Bachelorarbeit, 2014
53 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
1. Forschungsstand
2. Quellen
3. Methodik
II. Der Bonner Vertrag (921)
III. Der Vertrag von Visé (942)
IV. Die Synode von Ingelheim (948)
V. Der Kölner Hoftag (965)
VI. Der Frieden von Margut (980)
VII. Fazit
Die vorliegende B.A.-Arbeit untersucht die diplomatischen und politischen Beziehungen zwischen dem ottonischen Herrscherhaus im Ostfrankenreich und den letzten Karolingern in Westfranken im Zeitraum von 921 bis 986. Anhand von fünf ausgewählten Herrschertreffen wird analysiert, wie zeitgenössische Historiografen die wechselseitige Wahrnehmung der jeweiligen Könige und Kaiser in ihren Schriften verarbeiteten und inwieweit sich dabei ein Wandel in der Wahrnehmung der politischen Realitäten manifestierte.
Die Darstellung der Ereignisse bleibt bei den beiden westfränkischen Historiografen Flodoard und Richer relativ kurz.
Während der ältere Flodoard um Objektivität und genaue Wiedergabe der Ereignisse bemüht war, wollte Richer die Geschichte vermutlich spannender gestalten und ließ daher auch die erfundene Episode einfließen, die den Tod Graf Erlebalds erklären sollte. Während Flodoard also mangelnde Kenntnis auf sich beruhen ließ und nur schilderte, was er auch wirklich sicher wusste, schmückt Richer seine Erzählung aus. Beiden gemeinsam ist allerdings die sehr nüchterne Haltung gegenüber Heinrich I. Er erscheint als princeps oder dux, aber an keiner Stelle als rex. Richer postuliert sogar ein Lehensverhältnis Heinrichs zu Karl III. An diesem Punkt kann nun die ostfränkische Perspektive angeführt werden. Es liegen drei Darstellungen der Ereignisse im ostfränkischen Bereich vor: die Continuatio Regninonis des Magdeburger Erzbischofs Adalbert, die Sachsengeschichte von Widukind und die Chronik Thietmars von Merseburg.
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der deutsch-französischen Beziehungen im 10. Jahrhundert ein und diskutiert den aktuellen Forschungsstand sowie die für die Arbeit relevanten historiografischen Quellen.
II. Der Bonner Vertrag (921): Die Analyse fokussiert auf das Treffen Heinrichs I. und Karls III., welches als diplomatische Anerkennung der Gleichrangigkeit der beiden Herrscher interpretiert wird.
III. Der Vertrag von Visé (942): Dieses Kapitel beleuchtet das Bündnis zwischen Otto I. und Ludwig IV. vor dem Hintergrund der lothringischen Frage und der innenpolitischen Instabilität in Westfranken.
IV. Die Synode von Ingelheim (948): Die Untersuchung zeigt auf, wie Otto I. durch die Einberufung der Synode seine faktische Vormachtstellung nutzte, um den innerkirchlichen Streit in Westfranken in seinem Sinne zu entscheiden.
V. Der Kölner Hoftag (965): Dieses Treffen wird als Demonstration der Einheit des fränkischen Abendlandes sowie als Höhepunkt der ottonischen Dominanz und dynastischen Verflechtungen analysiert.
VI. Der Frieden von Margut (980): Das letzte analysierte Ereignis markiert das Ende der Ära, in der regierende Karolinger und Ottonen persönlich aufeinandertrafen, und verdeutlicht die zunehmende regionale Fixierung der Quellen.
VII. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die gesamtfränkischen Bezüge am Ende des 10. Jahrhunderts schwand und spezifisch regionale Traditionen in den Vordergrund rückten.
Ottonen, Karolinger, Historiografie, Herrschertreffen, 10. Jahrhundert, Westfrankenreich, Ostfrankenreich, Lothringen, Translatio imperii, politische Wahrnehmung, mittelalterliche Diplomatie, Flodoard von Reims, Richer von Saint-Remi, Widukind von Corvey, Nationenbildung.
Die Arbeit untersucht die diplomatischen Beziehungen und die gegenseitige Wahrnehmung zwischen dem ottonischen Ostfrankenreich und den letzten Karolingern in Westfranken im 10. Jahrhundert.
Im Zentrum stehen die politisch-dynastischen Verflechtungen, die Rolle von Herrschertreffen als diplomatisches Instrument und die Art und Weise, wie dies in den zeitgenössischen Geschichtswerken dokumentiert wurde.
Ziel ist es, durch die vergleichende Analyse west- und ostfränkischer Quellen aufzuzeigen, wie sich das Bild des jeweils "anderen" Reiches im 10. Jahrhundert historiografisch veränderte.
Der Autor nutzt die kritische Analyse und Auswertung von fünf ausgewählten, historiografisch gut belegten Herrschertreffen, um die Wahrnehmungsmuster der damaligen Geschichtsschreiber zu erfassen.
Der Hauptteil analysiert chronologisch die fünf Ereignisse: den Bonner Vertrag (921), den Vertrag von Visé (942), die Synode von Ingelheim (948), den Kölner Hoftag (965) und den Frieden von Margut (980).
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ottonen, Karolinger, Historiografie, Herrschertreffen, Westfrankenreich, Ostfrankenreich und Lothringen.
Lothringen war ein kontinuierlicher Zankapfel zwischen den beiden Reichen, dessen Zugehörigkeit das Verhältnis der Herrscher zueinander maßgeblich belastete oder – durch Anerkennung – stabilisierte.
Der Autor ordnet Otto I. eine starke politische Vormachtstellung zu, da er als Garant für die Durchsetzung der Synodalbeschlüsse fungierte, obwohl offiziell Wert auf Gleichrangigkeit mit dem westfränkischen König gelegt wurde.
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