Masterarbeit, 2016
69 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
I. Das Kaisertum – Zwischen preußischem Absolutismus, konstitutioneller Monarchie und mittelalterlichem Heerkönigtum
1. Das preußische Königtum
a. Der preußische Absolutismus im 19. Jahrhundert
b. Die Verfassung von 1848
c. Das Amtsverständnis Wilhelms I. und die Krönung in Königsberg
d. Die Verfassungskrise
e. Die Danziger Rede des Kronprinzen
f. Preußens Aufgabe in Deutschland
2. Der Kaiserplan von 1870
3. Die Kaiserproklamation in Versailles
a. Die Reichstagsdelegation
b. Die Titelfrage
c. Die Zeremonie
d. Reichsinsignien, Adler, Fahnen und Wappen
II. Die Habsburger – Konkurrenten um die Vorherrschaft im Deutschen Bund
1. Der alte Dualismus
a. Das Kaisertum der Habsburger
b. Katholische Habsburger und protestantische Hohenzollern
c. Gleichrangigkeit und Partnerschaft
2. Königgrätz – Schonung oder Demütigung des Gegners?
3. Die Hohenzollern als Erben der Habsburger?
III. Die deutschen Fürsten – Verbündete oder Lehnsleute des Kaisers?
1. Preußen und die anderen Mitgliedsstaaten im Deutschen Bund nach 1848
a. Die Verwandten und Freunde
b. Die Gegner
2. Der Frankfurter Fürstentag
3. Die Hohenzollern und die deutschen Fürsten nach Königgrätz
a. Die Unglücklichen – Der König von Hannover, der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Nassau
b. Die neuen Verbündeten – Der Großherzog von Baden und die Könige von Württemberg und Bayern
c. Der Norddeutsche Bund
4. Die Reichsgründung
a. Die Novemberverträge
b. Der Kaiserbrief
c. Die Huldigung der Fürsten in Versailles
d. Der Kaiser als primus inter pares?
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen politischen Vorstellungen von König Wilhelm I. von Preußen und seinem Sohn, Kronprinz Friedrich Wilhelm, hinsichtlich der Ausgestaltung der deutschen Verfassung und der Rolle des Kaisertums im neuen Deutschen Reich. Ziel ist es, ein differenziertes Bild der Reichsgründung zu zeichnen, das den Fokus von Otto von Bismarck auf die beiden Hohenzollern-Monarchen verlagert und ihre divergierenden Konzepte von Macht, Legitimität und der Stellung Deutschlands innerhalb Europas analysiert.
Die Zeremonie
Das Datum der Kaiserproklamation war von Wilhelm I. persönlich festgelegt worden. Genau 170 Jahre zuvor hatte sich in Königsberg sein Ahnherr, Kurfürst Friedrich VI., zum König gekrönt. Im Gedenken an dieses Ereignis hatte er selbst im Oktober 1861 in der Hauptstadt Ostpreußens seine eigene Krönung vollzogen. Nun bestand er darauf, dass die Zeremonie zur Ausrufung des neuen Kaisertums am Jahrestag der Gründung Preußens stattfinden müsse.
Die Wahl des Ortes war ebenfalls von großer symbolischer Bedeutung. Friedrich Wilhelm hatte schon am 21. September die Ansicht geäußert, dass die „Prunkgemächer“ Ludwigs XIV., in denen „viel Unheil für Deutschland beschlossen“ worden sei, den passenden Rahmen für die „Wiederherstellung von Kaiser und Reich“ liefern könnten. Das Wiedererstarken der deutschen Nation, die lange uneinig gewesen sei, könne nun im Herzen Frankreichs gefeiert werden. Gleichzeitig könnte die besiegte französische Nation für all die Demütigungen, die sie den Deutschen – nicht nur nach Ansicht des Kronprinzen – in der Vergangenheit bereitet hatte, bestraft werden.
Wilhelm I. dachte ähnlich. Für ihn war die Niederlage Frankreichs im aktuellen Krieg die gerechte Strafe für die Expansionspolitik Napoleons I. zu Beginn des Jahrhunderts und den frühen Tod seiner Mutter, Königin Luise, an dem er und viele ihrer Bewunderer dem ersten „Kaiser der Franzosen“ die Schuld gaben. Er selbst ließ sich nach der Reichsgründung als Rächer der Königin Luise von dem Historienmaler Wilhelm Camphausen darstellen. Auf dem Bild ist links Königin Luise im Gespräch mit Napoleon I. in Tilsit und rechts ihr Sohn und Napoleon III. nach der Schlacht von Sedan zu sehen.
Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Zäsur der Reichsgründung 1871 ein und erläutert das Forschungsinteresse, die zwei Hauptfiguren – Wilhelm I. und Friedrich Wilhelm – vergleichend zu betrachten.
I. Das Kaisertum – Zwischen preußischem Absolutismus, konstitutioneller Monarchie und mittelalterlichem Heerkönigtum: Dieses Kapitel analysiert das Amtsverständnis der beiden Hohenzollern, ihre Sicht auf die preußische Krönung und die Bedeutung des Kaisertitels für die neue staatliche Ordnung.
II. Die Habsburger – Konkurrenten um die Vorherrschaft im Deutschen Bund: Der Abschnitt befasst sich mit der langjährigen Konkurrenz zwischen Österreich und Preußen, der konfessionellen Komponente im Dualismus und der Entscheidung von Königgrätz.
III. Die deutschen Fürsten – Verbündete oder Lehnsleute des Kaisers?: Hier steht die Haltung der deutschen Kleinstaaten und Mittelstaaten zum preußischen Führungsanspruch im Mittelpunkt, inklusive der Integration der besiegten Staaten und der symbolischen Gründung des Reiches.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der vergleichenden Untersuchung zusammen und reflektiert über die unterschiedlichen Vorstellungen von Vater und Sohn bezüglich der Ausgestaltung des neuen Reiches.
Reichsgründung, Wilhelm I., Kronprinz Friedrich Wilhelm, Kaisertum, Preußen, Deutscher Bund, Habsburger, Dualismus, Bismarck, konstitutionelle Monarchie, Legitimität, Verfassungskonflikt, 1871, Reichsinsignien, Nationalbewegung.
Die Arbeit untersucht das politische Denken und die Konzepte von König Wilhelm I. und Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen während der Reichsgründungsphase zwischen 1861 und 1871.
Im Zentrum stehen das preußische Königtum, das Verhältnis zu den Habsburgern als langjährigen Konkurrenten um die Vorherrschaft in Deutschland und die Interaktion mit den deutschen Fürsten bei der Reichsgründung.
Ziel ist es, die teilweise sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Vater und Sohn bezüglich der Ausgestaltung des Kaisertums und der deutschen Verfassung herauszuarbeiten.
Es handelt sich um eine vergleichende historische Analyse, die primär auf zeitgenössischen Quellen wie Briefen, Reden, Tagebüchern und der einschlägigen Forschungsliteratur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, die das Kaisertum als Institution, die Rivalität mit Österreich und die Einbindung der deutschen Fürsten in das neue Reich thematisieren.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reichsgründung, preußischer Absolutismus, konstitutionelle Monarchie, nationale Identität und das Gottesgnadentum der Hohenzollern.
Während Wilhelm I. stark in preußischen Traditionen und einem gewissen "altpreußischen" Stolz verwurzelt blieb, sah Friedrich Wilhelm die Zukunft der Dynastie stärker als Erben mittelalterlicher Kaiser und strebte nach einem moderneren, zentralisierteren Nationalstaat.
Die Zeremonie fungiert als symbolischer Gründungsmythos; sie war für die Beteiligten das sichtbare Zeichen für die Wiederherstellung alter Reichsherrlichkeit und die machtvolle Etablierung des neuen Reiches im Herzen Frankreichs.
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