Diplomarbeit, 2004
96 Seiten, Note: 2,15
1 Einleitung
2 Begriffsklärungen
2.1 Integration
2.2 Partizipation
2.3 Politische Partizipation von Migranten
3 Inklusion, Integration und ethnische Schichtung nach Esser
4 Der Stellenwert politischer Partizipation in Integrations- bzw. Assimilationstheorien
4.1 US-amerikanische Integrationstheorien
4.2 Hypothesen zur politischen Partizipation in England und Frankreich
4.3 Modernisierungstheorien und -differenzen in Bezug auf Herkunfts- und Aufnahmegesellschaft
4.4 Traditionsbildung
5 Politische Orientierungen
5.1 Die „Links–Rechts“–Orientierungen
5.2 Demokratieverständnis
5.3 Materialistische / postmaterialistische Wertorientierungen
6 Rahmenbedingungen politischer Partizipation junger Türken und Türkinnen in Deutschland
6.1 Aufenthalt und Verbleibabsicht
6.2 Bildung und Berufsqualifizierung
6.3 Sprachkenntnisse
6.4 Wohnsituation und Familiensituation
6.5 Sozialer Status des Elternhauses
6.6 Herkunftslandbindung
6.7 Rechtliche Rahmenbedingungen
6.8 Faktische politische Partizipationsmöglichkeiten
6.8.1 Ausländerbeiräte
6.8.2 Migrantenselbstorganisation
7 Ergebnisse aktueller Studien zu politischer Partizipation und politischen Orientierungen
8 Resümee
Die Arbeit untersucht die Integration junger Menschen türkischer Abstammung in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung ihrer politischen Teilhabe und Orientierungen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Hindernisse für eine gleichberechtigte Partizipation sowie auf den Einfluss soziostruktureller und rechtlicher Rahmenbedingungen auf die politische Sozialisation.
4.1 US-amerikanische Integrationstheorien
In US-amerikanischen Integrationstheorien ist die politische Teilhabe an der Aufnahmegesellschaft kein selbsständiges Thema. Zu Assimilation bzw. Integration von Einwanderern gibt es drei Grundannahmen, die im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfasst wurden.
In der ersten Grundannahme geht man davon aus, dass sich die später zugewanderten ethnischen Gruppen an die Normen und kulturellen Verhaltensweisen der Aufnahmegesellschaft angleichen. Dieser Prozess wird als „angloconformity“ bezeichnet.
Die zweite Grundannahme geht davon aus, dass die unterschiedlichen Einwanderergruppen und deren Kulturen miteinander verschmelzen, also die völlige Angleichung der Immigranten an die Aufnahmegesellschaft. Diese Entwicklung wird als „melting pot“ bezeichnet.
Die dritte Grundannahme beschreibt die Entwicklung des „cultural pluralism“. Damit wird das friedliche Nebeneinanderleben der verschiedenen Ethnien beschrieben. An die beiden ersten Erklärungsversuche schließen die verschiedenen Assimilationstheorien, die in den Modellen der race-relation-cycles formuliert wurden, an. Der race-relation-cycle von Park und Burgess beinhaltet vier Phasen. Dieses Vier-Phasen-Modell entwickelten Park und Burgess 1925 aus sozialwissenschaftlichen Analysen über den Verlauf von Integrationsprozessen. Sie betrachten den Entwicklungsgang der gesellschaftlichen Integration von Migranten grundlegend als Konflikt von Individuen verschiedener Ethnien, die in Konkurrenz um Positionen in der ökonomischen Ordnung stehen. Bestmöglich verlaufen die vier Phasen folgendermaßen:
In der ersten Phase ist der Kontakt friedlich und informationshalber. Es ist eine Art von Isolation, da die verschiedenen Ethnien miteinander kaum in Berührung kommen. In der zweiten Phase werden Wettbewerbe und Konflikte ausgetragen. Dazu gehören: „Wettbewerb um Berufspositionen, Wohnungen etc., langwieriger Prozeß der Anpassung, Aufgabe einseitiger Ansprüche, räumliche Segregation, Beschäftigungsnischen auf der unteren Hierarchiestufen, Unruhen, Diskriminierung“. Die dritte Stufe bzw. Phase, ist die der Akkomodation. Hier werden die beschriebenen Strukturen aus der zweiten Phase akzeptiert und es herrscht ein wirtschaftliches und soziales Gleichgewicht. Die vierte und letzte Phase beschreibt die Assimilation.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die grundlegende Problematik der politischen Teilhabe von Migranten in der Bundesrepublik Deutschland dar und erläutert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe Integration, Partizipation und die politische Partizipation von Migranten im Kontext des Grundgesetzes.
3 Inklusion, Integration und ethnische Schichtung nach Esser: Hier werden systemtheoretische Konzepte von Inklusion und Exklusion nach Hartmut Esser zur Analyse von Integrationsprozessen herangezogen.
4 Der Stellenwert politischer Partizipation in Integrations- bzw. Assimilationstheorien: Dieses Kapitel untersucht verschiedene theoretische Ansätze zur politischen Teilhabe, darunter US-amerikanische Theorien sowie Erfahrungen aus England und Frankreich.
5 Politische Orientierungen: Hier werden die politische Ausrichtung, das Demokratieverständnis sowie materialistische und postmaterialistische Wertorientierungen der betroffenen Zielgruppe analysiert.
6 Rahmenbedingungen politischer Partizipation junger Türken und Türkinnen in Deutschland: Dieses Hauptkapitel beleuchtet detailliert die sozio-ökonomischen und rechtlichen Faktoren, die die politische Teilhabe beeinflussen.
7 Ergebnisse aktueller Studien zu politischer Partizipation und politischen Orientierungen: Dieses Kapitel fasst empirische Forschungsergebnisse zum politischen Verhalten junger Migranten zusammen.
8 Resümee: Das abschließende Kapitel kritisiert die aktuelle deutsche Integrationspolitik und betont die Notwendigkeit politischer Teilhabe als festen Bestandteil der Integration.
Integration, politische Partizipation, Migranten, junge Türken, Inklusion, Assimilation, Grundgesetz, Demokratieverständnis, Ausländerbeiräte, Migrantenselbstorganisation, soziostrukturelle Rahmenbedingungen, Wertorientierungen, Bildung, Staatsbürgerschaft, Identität.
Die Arbeit untersucht die Integrationssituation junger Menschen türkischer Abstammung in Deutschland unter einem spezifischen Fokus auf deren Möglichkeiten und Ausprägungen politischer Partizipation.
Die Untersuchung deckt die theoretischen Grundlagen der Integration, die politische Sozialisation sowie diverse soziostrukturelle Rahmenbedingungen ab, welche die Teilhabechancen beeinflussen.
Das primäre Ziel ist es, den Stellenwert politischer Partizipation für den Integrationsprozess aufzuzeigen und zu analysieren, warum insbesondere junge Migranten in diesem Bereich auf Barrieren stoßen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch soziologische Systemtheorien sowie der kritischen Aufarbeitung aktueller empirischer Studien zum politischen Verhalten und den Wertorientierungen junger Migranten.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Konzepten (Esser, Heitmeyer) insbesondere die Rahmenbedingungen wie Aufenthalt, Bildung, Sprachkenntnisse und die Arbeit von Migrantenselbstorganisationen detailliert analysiert.
Kernpunkte sind Politische Partizipation, Integration, Identitätsbildung, sozio-ökonomische Barrieren und die Bedeutung der Staatsbürgerschaft für die politische Mündigkeit.
Die Arbeit betrachtet Ausländerbeiräte kritisch: Während sie als notwendige konsultative Einrichtungen dienen, wird ihre Wirksamkeit aufgrund fehlender Entscheidungskompetenzen und geringer Wahlbeteiligung als unzureichend für eine echte politische Teilhabe eingestuft.
Der Autor plädiert dafür, dass politische Partizipation nicht am Ende eines Integrationsprozesses stehen sollte, sondern als konstitutives Element der Integration und Identifikation mit der Aufnahmegesellschaft fungieren muss.
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