Bachelorarbeit, 2016
30 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Systematische Verhaltenstendenzen und Ansatzpunkte zur Erstellung von Nudges
2.1 Trägheit
2.2 Hyperbolische Diskontierung
2.3 Verlustaversion und Geldwertillusion
2.4 Faustregeln
2.5 Bildung
2.6 Salienz
2.7 Emotionen
2.8 Überschätzung der Gewinnwahrscheinlichkeit
3 „Save More Tomorrow“
3.1 Konzept
3.2 Implementierung
3.3 Weiterer Ausblick
4 Kritik
5 Schlussbetrachtung
Diese Bachelorarbeit untersucht, wie durch verhaltensökonomische Maßnahmen, sogenannte Nudges, das Sparverhalten von Arbeitnehmern im Kontext der Altersvorsorge positiv beeinflusst werden kann. Dabei steht die Analyse systematischer Verhaltensanomalien wie Trägheit, Verlustaversion und hyperbolische Diskontierung im Vordergrund, um aufzuzeigen, warum irrationale Sparentscheidungen getroffen werden und wie diese durch gezielte Entscheidungsarchitektur korrigiert werden können.
2.1 Trägheit
Menschen zeigen eine generelle Neigung, an bestehenden Zuständen festzuhalten und Veränderungen abzulehnen. Dieses Phänomen bezeichnen William Samuelson und Richard Zeckhauser (1988) als Status quo bias. Während der Homo oeconomicus stets die vorteilhaftere Option wählt, zeigen Menschen eine Tendenz, am Status quo festzuhalten, obwohl diese Entscheidung über lange Sicht hin Einbußen bringen könnte. Grundsätzlich ist dieses Verhalten auf die menschliche Trägheit zurückzuführen. Neben der Tendenz zur Prokrastination spielt die Komplexität des Sachverhaltes oder ein Mangel an Aufmerksamkeit ebenso eine entscheidende Rolle (Thaler & Sunstein, 2011).
Ein grundlegender Ansatzpunkt zur Beeinflussung des Sparverhaltens ist die Verwendung von Standardvorgaben. Nach Madrian und Shea (2001) kann durch eine automatische Beitrittsregelung die Teilnehmerzahl am Sparplan deutlich erhöht werden. Typischerweise hat der Arbeitnehmer, sofern er dazu berechtigt ist, die Option, einem betrieblichen Pensionssparplan freiwillig beizutreten, nachdem er ein entsprechendes Formular ausfüllt. Viele Angestellte empfinden dieses Prozedere als lästig, weshalb sie sich gegen einen Beitritt entscheiden. Diese Regelung könnte jedoch folgendermaßen geändert werden: Der Arbeitnehmer nimmt zum Zeitpunkt der Berechtigung automatisch am Rentensparplan teil, hat allerdings die Möglichkeit, sich aktiv wieder abzumelden. Auf diese Weise könnte die Trägheit gezielt dazu genutzt werden, um eine höhere Teilnehmerquote am Sparplan zu erzielen. Um ihre These zu stützen, haben Madrian und Shea die Teilnehmerdaten eines Sparplans sowohl vor als auch nach der Einführung einer automatischen Beitrittsregelung ausgewertet. Die Teilnehmerquote von Arbeitnehmern, die aktiv dem Sparplan beitreten mussten, betrug in den ersten drei Monaten lediglich 20 % und erhöhte sich nach 36 Monaten auf 65 %. Im Gegensatz dazu konnte nach Einführung der automatischen Beitrittsregelung ein signifikanter Anstieg der Teilnehmerquote beobachtet werden. Durch diese Neuregelung hat sich die anfängliche Teilnehmerquote unmittelbar auf 90 % erhöht und ist während der nächsten 36 Monate auf über 98 % angestiegen.
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das Problem der unzureichenden Altersvorsorge und stellt das Konzept des Nudgings als verhaltensökonomische Lösung zur Verbesserung der Sparbereitschaft vor.
2 Systematische Verhaltenstendenzen und Ansatzpunkte zur Erstellung von Nudges: Dieses Kapitel analysiert psychologische Barrieren wie Trägheit und Verlustaversion und präsentiert verschiedene Nudge-Strategien, um diese Hürden zu überwinden.
3 „Save More Tomorrow“: Das Kapitel führt das SMarT-Sparprogramm als innovatives Konzept ein, welches die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie nutzt, um Arbeitnehmern eine automatische Erhöhung der Sparquote zu ermöglichen.
4 Kritik: Hier werden ethische Bedenken und die Kritik am libertären Paternalismus diskutiert, insbesondere im Hinblick auf staatliche Eingriffe und das Risiko des Missbrauchs.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt das enorme Potenzial von Nudges hervor, betont jedoch die Notwendigkeit eines sensiblen Umgangs mit diesen Instrumenten.
Nudging, Entscheidungsarchitektur, Altersvorsorge, Sparverhalten, Trägheit, Verlustaversion, Hyperbolische Diskontierung, Save More Tomorrow, Libertärer Paternalismus, Behavioral Economics, Sparquote, Salienz, Finanzielle Bildung, Prokrastination, Status quo bias
Die Arbeit untersucht, wie verhaltensökonomische Konzepte, speziell das Nudging, dazu genutzt werden können, um Arbeitnehmer zu einer besseren Altersvorsorge zu bewegen.
Die Arbeit konzentriert sich auf psychologische Verhaltenstendenzen wie Trägheit, hyperbolische Diskontierung und Verlustaversion, die als Hindernisse für eine ausreichende Sparrate fungieren.
Ziel ist es, Strategien bereitzustellen, die das Sparverhalten durch kleine, „sanfte“ Veränderungen der Entscheidungsarchitektur signifikant und positiv beeinflussen können.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis aktueller verhaltensökonomischer Studien und experimenteller Ergebnisse zur Entscheidungsfindung im Finanzbereich.
Der Hauptteil analysiert systematische Verhaltensanomalien, stellt das „Save More Tomorrow“-Modell als konkretes Implementierungsbeispiel vor und diskutiert verschiedene Nudge-Ansätze wie Salienz und finanzielle Bildung.
Die zentralen Begriffe sind Nudging, Entscheidungsarchitektur, Altersvorsorge, Trägheit und das Sparprogramm „Save More Tomorrow“.
Das Programm kombiniert verschiedene psychologische Aspekte: Es nutzt die Trägheit der Menschen und verknüpft Sparquotenerhöhungen mit zukünftigen Gehaltserhöhungen, wodurch die gefühlte Belastung durch den Einkommensverlust minimiert wird.
Kritiker führen an, dass Nudges liberale Prinzipien verletzen könnten, die individuelle Autonomie untergraben und das Risiko bergen, von Interessengruppen oder Regierungen manipuliert zu werden.
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