Bachelorarbeit, 2012
78 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Wissenschaftliche Relevanz
1.3 Politische Aktualität
1.4 Definitionen
1.5 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Substanzbezogene Störungen am Beispiel Alkohol
2.1.1 Epidemiologie
2.1.2 Entstehungsbedingungen einer Abhängigkeit
2.1.2.1 Die Droge
2.1.2.2 Das Sozialfeld
2.1.2.3 Das Individuum
2.1.3 Verlauf einer Alkoholabhängigkeit
2.1.4 Auswirkungen einer Alkoholabhängigkeit
2.2 Familie
2.2.1 Der Familienbegriff
2.2.2 Familienregeln
2.2.3 Familiensystem
2.2.4 Erziehungsverhalten
2.2.5 Bindung
2.2.6 Entwicklungspsychologie
3 Kinder substanzabhängiger Eltern
3.1 Zahlen und Fakten
3.2 Familiensituation
3.3 Kontrollparameter
3.4 Risiko- und Schutzfaktoren bei der Aufklärung einer erhöhten Abhängigkeitsgefährdung
3.4.1 Kindbezogene Risikofaktoren (Vulnerabilität)
3.4.2 Biologische Erklärungsansätze/ genetische Risikofaktoren
3.4.3 Umgebungsbezogene Risikofaktoren (Stressoren)
3.4.4 Kindbezogene Schutzfaktoren (Resilienz)
3.4.5 Umgebungsbezogene Schutzfaktoren (Soziale Unterstützung)
3.5 Auswirkungen auf das Kind/Entwicklungsprognose des Kindes
3.6 Anpassungsbestrebungen/Anstrengungen zur Belastungsbewältigung
3.7 Auswirkungen auf die Zukunft
4. Die Rolle der Sozialen Arbeit und ihre Hilfemöglichkeiten
4.1 Hilfen für Kinder substanzabhängiger Eltern
4.2 Theoretische Bezugswissenschaften
4.3 Zuständigkeiten innerhalb der Sozialen Arbeit
4.4 Grundsätze der Präventionsarbeit
4.5 Soziale Gruppenarbeit
4.5.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.5.2 Zielgruppe
4.5.3 Eckdaten
4.5.4 Methoden
4.5.5 Zielsetzung
4.5.6 Rahmenbedingungen
4.5.7 Elternarbeit
5. Schluss
Die Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen elterlicher Substanzabhängigkeit auf Kinder, insbesondere im Hinblick auf deren eigene Suchtentwicklung. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Soziale Arbeit präventive Hilfsangebote – konkret am Beispiel der Sozialen Gruppenarbeit – gestalten kann, um diese Risikogruppe effektiv zu unterstützen und ihre Resilienz zu stärken.
2.1.2 Entstehungsbedingungen einer Abhängigkeit
Wie eine Abhängigkeit entsteht, ist auch heute noch umstritten. Früher ging man davon aus, dass das Suchtpotential einer psychotropen Substanz Auslöser einer Abhängigkeit darstellt. Heute spricht man vom ‚biopsychosozialen Modell’, begründet durch Feuerlein et al. 1998. Je nach Disziplin werden andere Aspekte der biologischen, psychischen oder sozialen Ursachen in den Vordergrund gestellt. Bereits innerhalb der psychologischen Disziplin gibt es zwei Forschungszweige mit anderem Gegenstandsbereich und anderer Vorgehensweise, die empirisch-experimentelle und die psychoanalytische Psychologie.
Während die Psychoanalyse psychische Phänomene wie Übertragung und Abwehr untersucht, ist dies aus Sicht der empirisch-experimentellen Psychologie ein Untersuchungsfehler (vgl. Bilitza 2008, S. 13). Aus Sicht der Psychoanalyse ist es Aufgabe des ‚Ich’, zwischen dem Triebverhalten ‚Es’ und der Vernunft ‚Über-Ich’ ein Gleichgewicht herzustellen. Das Verlangen nach einer Substanz stärkt das ‚Es’, was es dem ‚Ich’ erschwert, das Gleichgewicht zu halten (vgl. Tretter 2008, S. 39). Der Alkohol hingegen dämpft das ‚Über-Ich’. „Psychoanalytiker sagen, dass das ‚Über-Ich’ durch den Alkohol aufgelöst wird und dann das ‚Es’ das ‚Ich’ unter die Kontrolle der Triebe bringt. Dieser Lustzustand ist der Antrieb für weiteren Drogenkonsum(…)Das ‚Über-Ich’ ist die Bremse des Verhaltens, das ‚Es’ ist das Gas des Verhaltens. Der Alkohol löst die Bremse und gibt Gas!“ (Tretter, Felix 2008, S. 40).
Ein weiteres Problem bei der Darstellung einer Suchtentstehung ergibt sich daraus, dass verschiedene Wissenschaftsdisziplinen unterschiedliche Modelle entwickelt haben, wie eine Sucht entsteht. Biologisch orientierte Modelle beziehen sich auf die Veränderungen im Hirn und den Organen, während psychologische Modelle Lern-, Bewältigungs-, konfliktdynamische, motivationale oder persönlichkeitsorientierte Aspekte in den Vordergrund stellen. Soziologische Modelle fokussieren sich auf makrosoziale Aspekte. Rollenzuschreibungen, wie zum Beispiel das Bewältigen von ‚Entwicklungsaufgaben’ oder der Substanzkonsum als Ausdruck eines sozialen Standes, befinden sich an der Schnittstelle von Soziologie und Psychologie. Parallel dazu gibt es noch die Drogenpolitik, die entscheidend dafür ist, ob eine Substanz legal oder illegal und wie verfügbar diese ist (vgl. Reis 2012, S. 8).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das persönliche Interesse der Autorin sowie die wissenschaftliche und politische Relevanz der Unterstützung von Kindern aus suchtbelasteten Familien.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Suchtentstehung aus biopsychosozialer Sicht und beschreibt die Dynamiken innerhalb von Familiensystemen sowie die Bedeutung von Bindung und Entwicklungspsychologie.
3 Kinder substanzabhängiger Eltern: Hier werden die spezifischen Belastungen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie die Auswirkungen der elterlichen Abhängigkeit auf die Entwicklung und Zukunft der Kinder detailliert analysiert.
4. Die Rolle der Sozialen Arbeit und ihre Hilfemöglichkeiten: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Bezugswissenschaften der Sozialen Arbeit ein und konkretisiert Hilfsangebote durch eine tiefgehende Untersuchung der Sozialen Gruppenarbeit.
5. Schluss: Der Schluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse zur Risikosituation der Kinder zusammen und plädiert für eine verstärkte, ressourcenorientierte Unterstützung durch die Soziale Arbeit.
Substanzabhängigkeit, Alkohol, Kinder, Suchtfamilie, Soziale Arbeit, Prävention, Gruppenarbeit, Resilienz, Vulnerabilität, Familienregeln, Bindung, Suchtpotenzial, psychosoziale Belastung, Entwicklungspsychologie, Kindeswohl
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Kindern, die in einer von Sucht geprägten Familienumgebung aufwachsen, und analysiert, wie Hilfsangebote für diese Zielgruppe konzipiert sein sollten.
Zentrale Themen sind die Entstehung von Suchterkrankungen (biopsychosoziales Modell), Familiendynamiken (Co-Abhängigkeit, Familienregeln), sowie der Einfluss von Risiko- und Schutzfaktoren auf die kindliche Entwicklung.
Das Ziel ist es zu klären, welche Auswirkungen die elterliche Abhängigkeit auf die Kinder hat und wie die Soziale Arbeit durch präventive Ansätze, speziell die Soziale Gruppenarbeit, unterstützend tätig werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer umfangreichen Literaturrecherche und wertet wissenschaftliche Studien sowie Fachkonzepte zur Suchtprävention und Sozialen Gruppenarbeit aus.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Alkohol, Familie), die Analyse der Belastungssituation von Kindern (Risiko- und Schutzfaktoren) und die Darstellung konkreter Interventionsmöglichkeiten in der Sozialen Arbeit.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Substanzabhängigkeit, Resilienz, Vulnerabilität, familiäre Sozialisation und die systemische Perspektive der Sozialen Arbeit.
Wegscheider beschreibt vier typische Rollen, die Kinder in Suchtfamilien einnehmen, um mit der Belastung umzugehen: ‚Der Held’, ‚Das schwarze Schaf’, ‚Das stille Kind’ und ‚Der Clown’.
Das Modell ist wichtig, weil es Sucht nicht als eindimensionales Problem sieht, sondern die Wechselwirkung von biologischen Faktoren (Droge), psychischen Aspekten (Individuum) und sozialen Rahmenbedingungen (Sozialfeld) berücksichtigt.
Co-Abhängigkeit bezeichnet ein Krankheitsbild innerhalb von Suchtfamilien, bei dem Angehörige (oft der Partner) das suchttypische Verhalten des Abhängigen indirekt stabilisieren, indem sie Verantwortung übernehmen und eigene Bedürfnisse verleugnen.
Resilienzförderung zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Kinder zu stärken, damit sie trotz der belastenden Umstände im Elternhaus ein unauffälliges Leben führen und eine gesunde Entwicklung nehmen können.
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