Bachelorarbeit, 2018
44 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Jugendstrafrecht
2.1 Historische Entwicklungen
2.2 gesetzliche Regelungen
2.3 Kriminalitäts- , Strafverfolgungs- und Rückfallstatistik
3. Anpassungsverhalten in Totalen Institutionen
3.1 Totale Institutionen
3.2 Anpassungsverhalten
4. Das Erziehungsdilemma im Jugendstrafvollzug
4.1 Widersprüche im Erziehungsgedanken der Jugendstrafe
4.2 Anpassungsverhalten im Jugendstrafvollzug
5. Folgen der Inhaftierung – die Perspektive der Inhaftierten
5.1 Studie: „Straf-Erfahrungen“
5.2 Studie: „Gefängnis und die Folgen“
6. Soziale Arbeit in Zwangskontexten
7. Fazit
Die Arbeit untersucht den Erziehungsauftrag im Kontext des Jugendstrafvollzugs und analysiert, ob Erziehung unter den repressiven Bedingungen von Strafe und Zwang überhaupt möglich ist. Im Zentrum steht die Hypothese, dass die Totalität der Institution zu Anpassungsprozessen führt, die den eigentlichen erzieherischen Zielen entgegenstehen.
3.2 Anpassungsverhalten
In totalen Institutionen verändern sich Menschen. Zum Teil ist dies, hinsichtlich des Ziels der Institution, durchaus gewollt und geplant. Goffmann beschreibt Institutionen und die in ihnen stattfindenden Veränderungsprozesse wie folgt: „Sie sind Treibhäuser, in denen unsere Gesellschaft versucht, den Charakter von Menschen zu verändern“ (Goffmann 1973, S. 21).
Goffmann beschreibt den Eintritt in eine totale Institution, wie den Antritt der Jugendstrafe in einer Vollzugsanstalt, und die damit einhergehenden Prozesse als Angriffe auf das Selbst. Die Inhaftierten erleben mit Haftantritt Demütigungen, Kränkungen und Beschränkungen. Diese sind nicht immer beabsichtigt und bewusst gesteuert. Die erste Beschränkung des Selbst und somit den Verlust der Selbstbestimmtheit, erleben die Inhaftierten durch die Abgrenzung der inneren Welt der Jugendstrafanstalt und der Außenwelt. Diese Grenze hat direkten Einfluss auf das Rollenverhalten (ebd. S. 25). Innerhalb der Gesellschaft ist jeder Träger verschiedener Rollen, wie Schüler*in, Partner*in, Mutter oder Vater. Das Ausführen dieser Rollen wird mit Haftantritt unterbrochen, sie können nicht mehr praktiziert werden. Dies bedeutet einen Angriff auf die Identität der Inhaftierten, da sie auch die mit den verschiedenen Rollen einhergehenden Unterstützungen und Anerkennungen nicht mehr erhalten. Goffmann bezeichnet dies als „bürgerlichen Tod“.
1. Einleitung: Die Arbeit motiviert das Thema durch Berichte aus der Praxis und stellt die Forschungsfrage, ob der Erziehungsauftrag im Zwangskontext des Jugendstrafvollzugs realisierbar ist.
2. Das Jugendstrafrecht: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick zur Entstehung des Jugendstrafrechts und beleuchtet aktuelle gesetzliche Regelungen sowie statistische Daten zu Kriminalität und Rückfallraten.
3. Anpassungsverhalten in Totalen Institutionen: Auf Basis von Erving Goffmans Theorie werden die Auswirkungen geschlossener Systeme auf das Selbstbild und die Verhaltensweisen der Inhaftierten analysiert.
4. Das Erziehungsdilemma im Jugendstrafvollzug: Es werden die systemimmanenten Widersprüche zwischen dem erzieherischen Auftrag des Gesetzes und der Realität der Inhaftierung sowie das resultierende Anpassungsverhalten thematisiert.
5. Folgen der Inhaftierung – die Perspektive der Inhaftierten: Anhand zweier Studien wird aufgezeigt, wie Jugendliche die Haft als massiven Einschnitt erleben und welche Bewältigungsstrategien sie entwickeln.
6. Soziale Arbeit in Zwangskontexten: Die Rolle der Sozialen Arbeit wird in diesem Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle kritisch hinterfragt, insbesondere hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zur Beziehungsarbeit.
7. Fazit: Die Arbeit verifiziert die Hypothese, dass der Zwangskontext des Jugendstrafvollzugs Anpassungsprozesse fördert und die Erfüllung des Erziehungsauftrags massiv erschwert.
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Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Erziehung junger Menschen in geschlossenen Strafvollzugsanstalten unter Berücksichtigung des gesetzlichen Erziehungsauftrags.
Die Schwerpunkte liegen auf den rechtlichen Rahmenbedingungen, den psychologischen Auswirkungen des Lebens in totalen Institutionen nach Goffman und den Widersprüchen zwischen Strafe und Erziehung.
Die zentrale Frage lautet, ob der Erziehungsauftrag im Jugendstrafvollzug unter Bedingungen von Strafe und Zwang tatsächlich erfüllt werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Literaturrecherche, der Analyse aktueller Statistiken und Gesetze sowie der Auswertung bestehender Forschungsstudien zur Perspektive Inhaftierter.
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln, das Anpassungsverhalten der Jugendlichen, die Widersprüchlichkeit des Vollzugsalltags und die Rolle der Sozialen Arbeit innerhalb dieses Zwangskontexts.
Zentrale Begriffe sind der Zwangskontext, die totale Institution, die Anpassung an Haftbedingungen sowie der Gegensatz zwischen Hilfe und Kontrolle durch die Soziale Arbeit.
Sozialarbeiter im Strafvollzug agieren gleichzeitig als Unterstützer für die Entwicklung des Jugendlichen und als Kontrollorgan des Staates, was die Beziehungsarbeit und das Vertrauensverhältnis stark erschwert.
In totalen Institutionen werden alle Lebensbereiche der Inhaftierten fremdbestimmt, was zu einer "bürgerlichen Tod"-Erfahrung und zur Entwicklung spezifischer Strategien (wie Kolonisierung oder Konversion) führt, um in der Haft zu überleben.
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