Examensarbeit, 2014
52 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Familienbegriff im Wandel
2.1. Der Familienbegriff vor 1800
2.2. Der Familienbegriff ab 1800
2.3. Der Familienbegriff in Bezug auf Kleist
3. Die Rolle der Frau um 1800
3.1. Die Geschlechtscharaktere
3.2. Die Bedeutung der Ehe um 1800
3.3. Kleists Frauenbild und seine Erwartungen an die Ehe
4. Die Marquise von O… - eine Analyse der Figur Juliettas
5. Der Zweikampf- eine Analyse der Figur Littegardes
6. Amphitryon- eine Analyse der Figur Alkmenes
7. Fazit
7.1. Inwiefern ist es wichtig, das Frauenbild dieser Zeit zu kennen, um die Werke richtig verstehen zu können?
7.1.1. Die Marquise von O….
7.1.2. Der Zweikampf
7.1.3. Amphitryon
7.2. Sind die analysierten Frauenfiguren typische Frauen ihrer Zeit?
7.2.1. Die Marquise von O….
7.2.2. Der Zweikampf
7.2.3. Amphitryon
7.3. Gesamtfazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild von Heinrich von Kleist in drei ausgewählten Werken ("Die Marquise von O...", "Der Zweikampf" und "Amphitryon") und setzt dieses in Bezug zu den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen des Familienbegriffs und der Frauenrolle um 1800.
3.1. Die Geschlechtscharaktere
Der heute nicht mehr gebräuchliche Begriff Geschlechtscharakter wurde im 19. Jahrhundert dazu verwendet, die „mit den physiologisch korrespondierend gedachten psychologischen Geschlechtsmerkmale zu bezeichnen. Ihrem Anspruch nach sollten Aussagen über die Geschlechtscharaktere die Natur bzw. das Wesen von Mann und Frau erfassen.“ Den Männern und Frauen wurden also verschiedene Charakteristika zugewiesen, die sie auf Grund ihrer biologischen, physiologischen und natürlichen Veranlagung auszubilden hatten und die für das jeweilige Geschlecht dann als ideal galten. In dem folgenden Lexikoneintrag von 1904 wird deutlich, welche Tugenden dem jeweiligen Geschlecht zugeordnet wurden:
„In der Form des Mannes [offenbart sich] mehr die Kraft, in der Form des Weibes mehr die Idee der Schönheit. Der Geist des Mannes ist mehr schaffend, mehr aus sich heraus in das Weite hineinwirkend, zu Anstrengungen, zur Verarbeitung abstracter Gegenstände, zu weitaussehenden Plänen geneigter; unter den Leidenschaften und Affecten gehören die raschen, ausbrechenden dem Manne, die langsamen, heimlich in sich selbst gekehrten dem Weibe an. Aus dem Manne stürmt die laute Begierde; in dem Weibe siedelt sich die stille Sehnsucht an. Das Weib ist auf einen kleinen Kreis beschränkt, den es aber klarer überschaut: es hat mehr Geduld und Ausdauer in kleinen Arbeiten. Der Mann muß erwerben, das Weib sucht zu erhalten; der Mann mit Gewalt, das Weib mit Güte oder List. Jener gehört dem geräuschvollen, öffentlichen Leben an, diese dem stillen, häuslichen Cirkel. Der Mann arbeitet im Schweiße seines Angesichtes und bedarf erschöpft der tiefen Ruhe; das Weib ist geschäftig immerdar, in nimmer ruhender Betriebsamkeit. Der Mann stemmt sich dem Schicksal selbst entgegen, und trotzt schon zu Boden liegend noch der Gewalt; willig beugt das Weib sein Haupt und findet Trost und Hilfe noch in seinen Tränen.“
Die Frau wird als Gattungswesen definiert. Als zentrale Eigenschaften werden ihr die Passivität, die Abhängigkeit und die Emotionalität zugeschrieben. Der Mann hingegen wird als gesellschaftlich- kulturelles Wesen definiert.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz der Untersuchung von Kleists Werken im Kontext des sozialen Wandels um 1800 dar und definiert das Ziel der Analyse weiblicher Hauptfiguren.
2. Der Familienbegriff im Wandel: Das Kapitel zeichnet die Entwicklung der Familie von der patriarchalisch geprägten Lebensgemeinschaft des 18. Jahrhunderts zur bürgerlichen Kleinfamilie ab 1800 nach und erläutert Kleists eigene familiäre Prägung.
3. Die Rolle der Frau um 1800: Hier werden die zeitgenössischen Vorstellungen von Geschlechtscharakteren, die Bedeutung der Ehe als gottgewollte Vereinigung und Kleists persönliche Erwartungen an eine zukünftige Gattin detailliert beschrieben.
4. Die Marquise von O… - eine Analyse der Figur Juliettas: Diese Analyse untersucht die Entwicklung von Julietta, die trotz einer Phase emanzipatorischen Handelns nach ihrer Vergewaltigung letztlich in ein patriarchales Abhängigkeitsverhältnis zurückkehrt.
5. Der Zweikampf- eine Analyse der Figur Littegardes: Der Fokus liegt auf der passiven Rolle Littegardes, deren Ehre durch männliche Bezugspersonen gerettet werden muss, was die Unmündigkeit der Frau im juristischen Kontext dieser Zeit verdeutlicht.
6. Amphitryon- eine Analyse der Figur Alkmenes: Die Analyse beleuchtet Alkmenes unerschütterliche Liebe und ihr Unvermögen, zwischen dem menschlichen Ehemann und dem göttlichen Geliebten zu unterscheiden, wobei sie zur Verkörperung von Kleists Frauenideal wird.
7. Fazit: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und bestätigt, dass alle drei Frauenfiguren sowohl den gesellschaftlichen Idealen ihrer Zeit als auch den persönlichen Vorstellungen Kleists entsprechen.
Heinrich von Kleist, Frauenbild, Familie, Ehe, 19. Jahrhundert, Geschlechtscharakter, Emanzipation, Patriarchat, Marquise von O..., Der Zweikampf, Amphitryon, Passivität, Rollenverteilung, Tugend, Unschuld.
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Frauenbildes in ausgewählten Werken von Heinrich von Kleist und dessen Übereinstimmung mit den gesellschaftlichen Normen und Familienmodellen um 1800.
Zentrale Themen sind der soziale Wandel des Familienbegriffs, die Konstruktion von Geschlechtscharakteren, die Bedeutung der Ehe sowie die Rolle der Frau als Gattungswesen im 19. Jahrhundert.
Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie sich die untersuchten Frauenfiguren im Spannungsfeld zwischen persönlicher Entwicklung und den zeitgenössischen Erwartungen an Gehorsam und Tugendhaftigkeit verhalten.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die ausgewählten Texte auf Basis historischer Kontextualisierung und unter Einbeziehung von Sekundärliteratur untersucht.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der Novellen und des Dramas, wobei die individuellen Schicksale von Julietta, Littegarde und Alkmene im Hinblick auf ihr Handeln und ihre gesellschaftliche Einordnung analysiert werden.
Wichtige Begriffe sind Kleists Frauenbild, der Wandel des Familienbegriffs, gesellschaftliche Geschlechterrollen und die moralischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts.
Da sie sich ein Leben am Rande der Gesellschaft für ihr ungeborenes Kind nicht vorstellen kann und ihre Identität eng mit den sozialen Hierarchien verknüpft bleibt, ordnet sie sich wieder ihrem Vater und später ihrem Ehemann unter.
Ihre Passivität und die vollständige Abhängigkeit von einem männlichen Stellvertreter bei der Verteidigung ihrer Ehre spiegeln die rechtliche Unmündigkeit und die eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten der Frau im 14. und 19. Jahrhundert wider.
Alkmene verkörpert durch ihre kindliche Naivität und bedingungslose Treue Kleists persönliches Ideal, wobei sie den menschlichen Ehemann zu einem göttlichen Ideal überhöht, um ihre Weltordnung zu bewahren.
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