Diplomarbeit, 2005
86 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
1.1 Planwirtschaft
1.2 Transformation und –theorien
1.2.1 Transformation aus neoklassischer Perspektive
1.2.2 Transformation aus keynesianischer Perspektive
1.2.3 Fazit
2. Entwicklung Chinas
2.1 Allgemeiner chinesischer Transitionsprozess
2.2 Gesamtwirtschaftliche Entwicklung
2.3 Finanzsystem
2.3.1 Bankensystem
2.3.2 Aktienmarkt
2.3.3 Geld- und Zinspolitik
2.4 Wechselkurspolitik in der VR China
2.5 Fazit
3. Entwicklung Russlands
3.1 Anpassungskrise 1991-1994
3.2 Stabilisierungsphase 1995-1997
3.3 Finanzkrise 1998
3.4 Stabilisierungsphase Ende1999-2005
3.5 Bankensystem
3.6 Fazit
4. Washington Consensus/ Post W.C.
4.1 Inhalte der Strukturanpassungsprogramme
4.2 Kritik
5. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Diplomarbeit analysiert die Transformationsprozesse von einer Plan- zu einer Geldwirtschaft, wobei der Fokus auf einem Vergleich der Finanzsysteme zwischen Russland und China liegt. Ziel ist es, die Auswirkungen unterschiedlicher ökonomischer Paradigmen – der radikalen neoklassischen "Schocktherapie" gegenüber einer gradualistischen, keynesianisch inspirierten Strategie – auf den Erfolg des Systemübergangs zu bewerten und die Bedeutung kohärenter Transformationsstrategien aufzuzeigen.
1.2.1 Transformation aus der neoklassischen Perspektive
Das marktwirtschaftliche Paradigma verstand sich als Metatheorie und entwickelte sich rasch zur Standardmethodologie der Transformationsforschung. Die wissenschaftliche Legitimität dieses Ansatzes rekurriert auf die neoklassische Wirtschaftstheorie und dessen Präzisierung im heutigen Neoliberalismus. Im Fokus dieses orthodoxen Transformationsmodells steht die rasche Privatisierung des planwirtschaftlichen Produktivvermögens an private Haushalte. Motiv dafür ist die Ansicht, dass nur die schnelle Privatisierung eindeutige property rights sichert und diese die Grundlage für eine mikroökonomische Anreizstruktur darstellen.
Die Privatisierung stellt die exogene Ausstattung der privaten Haushalte mit Ressourcen dar. Da die neoklassische Wirtschaftstheorie auf dem Gegensatz basiert: unbegrenzte Bedürfnisse des Individuums versus Knappheit der Güter, werden WiSu zum Wirtschaften gezwungen (= Budgetrestriktionen). Sobald diese die Ressourcen disponieren können, wägen sie unter dem Primat der Effizienzsteigerung den individuellen Nutzen und die Opportunitätskosten (z.B. das Verhältnis Arbeit - Freizeit) gegeneinander ab. Güter (Ressourcen) werden untereinander getauscht, ein anderer Teil steht zum Konsum zur Verfügung.
Theoretisch existent, sind je nach Ressourcenausstattung der privaten Haushalte unterschiedliche Gleichgewichtskonstellationen der Märkte, bei der alle Ressourcen ausgelastet sind. Die Märkte werden geräumt, die Wohlfahrt eines Individuums und aggregiert eines Landes maximiert sich. Daraus folgt, dass eine effiziente Allokation der Ressourcen durch Marktmechanismen erfolgt. Planwirtschaften in der Transformation zu einer marktwirtschaftlichen Tauschökonomie sollten schnell privatisieren, damit Budgetrestriktion und der Allokationsmechanismus sich etablieren können. Die Methoden der Privatisierung sind von eher nachrangigem Interesse.
Ebenfalls äußerst zügig soll nach neoklassischer/neoliberaler Auffassung die Liberalisierung aller relevanten Märkte vonstatten gehen, damit sich freie Marktpreise bilden können und der Allokationsmechanismus zur Entfaltung kommt. Zügige Liberalisierung ist Voraussetzung für eine stabile gesamtwirtschaftliche Entwicklung, da sie Finanzierungsquellen diversifiziert. Die Markteffizienz ist ein Axiom.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Übergangs von der Plan- zur Geldwirtschaft ein und stellt die theoretischen Paradigmen (Schocktherapie vs. gradualistische Öffnung) im Kontext der Transformation Russlands und Chinas gegenüber.
2. Entwicklung Chinas: Dieses Kapitel analysiert den erfolgreichen gradualistischen Reformprozess Chinas, die Rolle seines Finanzsystems sowie die Besonderheiten der Geld- und Wechselkurspolitik im Kontext eines "sozialistischen" marktwirtschaftlichen Sonderwegs.
3. Entwicklung Russlands: Dieses Kapitel beleuchtet den radikalen und krisenbehafteten Transformationspfad Russlands, einschließlich der Auswirkungen der Schocktherapie, der Finanzkrise 1998 und der strukturellen Defizite des russischen Bankensystems.
4. Washington Consensus/ Post W.C.: Hier werden die Inhalte der marktliberalen Strukturanpassungsprogramme ("Washington Consensus") und deren Erosion durch den "Post-Washington-Consensus" kritisch dargelegt.
5. Schlussbetrachtung: Die abschließende Betrachtung resümiert, dass das chinesische Modell der gradualistischen Transformation deutlich erfolgreicher als die neoliberale Schockstrategie in Russland war, und unterstreicht die Notwendigkeit stabiler Institutionen.
Transformation, Planwirtschaft, Geldwirtschaft, China, Russland, Washington Consensus, Schocktherapie, Gradualismus, Finanzsystem, Bankensystem, Geldpolitik, Wechselkurspolitik, Kapitalverkehrskontrollen, Privatisierung, Marktwirtschaft.
Die Arbeit untersucht den Übergang von Planwirtschaften in marktwirtschaftliche Systeme, speziell mit Blick auf den erfolgreichen chinesischen Weg gegenüber dem Transformationsverlauf in Russland.
Die Schwerpunkte liegen auf der Gestaltung von Finanzsystemen, der Rolle von Banken als Intermediäre, geldpolitischen Strategien sowie der Effektivität von Reformprogrammen multilateraler Institutionen.
Das Ziel ist die Evaluierung der beiden gegensätzlichen Transformationsansätze – neoklassische Schocktherapie versus gradualistische Reformen – und deren Erfolg im Hinblick auf wirtschaftliche Stabilität und Wachstum.
Die Arbeit nutzt eine vergleichende ökonomische Analyse (Komparative Analyse), gestützt auf Literaturstudien und makroökonomische Indikatoren, um die Transformationsprozesse von China und Russland zu bewerten.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Reformen in China (Sonderweg, dual-track-system, Finanzmarktentwicklung) und Russland (Anpassungskrise, Schocktherapie, Bankenkrisen) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Washington Consensus.
Schlüsselbegriffe sind Transformation, Gradualismus, Schocktherapie, Finanzsystem, Bankensystem, Kapitalverkehrskontrollen und makroökonomische Budgetrestriktion.
China wählte einen gradualistischen, experimentellen Weg ("Politik des sanften Wandels") ohne Schockprivatisierung, während Russland unter IWF-Beratung eine rasche "Schocktherapie" (Big-Bang-Strategie) mit sofortiger Liberalisierung und Privatisierung umsetzte.
Der Autor führt das Scheitern auf den extremen wirtschaftlichen Verfall, die Zerstörung des Sozialkapitals, den Anstieg von Korruption sowie die fehlende Kohärenz der neoklassischen Reformmaßnahmen in einem institutionellen Vakuum zurück.
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