auf dem 5%-Niveau und macht deutlich, dass Probanden lediglich durch die Montage der Boxen eine höhere Wertschätzung für diese entwickelten und bereit waren über 63% mehr dafür zu zahlen.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept des IKEA-Effekts ein und stellt die Forschungsfrage nach dessen Übertragbarkeit auf immaterielle Güter wie Aktienportfolios.
2 Der IKEA-Effekt: In diesem Kapitel wird das theoretische Konstrukt des IKEA-Effekts erläutert und durch eine Abgrenzung zum Endowment-Effekt sowie zum Trophy-Effekt präzisiert.
3 Finanzmärkte: Es erfolgt eine Einführung in die Finanzmarkttheorie unter besonderer Berücksichtigung der Effizienzmarkthypothese und verschiedener kognitiver Verzerrungen bei Akteuren.
4 Design: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen bei dem durchgeführten Web-Experiment, einschließlich der Randomisierung der Probanden und der Aufgabenstellungen.
5 Auswertung: Hier werden die Ergebnisse der experimentellen Untersuchung präsentiert, die Hypothesen statistisch geprüft und die Auswirkungen der Portfolioerstellung auf die Wertschätzung analysiert.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert Implikationen für Privatanleger und die Unternehmensführung.
IKEA-Effekt, Verhaltensökonomie, Finanzmärkte, Effizienzmarkthypothese, Endowment-Effekt, Trophy-Effekt, Zahlungsbereitschaft, Verkaufsbereitschaft, Portfolioerstellung, Entscheidungsverhalten, kognitive Verzerrung, experimentelle Analyse, Arbeitsaufwand, Prospect-Theorie, Markteffizienz.
Die Arbeit untersucht, ob das psychologische Phänomen des IKEA-Effekts, bei dem Menschen selbst geschaffene Dinge höher bewerten, auch auf den Bereich der Finanzmärkte und die Zusammenstellung von Aktienportfolios zutrifft.
Zentrale Themen sind der IKEA-Effekt, die Verhaltensökonomie, die Kapitalmarktforschung sowie die experimentelle Messung von Zahlungs- und Verkaufsbereitschaften.
Das Ziel ist es, empirisch zu belegen, ob die eigenständige Zusammenstellung eines Aktienportfolios eine signifikant höhere subjektive Wertschätzung des Portfolios bei den Anlegern auslöst als bei fremderstellten Portfolios.
Es wurde eine quantitative experimentelle Methode in Form eines Web-Experiments mit 518 Teilnehmern angewendet, deren Daten mittels statistischer Verfahren (t-Tests, Regressionsanalysen) ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der relevanten verhaltensökonomischen Effekte (IKEA, Endowment, Trophy) und der Finanzmarkttheorie sowie eine detaillierte Beschreibung und Auswertung des durchgeführten Online-Experiments.
Wichtige Begriffe sind insbesondere IKEA-Effekt, Verhaltensökonomie, Finanzmärkte, Wertschätzung und Portfolioerstellung.
Die Auswertung zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Männern und Frauen hinsichtlich ihrer Zahlungs- oder Verkaufsbereitschaften für die untersuchten Aktienportfolios.
Die Analyse bestätigte, dass der während des Informationsabrufs zur Portfoliozusammenstellung betriebene Aufwand positiv mit der späteren subjektiven Wertschätzung des Portfolios korreliert.
Es konnte festgestellt werden, dass die bloße Information, ein Portfolio geerbt zu haben (ohne dass der Proband es selbst erstellt hätte), ebenfalls zu einer statistisch signifikant höheren Wertschätzung im Vergleich zur Kontrollgruppe führte.
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