Masterarbeit, 2018
142 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
1.1 Anliegen und Ziel der Arbeit
1.2 Methode
1.3 Terminologie
1.3.1 Der Begriff "Psychodynamik"
1.3.2 Der Begriff "Fremdenfeindlichkeit"
2. Die Psychodynamik der Fremdenfeindlichkeit
2.1 Individualpsychologische Aspekte
2.1.1 Entwicklungstheoretische Perspektive
2.1.1.1 Primärer Narzissmus
2.1.1.2 Bindungstheoretische Aspekte
2.1.1.3 Konflikte der "analen Phase" und Autonomieentwicklung
2.1.1.4 Adoleszenz und die Bedeutung der Identität
2.1.1.5 Zusammenfassung der entwicklungstheoretischen Perspektive
2.1.2 Autoritarismustheoretischer Ansatz
2.1.3 Narzissmustheoretischer Ansatz
2.1.4 Desintegrationstheoretischer Ansatz
2.1.5 Psychodynamische Besonderheiten im Zusammenhang mit Geflüchteten
2.1.6 Integration der individualpsychologischen Perspektiven
2.2 Psychoanalytisch-sozialwissenschaftliche Aspekte
2.2.1 Die Begrenztheit der individualpsychologischen Perspektive
2.2.2 Gegenstand und Ziele der psychoanalytischen Sozialwissenschaften
2.2.3 Sozialisation in der psychoanalytischen Sozialpsychologie
2.2.3.1 Zum Begriff der Sozialisation
2.2.3.2 Das Konzept des "psychosozialen Kontrakts" bei Günter Lempa
2.2.3.3 Der Zusammenbruch des Kontrakts das Konzept der "sozialen Panik"
2.2.4 Der psychosoziale Kontrakt im 19. und 20. Jahrhundert
2.2.4.1 Erziehung und Sozialisation im 19. und 20. Jahrhundert
2.2.4.2 Veränderungen in neuerer Zeit
2.2.4.3 Die Logik des autoritären psychosozialen Kontrakts und ihre Konsequenzen
2.2.4.4 Soziale Panik im Rahmen dieses psychosozialen Kontrakts
2.2.5 Konsequenzen im Hinblick auf die Psychodynamik der Fremdenfeindlichkeit
2.2.6 Integration der analytisch-sozialpsychologischen Perspektiven
2.3 Ein vorläufiges Arbeitsmodell zur Psychodynamik von Fremdenfeindlichkeit
3. Die Bedeutung der Psychodynamik im Kontext von Prävention
3.1 Klassifikationen präventiver Maßnahmen
3.2 Prävention unter den verschiedenen Aspekten der Fremdenfeindlichkeit
3.2.1 Fremdenfeindlichkeit als Ausdruck intrapsychischer Konflikte
3.2.2 Fremdenfeindlichkeit als Ausdruck irrationaler Bedürfnisse?
3.2.3 Fremdenfeindlichkeit als affektives Phänomen
3.2.4 Fremdenfeindlichkeit als Defizit an Integration und Kompetenzen
3.2.5 Konsequenzen
3.3 Beispiele und Vorschläge von Psychodynamikern für die Prävention
3.3.1 Prävention mit Fokus auf Täter
3.3.1.1 Täterzentriertes psychotherapeutisches Arbeiten
3.3.1.2 Trainings für soziale Kompetenz
3.3.2 Prävention mit Fokus auf Opfer
3.3.2.1 Arbeit mit Opfern fremdenfeindlicher Gewalt und Diskriminierung
3.3.2.2 Bindungsstabilisierende Maßnahmen als potentiell primärpräventive Intervention
3.3.3 Prävention mit Fokus auf Mittäter
3.3.4 Prävention mit Fokus auf Helfer
3.3.4.1 Mögliche Formen von Unterstützung der Arbeit mit Tätern
3.3.4.2 Besonderheiten der Psychodynamik zwischen Opfern, Helfern und Gesellschaft
3.3.4.3 Helfer als "Mittäter": Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in der Psychotherapie
3.3.4.4 Beiträge zur Unterstützung politisch aktiver Gruppen
3.3.5 Weitere Ansatzmöglichkeiten
3.4 Zusammenfassung
4. Prävention als gesellschaftlicher Wandel
4.1 Zur Revision der Konzepte von Sozialisation und Erziehung
4.1.1 Analytisch-sozialwissenschaftliche Kritik an Sozialisation und Erziehung
4.1.2 Zur Neubestimmung von Erziehungszielen und ihren Herausforderungen
4.1.3 Einordnung und vorläufiges Fazit
4.2 Eine Revision des Verständnisses demokratischer Praxis?
4.2.1 Demokratisches Bewusstsein – "demokratisches Unbewusstes"
4.2.2 Demokratiefähigkeit als Fähigkeit zum Ungehorsam?
4.3 Kritik der psychologischen Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit
4.3.1 Kritik der gesellschaftlichen Funktion von Psychologie und Psychotherapie
4.3.1.1 Psychologie im Feld gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse
4.3.1.2 Normalität als ideologisches Konzept
4.3.1.3 Die "Theorie des richtigen Bewusstseins" in der Psychologie
4.3.2 Kritik der akademischen Psychologie
4.3.3 Prävention von Fremdenfeindlichkeit: Zur Handlungsfähigkeit der Psychologie
5. Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychodynamischen Hintergründe von Fremdenfeindlichkeit, um daraus fundierte Ansätze für eine nachhaltige Prävention abzuleiten, die über kurzfristige Einzelmaßnahmen hinausgeht und einen notwendigen gesellschaftlichen Wandel adressiert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die unbewussten Mechanismen, Bedürfnisse und Abwehrstrategien, die fremdenfeindliche Einstellungen sowohl individuell als auch strukturell manifestieren.
2.1.1.1 Primärer Narzissmus
Die erste Fixationsstelle ist nach Auchter die Phase des von Freud so bezeichneten "primären Narzissmus" (Seiffge-Krenke, 2009, S. 6). Verschiedene psychoanalytische Autoren vertreten die Ansicht, dass das Kind in dieser Phase sich und die Mutter als ungetrennte Einheit wahrnimmt, diese Wahrnehmung aber nicht aufrechterhalten kann, weil die Beziehung zur Mutter von Anfang an auch Ambivalenz und Frustration beinhaltet (Auchter, 2000, S. 227 f.). Der typische Abwehrmechanismus, der in dieser Phase eingesetzt wird, um die Illusion der "narzißtisch idealisierte[n] Union" (Bohleber, 2002, S. 709) mit der Mutter aufrechtzuerhalten, ist die Spaltung. Solange der Säugling nicht in der Lage ist, den ambivalenten Charakter seiner Beziehungen zu integrieren, kommt es zur "archaischen Spaltung zwischen 'nur gut' und 'nur böse'" (Auchter, 2000, S. 227), sodass die Objektbeziehung weiterhin idealisiert bleiben kann. Alles Bedrohliche und Unangenehme wird nach außen projiziert. Die Entwicklungsaufgabe besteht darin, den ambivalenten Charakter der Beziehung zu integrieren und den Mechanismus der Spaltung durch reifere Mechanismen zu ersetzen. Dabei spielen Dritte (z. B. der Vater) eine entscheidende Rolle (Wirth, 2001, S. 1239); sie eröffnen die Möglichkeit, "sich beim Fremden das zu holen, was [...] die Mutter nicht geben kann" (Erdheim, 1992, S. 732) und ermöglichen somit einen ersten Schritt zur Autonomieentwicklung. Scheitert diese Integration, besteht die Gefahr, dass auch der erwachsene Mensch auf den vermeintlich altbewährten Mechanismus der Spaltung regrediert, wenn aufgrund äußerer oder innere Belastungen reifere Bewältigungsformen nicht mehr greifen (Ebbinghaus, 2017, S. 19 f.). Dementsprechend ist Regression auf den unreifen Abwehrmechanismus der Spaltung mit darauf folgender Projektion alles Bedrohlichen auf das Fremde ein entscheidender Bestandteil der Psychodynamik von Fremdenfeindlichkeit.
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Akzeptanz von Fremdenfeindlichkeit in der modernen Gesellschaft und stellt die psychodynamische Perspektive als ergänzenden, notwendigen Erklärungsansatz vor.
2. Die Psychodynamik der Fremdenfeindlichkeit: Dieses Kapitel exploriert tiefenpsychologische Aspekte wie den primären Narzissmus und Bindungstheorien sowie sozialwissenschaftliche Konzepte, um die Entstehung fremdenfeindlicher Psychodynamiken zu erklären.
3. Die Bedeutung der Psychodynamik im Kontext von Prävention: Hier werden präventive Maßnahmen kritisch bewertet und spezifische Ansätze für Täter, Opfer, Mittäter und Helfer psychodynamisch eingeordnet.
4. Prävention als gesellschaftlicher Wandel: Dieses Kapitel argumentiert, dass nachhaltige Prävention zwangsläufig einen gesellschaftlichen Wandel erfordert und reflektiert die Rolle der Psychologie als potenzielles Herrschaftswissen.
5. Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, identifiziert Forschungslücken und betont die Notwendigkeit einer systempathologischen Betrachtungsweise von Fremdenfeindlichkeit.
Psychodynamik, Fremdenfeindlichkeit, Prävention, Psychoanalyse, Sozialisation, Autonomie, Identität, Systempathologie, Narzissmus, Autoritarismus, Projektion, Verdrängung, psychosozialer Kontrakt, gesellschaftlicher Wandel, Integration.
Die Arbeit untersucht die psychodynamischen Mechanismen hinter Fremdenfeindlichkeit und analysiert, wie diese Erkenntnisse für eine wirksame Prävention und einen notwendigen gesellschaftlichen Wandel genutzt werden können.
Die zentralen Felder umfassen die psychoanalytische Entwicklungspsychologie, die Analyse autoritärer Sozialisationsstrukturen, die Rolle von Identitätskonflikten sowie die Kritik an der gesellschaftlichen Funktion von Psychologie.
Das Ziel ist es, das Verständnis für Fremdenfeindlichkeit zu vertiefen und aufzuzeigen, dass Prävention nicht nur bei einzelnen Individuen ansetzen darf, sondern strukturelle, gesellschaftliche Veränderungen erfordert.
Die Arbeit basiert auf einem narrativen Review, bei dem eine breite Palette an existierender Literatur aus der Psychoanalyse, Sozialpsychologie, Soziologie und kritischen Psychologie systematisch ausgewertet und psychodynamisch interpretiert wird.
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Fremdenfeindlichkeit, das Konzept des psychosozialen Kontrakts, verschiedene Klassifikationen von Prävention sowie die Bedeutung von Institutionen und gesellschaftlichen Normen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Psychodynamik, Systempathologie, Sozialisation, Autonomie, Projektion, Autoritarismus und gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.
Das Konzept des psychosozialen Kontrakts nach Lempa dient als Erklärungsmodell dafür, wie individuelle Anpassung und soziale Integration unbewusst gesteuert werden und was passiert, wenn dieser Kontrakt (z.B. durch soziale Panik) destabilisiert wird.
Die Kritik soll aufzeigen, dass auch die Psychologie als Wissenschaft nicht neutral ist, sondern durch ein veraltetes Objektivitätsideal und eigene Machtstrukturen oft unbewusst zur Stabilisierung herrschender Verhältnisse beitragen kann.
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