Diplomarbeit, 2000
92 Seiten, Note: 1.0
Vorwort
Einleitung
1. Begriffsbestimmungen
1.1 „Religiosität“ - Versuch einer Begriffsbestimmung
1.1.1 Etymologische Bedeutung
1.1.2 Gesellschaftliche Bedeutung von Religion und Kirche
1.1.3 Die persönlich-spirituelle Dimension des Religiösen
1.1.4 Konkretisierung
1.2 Das pädagogische Leitziel „Mündigkeit“ - Versuch einer Begriffsbestimmung
1.2.1 Konkretisierung
2. Das Spannungsverhältnis zwischen Religiosität und Mündigkeit – ein Resultat der fortgeschrittenen Neuzeit
2.1 Zur Begrifflichkeit von Moderne und Postmoderne
2.2 Die Offenbarungskritik und andere Kennzeichen der Moderne
1. Emanzipation
2. Anthropozentrik
3. Diesseitsorientierung
4. Vernunftautonomie
2.3 Zusammenfassung unter Einbezug des historischen Kontextes
3. In welchem Verhältnis stehen religiöse Sozialisation und mündige Identität?
3.1 Die Identitätstheorie von Jürgen Habermas
1. Natürliche Identität
2. Rollenidentität
3. Ich-Identität
3.2 Die „Diskursethik“ als Eigenheit einer anzustrebenden kollektiven Identität
3.3 Ich-Identität als Leitziel der Ich-Entwicklung
3.3 Die störenden Momente religiöser Sozialisation beim Aufbau mündiger Identität
4. Zum entwicklungs- und moralpsychologischen Stellenwert von Mündigkeit und Religiosität
4.1. Die acht Phasen menschlicher Entwicklung - von Erik H. Erikson
4.1.1 Epigenetisches Diagramm
4.1.2 Die acht Stadien der menschlichen Entwicklung
1. Ur-Vertrauen gegen Ur-Misstrauen
2. Autonomie gegen Scham und Zweifel
3. Initiative gegen Schuldgefühle
4. Werksinn gegen Minderwertigkeitsgefühl
5. Identität gegen Identitätsdiffusion
6. Intimität und Distanzierung gegen Selbstbezogenheit
7. Generativität gegen Stagnierung
8. Integrität gegen Verzweiflung und Ekel
4.1.3 Zusammenfassung
4.2 Die Theorie der Entwicklung des moralischen Urteils - von Lawrence Kohlberg
A. Entwicklung:
B. Interaktion:
C. Aktive Rekonstruktion:
D. Kognition:
E. Interdisziplinarität:
4.2.1 Was bedeutet der Untersuchungsgegenstand „moralisches Urteil“?
4.2.3 Worin liegt das Universelle, das Nicht-Relative am moralischen Urteil?
4.2.4 Das Modell der Moralstufen
A. Die präkonventionelle Ebene:
B. Die konventionelle Ebene:
C. Die postkonventionelle Ebene:
4.3 Kohlberg und Erikson in Gegenüberstellung
5. Theologische Reflexionen und Ansätze zur Rezeption des Mündigkeitsgedankens
5.1 Zur Bedeutung der Rezeption für die Theologie
5.2 Zur Autonomie-Vorstellung in der biblischen und theologischen Tradition
5.2.1 Die philosophische Verabsolutierung der Autonomie-Vorstellung
5.2.2 Die neuzeitlich-theologische Integration der Autonomie-Vorstellung
5.3 Die „Autonome Moral“ als Grundlage christlicher Ethik
5.3.1 Die ethische These
5.3.2. Die theologische These
5.3.3 Die lehramtliche These
5.4.1 Anmerkung zum Modell der autonomen Moral im christlichen Kontext
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Religiosität und dem pädagogischen Leitbild der „Mündigkeit“ vor dem Hintergrund der modernen, pluralistischen Gesellschaft. Ziel ist es zu analysieren, ob eine mündige Identitätsbildung im religiösen Kontext möglich ist und welchen Beitrag das Christentum hierzu leisten kann.
1.1. Etymologische Bedeutung
Das Fremdwort Religion wurde im 16. Jh. aus dem lateinischen Wort religio (religiöse Scheu, Gottesfurcht) entlehnt. In der christlichen Theologie wird Religion häufig als (Zurück)bindung (an Gott) aufgefasst (zu lat. re-ligare „zurückbinden“). Hieraus lässt sich das Adjektiv religiös und das Substantiv Religiosität ableiten, was dann soviel wie „Gläubigkeit, Frömmigkeit“ bedeutet.
Die „Religio“ ist eine kath. religiöse Vereinigung mit eigener Regel und öffentlichen Gelübden. Die Religiösen sind (im kath. Kirchenrecht) Mitglieder religiöser Genossenschaften.
1. Begriffsbestimmungen: Klärung der Begriffe „Religiosität“ und „Mündigkeit“ in ihren vertikalen, horizontalen und ethischen Dimensionen.
2. Das Spannungsverhältnis zwischen Religiosität und Mündigkeit – ein Resultat der fortgeschrittenen Neuzeit: Analyse der gesellschaftlichen Kennzeichen der Moderne und der damit verbundenen Offenbarungskritik.
3. In welchem Verhältnis stehen religiöse Sozialisation und mündige Identität?: Untersuchung der Identitätsentwicklung unter Rückgriff auf Habermas und Erarbeitung der Diskursethik.
4. Zum entwicklungs- und moralpsychologischen Stellenwert von Mündigkeit und Religiosität: Darstellung der Entwicklungsmodelle nach Erikson und Kohlberg sowie deren moralpsychologische Implikationen.
5. Theologische Reflexionen und Ansätze zur Rezeption des Mündigkeitsgedankens: Erörterung der „Autonomen Moral“ als Antwort der Theologie auf den neuzeitlichen Autonomieanspruch.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion zur Verträglichkeit von Religion und Mündigkeit sowie ein Plädoyer für eine kritische Kooperation zwischen Religion und Sozialwissenschaften.
Religiosität, Mündigkeit, Identitätsbildung, Autonomie, Moderne, Diskursethik, Moralentwicklung, Theonomie, Christliche Ethik, Sozialisation, Identität, Habermas, Erikson, Kohlberg, Autonome Moral
Die Arbeit untersucht die theoretische Verträglichkeit zwischen religiöser Sozialisation und dem zentralen pädagogischen Ideal der Mündigkeit in der modernen, säkularisierten Gesellschaft.
Im Zentrum stehen die Identitätsbildung des Menschen, die Spannung zwischen Tradition und Vernunftautonomie sowie die moraltheologische Auseinandersetzung mit dem Mündigkeitsbegriff.
Das Ziel ist herauszufinden, ob eine Reifung zu einer mündigen Identität im religiösen Kontext möglich ist und ob das Christentum dazu einen notwendigen oder nur verzichtbaren Beitrag leisten kann.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der sozialwissenschaftliche Theorien, entwicklungspsychologische Modelle und moraltheologische Standardwerke miteinander in einen kritischen Dialog setzt.
Der Hauptteil analysiert die historischen Merkmale der Moderne, stellt Identitätstheorien von Habermas, Erikson und Kohlberg vor und diskutiert die „autonome Moral“ im christlichen Kontext nach Alfons Auer.
Besonders relevant sind die Begriffe der „Autonomie“ (als Selbstgesetzlichkeit) und der „Diskursethik“ (als intersubjektive Basis für moralisches Handeln in der modernen Gesellschaft).
Der Autor kritisiert, dass hierarchische, autoritätsgebundene Kirchenstrukturen oft keine hinreichende reflexive Identitätsbildung ermöglichen, plädiert aber für eine Öffnung der Theologie zu einem kritischen Dialog.
Sie liefern das theoretische Raster: Habermas für den Identitätsbegriff und die Diskursethik, Erikson für die Stadien der menschlichen Persönlichkeitsentwicklung und Kohlberg für die Stufentheorie des moralischen Urteils.
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