Masterarbeit, 2018
69 Seiten, Note: 2,7
I. Einleitung
II. ‚Natur‘ und ‚Kultur‘ im literaturwissenschaftlichen Diskurs
1. Die Natur-Kultur-Dichotomie
1.1. Zwei geschiedene Seinsbereiche
1.2. Der naturalistische Ansatz
1.3. ‚Natur‘ als kulturelles Konzept
2. Die Natur- und Kulturauffassungen in der Romantik
III. Zur Raumkonstruktion in Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“
1. Grenzüberschreitung: Von der Heimat in die Fremde
2. Der Heimatort als wandelbares Konstrukt
2.1. Die Mühle
2.2. Das Schlossareal in Wien
2.2.1. Hinter dem Gemäuer
2.2.2. Der herrschaftliche Garten
3. Die Grenzmetaphorik der Übergangszonen
3.1. In der Wildnis
3.2. Eine idyllische Landschaft
4. Zu den Stationen der Fremde
4.1. Das italienische Schloss
4.2. Die Stadt Rom
4.3. Wirtshäuser – Orte der Durchreise
IV. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Natur- und Kulturkonzepten in Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“. Dabei ist das primäre Ziel, aufzuzeigen, wie der Autor durch die räumliche Positionierung des Protagonisten romantische Konzepte aktualisiert, und dabei die Frage zu klären, ob die Novelle als Prototyp romantischer Literatur fungieren kann.
Die Ambivalenz der Naturszenarien
Sieht man sich nun eine Auswahl der Werke verschiedener RomantikerInnen an, fällt auf „wie sehr die Naturszenarien auf Stereotypen basieren, auf allegorische Bedeutungen hin ausgelegt sind und wie ausgeprägt der Naturraum als Effekt einer Imaginationsleistung ausgewiesen ist.“ Letztlich bediente man sich immer wieder derselben stilistischen Modelle. Zwar änderte sich je nach Bedarf deren Reihenfolge in der Verwendung, aber nicht deren Form der Darstellung. Mehrere AutorInnen ähneln sich in ihrer inhaltlichen Wiedergabe von ‚Natur‘ derartig, als hätten sie die gleiche literarische Schablone benutzt.
In den romantischen Naturdarstellungen kristallisiert sich ein charakteristisches Merkmal heraus, das sich den LeserInnen regelrecht aufdrängt. Es ist ein stets präsenter Anthropozentrismus zu erkennen, der das Bild verkörpert, dass ‚Natur‘ „fast ausschließlich für den Menschen“ da ist. Pflanzen, Tiere, Gewässer und andere Repräsentanten von ‚Natur‘ kommen in Liedern und Erzählungen ausnahmslos im Zusammenhang mit dem Menschen vor. Denn erst die Perspektive des Menschen macht das Auftreten von naturalistischen Gegebenheiten zugänglich, indem sie wahrgenommen und rezipiert werden. Im Vordergrund steht der Nutzen, der aus Naturvorkommnissen gezogen werden kann. Fast wie ein Gegenstand soll ‚Natur‘ zum Gebrauch zur Verfügung stehen und am besten allen Bedürfnissen des Menschen dienlich sein. Gerade, wenn der Wunsch nach Freiheit besteht, ist es durch ‚Natur‘ möglich, kulturellen Normen zu entkommen. Das ist zum Beispiel geeignet für „empfindsame, schwärmerische Gemüter, die in die berühmte ‚Waldeinsamkeit‘ flüchten, um dort den Geheimnissen ihrer eigenen Seele auf die Spur zu kommen.“ Eine reine Daseinsberechtigung besitzt ‚Natur‘ in romantischen Werken nicht, jene wird erst mit der menschlichen Komponente verliehen.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die romantische Natur- und Kulturauffassung ein, identifiziert den Taugenichts als Prototyp des Eskapismus und stellt die methodische Untersuchung mittels Lotmans Raumtheorie vor.
II. ‚Natur‘ und ‚Kultur‘ im literaturwissenschaftlichen Diskurs: Das Kapitel klärt grundlegende Begrifflichkeiten, diskutiert die Natur-Kultur-Dichotomie und ordnet diese Konzepte in den literarischen Kontext der Romantik ein.
III. Zur Raumkonstruktion in Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“: Hier erfolgt die Anwendung der Raumtheorie auf das Primärwerk, wobei die Reise des Protagonisten durch Heimat, Grenze und Fremde strukturiert analysiert wird.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die ambivalente Prüfung der These zusammen und stellt fest, dass Eichendorffs Raumkonzepte je nach Szenario romantische Ideale mal erfüllen, mal revidieren.
Romantik, Joseph von Eichendorff, Natur, Kultur, Raumtheorie, Jurij Michailowitsch Lotman, Taugenichts, Heimat, Fremde, Anthropozentrismus, Literaturwissenschaft, Grenzüberschreitung, Raumkonstruktion, Landschaft, Garten.
Die Arbeit analysiert die literarische Verarbeitung von Natur- und Kulturkonzepten in Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ unter besonderer Berücksichtigung der Raumgestaltung.
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen ‚Natur‘ und ‚Kultur‘, die Konstruktion von Räumen wie Heimat und Fremde sowie deren Bedeutung für die Identität des Protagonisten.
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie Eichendorff romantische Konzepte durch die räumliche Positionierung des Taugenichts aktualisiert und ob das Werk als Prototyp der Epoche gelten kann.
Die Untersuchung basiert primär auf dem erzähltheoretischen Raummodell des russischen Literaturwissenschaftlers Jurij Michailowitsch Lotman.
Der Hauptteil analysiert die Grenzüberschreitungen des Taugenichts, seine Erfahrungen in den Heimatorten Mühle und Schloss Wien sowie die Stationen in der Fremde (italienisches Schloss, Rom, Wirtshäuser).
Wichtige Begriffe sind Romantik, Natur-Kultur-Dichotomie, Raumtheorie, Anthropozentrismus, Heimat, Fremde und literarische Raumkonstruktion.
Heimat wird als ein wandelbares Konstrukt begriffen, das nicht nur an den Geburtsort gebunden ist, sondern durch persönliche Erfahrungen und emotionale Bindungen im Laufe der Reise neu definiert werden kann.
Während der Wiener Garten als idealisierte, künstliche Idylle dient, fungiert der verwilderte italienische Garten als Gegenentwurf, der den Kontrollverlust des Menschen gegenüber der Natur symbolisiert.
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