Masterarbeit, 2017
66 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Forschungsfrage
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Kontext der Forschung
2.1 Begriffsdefinition und Relevanz der Arbeit
2.2 Stand der Forschung
2.3 Afrikanische Migration im Spiegel europäischer Grenzpolitiken
2.4 Von Emigrations- zu Integrationsland? Geopolitischer und historischer Kontext Marokkos
3. Durchführung der Forschung
3.1 Selbstpositionierung
3.2 Auswahl, Anwendung und kritische Reflexion der Forschungsmethoden
3.3 Social-Media-Recherche
3.4 Die Migrantinnen und Migranten
4. Der Weg beginnt
4.1 Aller à l´adventure: Das Selbstverständnis der „Abenteurer“
4.2 Strukturelle Ursachen für Migration und Flucht
4.3 Tanger, Tor nach Europa: Sehnsuchtsort von Einheimischen und Fremden
5. Zwischen Razzia und Regularisierung: Alltag politischer Härte und flexibler Grenzen für Subsahara-Migrant_innen in Marokko
5.1 Marokkos neue Immigrationspolitik: Vom Transit- zum Zielland?
5.2 Marokko neue Immigrationspolitik aus Sicht der Subsahara-Migrant_innen
5.3 Taktiken und Schleusernetzwerke
6. (Über)Leben in Marokko: Lohnarbeit und transnationale Netzwerke
6.1 „Wer Arbeit sucht, der findet!“
6.2 „Tourner la Médina“: Arbeitsverbot und heimliches Arbeiten
6.3 „Sogar die Mülleimer leeren sie selbst“
6.4 Transnationale Beziehungen und Netzwerke
7. Komplizierte Koexistenz: Beziehungen zur marokkanischen Mehrheitsbevölkerung
7.1 „Ebola“ und „Azzi“: Der alltägliche Rassismus
7.2 Good Muslims like you: „Salem aleikum“ und andere Strategien des täglichen Überlebens
8. Grenzregime und Gewalt
8.1 Der Dschungel: Das Epizentrum der Krise
8.2 Aus den Augen, aus dem Sinn? Die Konstruktion Marokkos als Grenzzone
9. Forschungserkenntnisse
10. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen, sozialen und politischen Auswirkungen der europäischen Externalisierungspolitik auf Subsahara-Migrant_innen in Marokko. Dabei wird analysiert, wie diese Menschen ihr Leben in der Irregularität organisieren, sich in informellen Arbeitsmärkten behaupten und mit Gewalt sowie Rassismus umgehen, während Marokko zunehmend als Instrument europäischer Grenzregime fungiert.
3.1 Selbstpositionierung
Da vor allem in Tanger sehr oft europäische Hilfsorganisationen vor Ort sind, dachte die Community zu Beginn, ich wäre von der Caritas, von Human Rights Watch, oder eine Journalistin. Letzteren wird mit immer größerer Skepsis begegnet, da viele Migrant_innen in Tanger bereits interviewt wurden. Die europäischen Journalist_innen, so klagten sie, würden ihre „Story“ für viel Geld in Europa verkaufen und sie sehen davon keinen Cent. Stattdessen wurde ich immer wieder um finanzielle Unterstützung für das Bezahlen von Schleppern gebeten oder dazu aufgefordert, den europäischen Regierungen von den Menschenrechtsverletzungen in Marokko zu berichten. Es fiel mir schwer, die Menschen gleich zu Beginn zu enttäuschen, da ich nicht wollte, dass sie mir deshalb Informationen vermitteln.
Gleichzeitig belastete mich meine eigene Machtlosigkeit angesichts der marginalisierten Situation meiner Informant_innen. Dies spürte ich vor allem während der groß angelegten Razzia Anfang Februar, als die marokkanische Regierung beschloss, alle Subsahara-Migrant_innen, die sich in selbstgebauten Camps in den Wäldern vor der spanischen Exklave Melilla befanden, zu verhaften. An diesem Tag klingelte mein Telefon ununterbrochen: Viele meiner Kontakte baten mich diese Informationen weiterzutragen, in der Hoffnung, dass mehr internationale Medienpräsenz etwas ändern würde.
1. Einleitung: Einführung in die Migrationsproblematik und die Forschungsfragen der Arbeit.
2. Kontext der Forschung: Theoretische Einbettung in die Migrationsforschung und historische Analyse der EU-Grenzpolitik.
3. Durchführung der Forschung: Reflexion der eigenen methodischen Herangehensweise und Selbstpositionierung als Ethnologin im Feld.
4. Der Weg beginnt: Analyse der soziokulturellen Hintergründe und Ursachen für Migrationsentscheidungen in Westafrika.
5. Zwischen Razzia und Regularisierung: Alltag politischer Härte und flexibler Grenzen für Subsahara-Migrant_innen in Marokko: Untersuchung der neuen Immigrationspolitik Marokkos und deren Wahrnehmung durch die Migrant_innen.
6. (Über)Leben in Marokko: Lohnarbeit und transnationale Netzwerke: Beschreibung der prekären Arbeitsbedingungen und der Bedeutung transnationaler Netzwerke.
7. Komplizierte Koexistenz: Beziehungen zur marokkanischen Mehrheitsbevölkerung: Analyse von Alltagsrassismus und Überlebensstrategien im sozialen Austausch.
8. Grenzregime und Gewalt: Darstellung der extremen Situation in den Wäldern bei den spanischen Exklaven und der dortigen Gewalt.
9. Forschungserkenntnisse: Zusammenführung der Ergebnisse bezüglich ökonomischer, sozialer und politischer Auswirkungen.
10. Fazit: Abschließende Reflexion über die Situation im „Zwischenland“ und die Auswirkungen der Grenzexternalisierung.
Externalisierung, Migrationspolitik, Subsahara-Migrant_innen, Marokko, Irregularität, Grenzregime, Rassismus, Transnationale Netzwerke, Prekarität, Fluchtursachen, Empowerment, Ethnographische Feldforschung, Grenzstadt Tanger, Menschenrechte, Grenzgewalt.
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der europäischen Externalisierungspolitik auf Migrant_innen aus Subsahara-Afrika, die in Marokko festsitzen oder auf der Durchreise sind.
Zentrale Themen sind die Lebensbedingungen in der Illegalität, der Alltag an der Grenze, Rassismuserfahrungen sowie Strategien der ökonomischen und sozialen Existenzsicherung.
Ziel ist es, die Perspektive der Migrant_innen auf die "Steuerung aus der Ferne" durch europäische Politik sowie deren sozio-ökonomische Auswirkungen aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine ethnographische Studie, die teilnehmende Beobachtung, Leitfadeninterviews und die Grounded Theory nach Strauss & Corbin nutzt.
Der Hauptteil analysiert die Migrationsentscheidungen, die Arbeitsrealitäten, die komplexen Beziehungen zur marokkanischen Bevölkerung und das Grenzregime an den spanischen Exklaven.
Irreguläre Migration, Clandestins, Externalisierung, Grenzregime, Prekarität und transnationale Netzwerke sind zentrale Begriffe.
Das Abkommen forcierte in Marokko verstärkte Grenzkontrollen und Repressionen, was viele Migrant_innen dazu zwang, ihr Leben zunehmend im Verborgenen zu organisieren.
Neben dem Ertragen von Diskriminierung entwickeln sie Strategien, wie das Ausgeben als "frommer Muslim", um Akzeptanz zu finden oder Ressourcen durch Almosengaben (Zakat) zu erschließen.
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