Bachelorarbeit, 2018
45 Seiten, Note: 1,3
1.Einleitung
2. Das ,,Siglo de Oro“ und seine (sozialen) Schattenseiten
3. Armut und Hunger im Lazarillo de Tormes als sozialer Missstand
4. Sozialstrukturen im ,,Lazarillo de Tormes“
5. Die Begriffe ,,Asozialität“, ,,Missstand“ und ,,Spiegel“
5.1 Der asoziale Escudero
5.2 Der asoziale Kleriker
5.3 Der asoziale ,,Barmherzige Bruder“
5.4 Der asoziale Ablassverkäufer
5.5 Der asoziale Erzpriester von Sankt Salvador
5.6 Die Asozialität Lázaros, seiner Familie und weiterer Figuren
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Schelmenroman "Lazarillo de Tormes" nicht lediglich als satirische Kunstgattung, sondern analysiert ihn als ein sozialkritisches Zeitzeugnis, das ein moralisches Vakuum und tiefgreifende soziale Missstände im Spanien des 16. Jahrhunderts offenlegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der moralischen Verwerfung und der Asozialität der Romanfiguren in Relation zur gesellschaftlichen Verantwortung von Eliten, Kirche und Staat.
3. Armut und Hunger im Lazarillo de Tormes als sozialer Missstand
Armut, besonders physisch sichtbare, wie sie uns im Lazarillo de Tormes auf Schritt und Tritt begegnet, war eine im Spanien des 16. Jh. stark verpönte, jedoch soziale Realität, die dem internationalen, humanistischen Ideal der Menschenwürde diametral entgegenstand. Was auf dem Papier als theoretisches Konstrukt funktionierte, erwies sich in der alltäglichen Praxis als nahezu unlösbare Aufgabe. Was sollte man mit all den bis auf die Knochen abgemagerten, armen Seelen denn anfangen? Selbst der große Humanist, Erasmus von Rotterdam, ließ sich angesichts einer solchen Misere zu dem laut ausgesprochenen Gedanken verleiten, ob nicht die Natur selbst diese Menschen als Bettler geschaffen habe:
,,Peut-être, la nature a créé ces gens-là pour être gueux.“
Dieser fatalistisch anmutende Glaube an eine von der Natur gewollte, soziale Stigmatisierung und Ausgrenzung der Schwächsten käme einer Bankrotterklärung an die spanische Gesellschaft gleich, weshalb der Anonymus die Hungerthematik im ersten, zweiten und dritten Traktat nicht nur teilweise physisch sichtbar, man denke an die Episode mit der Schlackwurst im ersten Traktat, sondern im dritten Traktat auch zeitlich für den Leser nachfühlbar macht, um anhand dieses im pikaresken Gewand gekleideten Romans seine (erudierten und einflussreichen) Leser und Landsleute zu schockieren und zum Umdenken zu zwingen, hin zu einer gerechteren Gesellschaft.
1.Einleitung: Diese Einleitung führt in die sozialgeschichtliche Bedeutung des Schelmenromans ein und postuliert die Notwendigkeit einer sozialkritischen Lesart, die über die bloße literarische Satire hinausgeht.
2. Das ,,Siglo de Oro“ und seine (sozialen) Schattenseiten: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext Spaniens als Weltmacht, die trotz enormem Reichtum unter sozialen Krisen, Wirtschaftsproblemen und dem moralischen Druck der Gegenreformation litt.
3. Armut und Hunger im Lazarillo de Tormes als sozialer Missstand: Hier wird der Hunger des Protagonisten als existenzielle Bedrohung und gesellschaftlicher Anklagepunkt analysiert, der die moralische Verantwortung der Eliten und den Diskurs über Bettelwesen hinterfragt.
4. Sozialstrukturen im ,,Lazarillo de Tormes“: Dieses Kapitel untersucht die sozialen Hierarchien und das Machtgefälle, insbesondere das Verhältnis zwischen dem Pícaro und seinen Herren, als Spiegel für ein starres und korruptes System.
5. Die Begriffe ,,Asozialität“, ,,Missstand“ und ,,Spiegel“: Es werden die zentralen Begrifflichkeiten definiert und theoretisch hergeleitet, um die parasitären Verhaltensweisen der Romanfiguren als Delinquenz innerhalb einer dysfunktionalen Gesellschaft zu verstehen.
5.1 Der asoziale Escudero: Der Escudero wird als Repräsentant eines funktionslosen Adelsstandes entlarvt, der sich hinter anachronistischen Ehrenritualen versteckt, während er materiell und moralisch verarmt ist.
5.2 Der asoziale Kleriker: Das Kapitel zeigt den Kleriker als zynischen und geizigen Akteur, der seinen karitativen Auftrag für persönlichen Vorteil verrät.
5.3 Der asoziale ,,Barmherzige Bruder“: Anhand dieser Figur wird die Pervertierung kirchlicher Ordensregeln und das weltliche Fehlverhalten innerhalb der klösterlichen Struktur kritisiert.
5.4 Der asoziale Ablassverkäufer: Es wird die Instrumentalisierung der Kirche durch betrügerische Praktiken dargestellt, die durch ein korruptes System gedeckt werden.
5.5 Der asoziale Erzpriester von Sankt Salvador: Hier wird die moralische Verkommenheit einer religiösen Autorität kritisiert, die ihre Macht missbraucht und Lázaro in ein unmoralisches Lebensverhältnis zwingt.
5.6 Die Asozialität Lázaros, seiner Familie und weiterer Figuren: Das Kapitel beleuchtet die familiäre Prägung des Protagonisten durch kriminelle Milieus als Ursprung seiner sozialen Determinierung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die bleibende Aktualität des Schelmenromans als zeitloses Zeugnis gesellschaftlichen Versagens.
Lazarillo de Tormes, Pícaro, Schelmenroman, Siglo de Oro, soziale Missstände, Armut, Hunger, Asozialität, Inquisition, Moral, Honra, Gesellschaftskritik, Korruption, kirchlicher Missbrauch, Bildungsmisere.
Die Arbeit analysiert den "Lazarillo de Tormes" als sozialkritisches Zeitdokument, das die tiefgreifenden sozialen und moralischen Missstände im Spanien des 16. Jahrhunderts aufdeckt.
Im Fokus stehen Armut und Hunger, das Versagen gesellschaftlicher Eliten, die Korruption in Kirche und Adel sowie die moralische Desintegration der spanischen Gesellschaft.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Roman als "Spiegel" fungiert, der das moralische Vakuum der damaligen Zeit anprangert und die soziale Verantwortung von Institutionen in Frage stellt.
Der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche und sozialhistorische Analyse, um das Werk in den Kontext des Siglo de Oro und der damaligen sozio-ökonomischen Gegebenheiten zu stellen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Dienstherren Lázaros, das Konzept der "Asozialität" und die Verschränkung von religiöser Ideologie und realer sozialer Not.
Begriffe wie Pícaro, Asozialität, Korruption, Honra, soziale Hierarchien und gesellschaftliches Versagen stehen im Zentrum der terminologischen Auseinandersetzung.
Der Begriff wird verwendet, um das parasitäre, eigennützige Handeln der kirchlichen Würdenträger zu beschreiben, die entgegen ihrem christlichen Auftrag die Gesellschaft schädigen, anstatt sie zu stützen.
Der Spiegel zeigt den Eliten ihre eigene moralische Verkommenheit und ihr Versagen auf, wodurch der Roman eine subversive und mahnende Funktion gegenüber der damaligen Obrigkeit einnimmt.
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