Examensarbeit, 2003
108 Seiten, Note: 1
Einleitung
1 Phonologische Grundlagen
1.1 Distinktive Merkmale
1.1.1 Lineare Merkmalsrepräsentationen
1.1.2 Merkmalsgeometrie
1.2 Die Silbe
1.2.1 Sonorität
1.2.2 Das Konstituentenmodell der Silbe
1.2.2.1 Die extrareimische Position
1.2.2.2 Die extrasilbische Position
1.2.2.3 Ambisilbische Konsonanten
1.2.3 Moren – eine alternative Darstellung des Silbengewichts
1.3 Betonung
1.3.1 Der Fuß
1.3.2 Wortbetonungsregel des Deutschen
1.3.3 Komposita-Betonungsregel
1.3.4 Verschiedene Silbentypen
1.3.4.1 Die prominente Silbe
1.3.4.2 Die unmarkierte Silbe: nicht prominent und nicht reduziert
1.3.4.3 Die Reduktionssilbe
1.4 Prosodische Hierarchie
2 Aspekte der phonologischen Entwicklung
2.1 Distinktive Merkmale
2.1.1 Bestimmung von distinktiven Merkmalen
2.1.2 Entwicklung von distinktiven Merkmalen
2.1.3 Domäne der Merkmalszuweisungen
2.1.4 Zusammenfassung
2.2 Die Silbe
2.2.1 Der Onset
2.2.1.1 Einfache Onsets
2.2.1.2 Komplexe Onsets
2.2.2 Der Reim
2.2.3 Onset und Reim im Vergleich
2.3 Betonung
2.4 Prosodische Hierarchie
3 Entwurf eines Analyseverfahrens
3.1 Analysekriterien
3.1.1 Distinktive Merkmale
3.1.2 Silbenstrukturen
3.1.3 Betonung
3.1.4 Prosodische Hierarchie
3.2 Das Wortmaterial
3.2.1 Gruppe 1: Einsilber
3.2.2 Gruppe 2: Zweisilber
3.2.3 Gruppe 3: Dreisilber
3.2.4 Gruppe 4: Komposita
3.3 Analyse von Einsilbern – Ein Beispiel
3.3.1 Vergleich der Silbenstrukturen
3.3.2 Vergleich der Sonoritätswerte
3.3.3 Vergleich der segmentalen Strukturen
3.3.4 Phoninventar
3.3.5 Phonologische Kontraste
3.3.6 Vergleich der Merkmalszuweisungen
3.3.7 Vergleich der Betonungsstrukturen
3.4. Zusammenfassung
4 Schlussfolgerungen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein diagnostisches Analyseverfahren für kindliche Aussprachestörungen auf der Grundlage der non-linearen Phonologie zu entwickeln. Dabei wird erforscht, welche phonologischen Analysekriterien erforderlich sind, um kindliche Sprachsysteme präziser zu erfassen und in den diagnostischen Prozess der Kooperativen Sprachtherapie zu integrieren.
1.1 Distinktive Merkmale
Vor allem in der segmentalen Phonologie bildet das Phonem eine zentrale Einheit. Eine Theorie des Phonems wurde in der letzen Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt. In den Mittelpunkt der Forschung gelangte das Phonem allerdings erst im Zuge des Strukturalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang werden häufig die Hauptvertreter der so genannten „Prager Schule“ zitiert: ROMAN JAKOBSON und FÜRST TRUBETZKOY. Verschiedene Definitionen des Phonems sind in diesem Zusammenhang zu finden:
Phoneme einer jeweiligen Sprache erfüllen zwei Kriterien: (1) eine distinktive Funktion und (2) Minimalität. So wird das Phonem übereinstimmend als „kleinstes bedeutungsdifferenzierendes Segment einer Sprache bezeichnet“ (BLOOMFIELD, 1933 zitiert nach RAMERS 2002).
Diese distinktive Funktion können Phoneme jedoch nur in Opposition zu anderen Phonemen des gleichen Lautsystems erfüllen. Diese Oppositionen werden über sich minimal unterscheidende Wörter, so genannte Minimalpaare, gebildet. So stehen die Phoneme /β/ und /π/ beispielsweise in Wörtern wie „Pein“ und „Bein“ in Opposition. Betrachtet man Phoneme nun genauer, so wird deutlich, dass sie sich nicht als „unaufspaltbare Atome“ gegenüber stehen, sondern dass sie hinsichtlich bestimmter Lauteigenschaften kontrastieren. In dem bereits erwähnten Beispiel unterscheiden sich die Laute /β/ und /π/ in dem Überwindungsmodus ([+stimmhaft] vs. [-stimmhaft]). Minimalpaare können sich allein in einer bestimmten Eigenschaft (wie hier Stimmhaftigkeit) unterscheiden. Diese Merkmale werden auch als distinktive Merkmale bezeichnet. Ein Phonem ist demnach nicht eine unanalysierbare phonologische Einheit, sondern ein Bündel solcher distinktiven Merkmale. Mit diesen Lauteigenschaften bzw. distinktiven Merkmalen erfüllt ein bestimmtes Phonem seine distinktive Funktion innerhalb eines Sprachsystems.
1 Phonologische Grundlagen: Dieses Kapitel führt in die non-lineare Phonologie ein und beschreibt zentrale phonologische Einheiten wie distinktive Merkmale, die Silbe, Betonungsstrukturen und die prosodische Hierarchie.
2 Aspekte der phonologischen Entwicklung: Hier wird der kindliche Spracherwerb vor dem Hintergrund der non-linearen Phonologie analysiert, wobei Erwerbsreihenfolgen und die Entwicklung der prosodischen Hierarchie im Fokus stehen.
3 Entwurf eines Analyseverfahrens: Dieses Kapitel entwickelt konkrete Analysekriterien für gestörte kindliche Aussprache, definiert das benötigte Wortmaterial und illustriert den Anwendungsprozess anhand von Beispielen.
4 Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Relevanz der entwickelten Methode für die klinische Praxis und die Verzahnung von linguistischer Diagnostik und Pädagogik.
Non-lineare Phonologie, kindlicher Spracherwerb, Aussprachestörungen, Analyseverfahren, Silbenstruktur, distinktive Merkmale, Betonung, prosodische Hierarchie, Merkmalsgeometrie, Kooperative Sprachtherapie, Sonorität, Sprachdiagnostik, Phoninventar, Minimalpaare, Artikulationsort.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung und dem praktischen Entwurf eines Analyseverfahrens für kindliche Aussprachestörungen auf Basis der non-linearen Phonologie.
Die Arbeit verknüpft linguistische Theorien zur Phonologie mit Modellen des kindlichen Spracherwerbs und deren Anwendung in der sprachheilpädagogischen Diagnostik.
Das Ziel ist es, ein systematisches Verfahren zu entwickeln, das Therapeuten erlaubt, kindliche Aussprache abweichungsanalytisch zu beschreiben und Entwicklungsprofile zu erstellen.
Die Arbeit nutzt die theoretische Fundierung der non-linearen Phonologie (insb. Merkmalsgeometrie und prosodische Hierarchie) sowie einen Literaturvergleich zur kindlichen Entwicklung, um daraus Kriterien für ein diagnostisches Instrument abzuleiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen phonologischer Einheiten, die Darstellung kindlicher Entwicklungsaspekte und den daraus resultierenden Entwurf des Analyseverfahrens.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Non-lineare Phonologie, Silbenstruktur, Merkmalsgeometrie, prosodische Hierarchie und diagnostisches Analyseverfahren.
Traditionelle Verfahren basieren meist auf einer linearen, segmentorientierten Sichtweise. Das hier entworfene Verfahren integriert hingegen non-lineare Erkenntnisse wie Kontextabhängigkeiten, Silbenkonstituenten und prosodische Hierarchien.
Die Einsilber werden nach ihrer Reimstruktur in drei Gruppen (offene Silben mit Langvokal sowie geschlossene Silben mit Lang- bzw. Kurzvokal) unterteilt, um die Komplexität der Repräsentation zu erfassen.
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