Bachelorarbeit, 2016
41 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definition der Vertrauensarbeitszeit
2.2 Abgrenzung zu anderen flexiblen Arbeitszeitmodellen
2.3 Theorie der Entgrenzung von Arbeit
2.4 Arbeitszeitsouveränität
3. Ambivalenz entgrenzter Arbeit: Autonomie und Vereinnahmung
3.1 Arbeitnehmerbezogene Motive von Vertrauensarbeitszeit
3.1.1 Streben nach Autonomie
3.1.2 Realisierung einer Work-Life-Balance
3.2 Merkmale der Vertrauensarbeitszeit
3.2.1 Vertrauenskultur
3.2.2 Zielvereinbarungen
3.2.3 Selbstorganisation
3.2.4 Indirekte Steuerung des Individuums
4. Diskussion
5. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ambivalenz der Vertrauensarbeitszeit, die einerseits als Instrument zur Steigerung der unternehmerischen Effizienz und Flexibilität dient, andererseits jedoch mit Risiken wie Arbeitsentgrenzung und Vereinnahmung für die Beschäftigten verbunden ist. Die Forschungsfrage prüft, inwiefern die erweiterte Autonomie der Arbeitnehmer innerhalb dieses Modells tatsächlich zur Zeitsouveränität beiträgt oder in eine schleichende Selbstausbeutung durch indirekte Steuerungsmechanismen mündet.
3.1.1 Streben nach Autonomie
Die traditionelle Arbeitsorganisation geprägt von starren Arbeitszeiten und einer Präsenzkultur, ließ den einzelnen Arbeitnehmer bisweilen kaum Raum für Selbstentfaltung und Kreativität. Zudem unterdrückte die Weisungshierarchie die Motivation ihrer Mitarbeiter und strafte eigenständiges Denken und Handeln sogar ab (Stratemann, 2001). Im Zuge wachsender Emanzipation und Selbstbestimmung forderte der mündige Arbeitnehmer eine Mitarbeiterkultur der Eigenverantwortung und der Selbstorganisation, bei welcher Unternehmen und Beschäftigte auf gleicher Augenhöhe kooperieren (Then, 2001). Diese These belegt auch eine von der Akademie für Führungskräfte durchgeführte Studie (2013) über ausschlaggebende Motive eines Arbeitsplatzwechsels.
Zwar variieren diese je nach Alter und Geschlecht geringfügig, eine allgemeine Tendenz lässt sich trotzdem feststellen. Neben einem höheren Gehalt als Primärziel, sind die treibenden Kräfte, bei Männern und Frauen gleichermaßen, größere Gestaltungsspielräume bzw. die Möglichkeit eigene Ideen ins Unternehmen einzubringen, mit jeweils über 20 Prozent der Zustimmung. Männer sind häufiger daran interessiert mehr Verantwortung zu übernehmen (14,2 Prozent), wobei Frauen sich eher ein abwechslungsreicheres Aufgabenumfeld (17,6 Prozent) wünschen.
Alle signifikanten Faktoren bzgl. der Arbeitsorganisation können als Streben nach Autonomie klassifiziert werden. Innerhalb der Vertrauensarbeitszeit sollen diese Motive durch das Einräumen von Zeitsouveränität befriedigt werden. Die Arbeitnehmer verfügen über die Lage der eigenen Arbeitszeit in gewissen Bandbreiten autonom. Bei der Zugrundelegung eines humanistischen Menschenbildes ist das gewonnene Selbstbestimmungspotential positiv zu beurteilen (Schuh et al., 2001). Ungeachtet der Tatsache, dass bislang noch keine repräsentativen Forschungsergebnisse bzgl. eines Zusammenhangs von Zeitsouveränität und Mitarbeiterzufriedenheit bei Vertrauensarbeitszeit vorliegen, zeigen sich Tendenzen einer Steigerung der Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter aufgrund einer erweiterten Autonomie ab (Wingen et al., 2004).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel weg vom traditionellen Normalarbeitsverhältnis hin zu flexiblen Modellen wie der Vertrauensarbeitszeit und definiert die kritische Zielsetzung der Arbeit.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Vertrauensarbeitszeit als Modell der Arbeitsorganisation und bettet es in die Theorien zur Arbeitsentgrenzung sowie zur Arbeitszeitsouveränität ein.
3. Ambivalenz entgrenzter Arbeit: Autonomie und Vereinnahmung: Der Hauptteil analysiert die Motive der Arbeitnehmer für Vertrauensarbeitszeit und beleuchtet kritisch die arbeitsorganisatorischen Merkmale wie Vertrauenskultur, Zielvereinbarungen, Selbstorganisation und indirekte Steuerung.
4. Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Ergebnisse der vorherigen Kapitel und arbeitet das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Funktionalisierung und dem subjektiven Autonomiebedürfnis der Beschäftigten heraus.
5. Ausblick: Der Ausblick fordert ein intensiveres Arbeitszeitcontrolling sowie neue kollektive Schutzmechanismen, um die Machtsymmetrie in der Vertrauensarbeitszeit zu wahren.
Vertrauensarbeitszeit, Arbeitsentgrenzung, Arbeitszeitsouveränität, Autonomie, Work-Life-Balance, Indirekte Steuerung, Selbstorganisation, Leistungsanforderungen, Normalarbeitsverhältnis, Rationalisierung, Zielvereinbarungen, Vertrauenskultur, Arbeitsintensivierung, Flexibilisierung, Unternehmensführung.
Die Arbeit befasst sich mit dem Modell der Vertrauensarbeitszeit und untersucht die Spannungsfelder zwischen unternehmerischer Flexibilisierung und den Bedürfnissen der Arbeitnehmer nach Autonomie.
Zentrale Themen sind die Entgrenzung der Arbeit, die Konzepte der Arbeitszeitsouveränität, die Bedeutung von Vertrauenskultur und die Risiken einer schleichenden Vereinnahmung durch indirekte Steuerung.
Das Ziel ist es, die Hypothesen von Befürwortern und Skeptikern der Vertrauensarbeitszeit zu prüfen: Führt das Modell zu echter Freiheit oder zur Selbstausbeutung?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten theoretischen Auseinandersetzung mit der aktuellen Arbeits-, Wirtschafts- und Industriesoziologie sowie der Auswertung empirischer Literatur und Studien.
Im Hauptteil werden zunächst die Arbeitnehmer-Motive (Autonomie, Work-Life-Balance) und anschließend die strukturellen Merkmale der Arbeitsorganisation wie Zielvereinbarungen und indirekte Steuerung analysiert.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Arbeitsentgrenzung, Zeitsouveränität, Indirekte Steuerung und Vertrauensarbeitszeit definiert.
Sie ersetzt klassische Anwesenheitskontrollen durch Zielvorgaben und Selbstverantwortung, was den Arbeitnehmer zwingt, sich den Marktanforderungen anzupassen, ohne formale Unterstützung bei Überlastung.
Weil der Wegfall starrer Arbeitszeiten dazu führen kann, dass Beschäftigte aufgrund von Leistungsdruck und dem Wunsch nach sozialer Anerkennung ihre Arbeitszeit eigenverantwortlich über die vereinbarten Grenzen hinaus ausdehnen.
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