Examensarbeit, 2003
101 Seiten, Note: 1,25
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen aggressiven Verhaltens
2.1 Definition von Aggression und Gewalt
2.1.1 Aggression
2.1.2 Gewalt
2.2 Ausdrucksformen aggressiven Verhaltens
2.3 Ursachen von Aggressionen
2.3.1 Psychoanalytische Triebtheorie
2.3.2 Aggressions-Frustrations-Hypothese
2.3.3 Ethologische Triebtheorie
2.3.4 Lerntheorien und aggressives Verhalten
2.3.4.1 Klassische Konditionierung
2.3.4.2 Operante Konditionierung
2.3.4.3 Lernen am Modell
2.3.5 Der pädagogische Aspekt
2.3.6 Der soziologische Aspekt
3. Geschlechtsspezifische Unterschiede im aggressiven Verhalten
3.1 Mädchen und aggressives Verhalten – Was sagt die Forschung?
3.1.1 Bundeskriminalamt- Polizeiliche Kriminalstatistik
3.1.2 Untersuchungen an Schulen
3.2 Interpretationen für die Unterrepräsentanz von Mädchen mit aggressivem Verhalten
3.2.1 Rollen- und sozialisationstheoretischer Ansatz
3.2.2 Feministisch- sozialstruktureller Ansatz
3.2.3 Die relationale Aggression
3.3 Erklärungsansatz für die Zunahme der Delinquenz von Mädchen
3.3.1 Emanzipationsthese
4. Empirischer Teil
4.1 Zielsetzung der empirischen Arbeit
4.1.1 Die Methode
4.1.1.1 Die Befragung
4.1.1.2 Die Gruppendiskussion
4.1.2 Die Fragen
4.1.3 Die Gruppe der Befragten
4.1.4 Durchführung und Vorgehen der Befragung
4.2 Durchführung der qualitativen Inhaltsanalyse
4.2.1 Was ist eine qualitative Inhaltsanalyse?
4.2.2 Durchführung der qualitativen Inhaltsanalyse am Material der Interviews
4.2.2.1 Die Transkription
4.2.2.2 Die angepasste qualitative Inhaltsanalyse
5. Darstellung der Ergebnisse
6. Interpretation der Ergebnisse
6.1 Der 1. Schritt der Interpretation
6.2 Der 2. Schritt der Interpretation
7. Schlussfolgerungen
7.1 Beantwortung der Fragestellung
7.2 Zukunftsperspektiven
Diese Arbeit untersucht das Phänomen aggressiven Verhaltens bei jugendlichen Mädchen, um zu klären, ob es sich dabei um eine bisher unterschätzte Herausforderung für die Heil- und Sonderpädagogik handelt. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, welche persönlichen Erfahrungen Mädchen in sozialen Kontexten machen und wie sie ihr eigenes sowie das Verhalten anderer Mädchen wahrnehmen und bewerten.
2.1.1 Aggression
Eine solche „Umschreibung“ des Aggressionsbegriffes bietet Selg an: „Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder einen Organismussurrogat gerichteten Austeilen schädigender Reize („schädigen“ meint beschädigen, verletzen, zerstören und vernichten; es impliziert aber auch wie „iniuriam facere“ oder „to injure“ schmerzzufügende, störende, Ärger erregende und beleidigende Verhaltensweisen, welche der direkten Verhaltensbeobachtung schwerer zugänglich sind); eine Aggression kann offen (körperlich, verbal) oder verdeckt (phantasiert), sie kann positiv (von der Kultur gebilligt) oder negativ (missbilligt) sein.“ (Selg 1988, S.14)
Für Selg ist es wichtig hervorzuheben, dass Aggression ein Verhalten beschreibt und nicht die Ursache von aggressivem Verhalten ist. Es gibt jedoch kritische Interpretationen negativer Art für die Definition von Selg. So meint Borg-Laufs, dass seine Definition „den Kern des Verhaltens nicht recht trifft“. Es fehlt ihm der Hinweis auf die Intention des Akteurs oder der Akteurin. Borg-Laufs gibt außerdem an, dass der Aggressionsbegriff im Alltagsgebrauch stets wertend gemeint ist und als „böses“ Verhalten interpretiert wird. Viele Aggressionsdefinitionen erheben seiner Meinung nach den Anspruch wertfrei zu bleiben. Das hält er für unangemessen, da das Konstrukt „Aggression“ kontextabhängig benutzt wird. Das gleiche Verhalten würde in verschiedenen Situationen höchst unterschiedlich bewertet werden (vgl. Borg-Laufs 1997, S.18).
Aggression kann des Weiteren in einen „weiten“ Definitionsbegriff und in einen „engen“ Begriff eingeteilt werden: Der „weite“ Begriff der Aggression stellt eine dem Menschen innewohnende Disposition und Energie dar. Von der Etymologie her ist der Begriff Aggression doppeldeutig: Aggression kommt von ad gredi oder aggredi (lat.), was soviel bedeutet wie herangehen, sich an jemanden wenden, jemanden zu gewinnen versuchen. Damit ist jedes Verhalten gemeint, das im Wesentlichen das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung darstellt (vgl. Korn/Mücke 2000, S.16). Somit könnte sich Aggression also auch in der Fähigkeit zur Selbstbehauptung oder bei der Durchsetzung eigener Ziele bemerkbar machen.
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung bezüglich des Anstiegs und der Wahrnehmung aggressiven Verhaltens bei Mädchen im Kontrast zur offiziellen statistischen Erfassung.
2. Theoretische Grundlagen aggressiven Verhaltens: Definition von Aggression und Gewalt sowie ein systematischer Überblick über verschiedene psychologische, lerntheoretische und soziologische Entstehungstheorien.
3. Geschlechtsspezifische Unterschiede im aggressiven Verhalten: Analyse der geschlechtsspezifischen Ausprägung von Aggression und der wissenschaftlichen Ansätze zur Erklärung der wahrgenommenen Unterrepräsentanz von Mädchen in Kriminalstatistiken.
4. Empirischer Teil: Erläuterung der Forschungsziele sowie Begründung der Wahl der qualitativen Methode der Gruppendiskussion als Instrument der Datenerhebung.
5. Darstellung der Ergebnisse: Zusammenfassende Aufbereitung der gewonnenen Erkenntnisse aus der Gruppendiskussion in Form von strukturierten Fragekategorien.
6. Interpretation der Ergebnisse: Kritische Gegenüberstellung der empirischen Befunde mit den theoretischen Ansätzen des zweiten Kapitels.
7. Schlussfolgerungen: Resümee der Arbeit mit Fokus auf pädagogische Handlungsoptionen und Zukunftsperspektiven im Kontext der Heil- und Sonderpädagogik.
Aggression, Gewalt, Mädchen, Geschlechtsspezifik, Sozialisation, Gruppendiskussion, Qualitative Inhaltsanalyse, Delinquenz, Rollenbilder, Autoaggression, Pädagogik, Prävention, Erziehung, Jugendliche, Schulkultur
Die Arbeit untersucht das aggressive Verhalten bei jugendlichen Mädchen, reflektiert die Problematik der statistischen Erfassung und hinterfragt, inwiefern dieses Verhalten eine Herausforderung für heil- und sonderpädagogische Institutionen darstellt.
Zentrale Felder sind die theoretische Definition von Aggression, die geschlechtsspezifische Sozialisation, die Analyse von Kriminalstatistiken und die Durchführung einer qualitativen empirischen Studie mittels Gruppendiskussion.
Ziel ist es zu ergründen, wie Mädchen ihre eigenen Aggressionen sowie die ihrer Umgebung wahrnehmen, welche Erklärungen sie für Unterschiede zum Verhalten von Jungen haben und welche pädagogischen Handlungsmöglichkeiten sich daraus ableiten.
Die Arbeit nutzt als empirische Methode die qualitative Gruppendiskussion (Focus Group) mit Schülerinnen einer Förderschule, deren Aussagen mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung verschiedener Erklärungsmodelle (Triebtheorie, Lerntheorie etc.) und eine empirische Analyse, in der die Erfahrungen der befragten Mädchen den theoretischen Konzepten gegenübergestellt werden.
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie geschlechtsspezifische Aggression, soziale Rollenbilder, Autoaggression und Prävention geprägt.
Die relationale Aggression dient als wichtiger Erklärungsansatz, warum Mädchen in klassischen Statistiken, die primär auf physischer Gewalt basieren, oft als weniger aggressiv erscheinen.
Die Befragung macht deutlich, dass selbstverletzendes Verhalten bei einigen Mädchen als Reaktion auf Überforderung oder psychische Not auftritt, was als ein ernstes Alarmzeichen für pädagogische Fachkräfte hervorgehoben wird.
Die befragten Mädchen äußern die Wahrnehmung, dass Jungen bei Konflikten an ihrer Schule durch Lehrkräfte härter bestraft werden als Mädchen, was im Widerspruch zu manchen theoretischen Ansätzen steht, die eine strengere Sanktionierung von Mädchen wegen Rollenverstößen postulieren.
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