Bachelorarbeit, 2013
46 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Forschungsstand, Forschungsfrage, Forschungsmethode
3. Linguistische Konzeptionen jugendsprachlicher Varietäten
3.1. Language Awareness
3.1.1. Ursprung des Konzepts
3.1.1.1. Voraussetzung für Language Awareness
3.1.2. Definition von Language Awareness
3.1.3. Language Awareness als Grundlage für Spracheinschätzung
3.2. Eine Sprache – viele Ausprägungen
3.2.1. Sprachliche Varietäten
3.2.1.1. Das Standarddeutsche
3.2.1.2. Der Substandard
3.2.2. Die dialektalen Varietäten
3.2.3. Das Spannungsfeld zwischen der standardisierten Varietät und den nicht standardisierten Varietäten
3.2.3.1. Wie entstehen unterschiedliche Sympathiewerte für Dialekte?
3.3. Problematik der jugendsprachlichen Varietäten
3.3.1. Bewusstsein von Jugendlichen über ihre Sprache
3.3.2. Das Phänomen Kiezdeutsch
3.3.3. Kiezdeutsch: Varietät, Stil oder Dialekt?
3.3.3.1. Kiezdeutsch als Varietät
4. Empirische Instrumente
4.1. Konzept meiner Studie
4.1.1. Die Bedingungen
4.1.2. Der Ablauf
4.2. Bevorzugte Sprachvarietäten der Jugendlichen
4.3. Sprachbewusstsein der Jugendlichen
4.3.1. Einschätzung: Was ist gutes Deutsch?
4.3.2. Bewusstsein über regionale Varietäten: der „Minden-Slang“
4.3.3. Bewertung: Testsätze einordnen
4.3.4. Spracheinschätzung am Beispiel: Kiezdeutsch
4.4. Reflexion der Interviews
5. Fazit
Die Arbeit untersucht das Sprachbewusstsein von Jugendlichen und deren Wahrnehmung verschiedener Sprachvarietäten, insbesondere des Kiezdeutschen. Ziel ist es, durch qualitative Leitfadeninterviews herauszufinden, wie Jugendliche ihre eigene Sprache und spezifische Varietäten bewerten, ob sie diese in ihrem Alltag verwenden und ob eine stigmatisierende Sichtweise auf Kiezdeutsch auch bei den befragten Jugendlichen existiert.
3.3.2. Das Phänomen Kiezdeutsch
Kanaksprak, Ghettodeutsch, Mischsprache, Türkenslang (vgl. Androutsopoulos/Keim 2000: 1) – die Liste herabwürdigender Begriffe für das Phänomen, das hier Kiezdeutsch genannt wird, ist lang. Auffällig ist, dass alle Begriffe außer Kiezdeutsch (der genau deswegen als Bezeichnung ausgewählt wurde) politisch nicht korrekt sind: Sie implizieren bereits, dass es sich um eine minderwertige Sprache handelt („Ghetto“, „Mischsprache“), erniedrigt gleichzeitig deren Sprecher oder generalisiert sie allesamt als Türken. Kiezdeutsch als Begriff dagegen legt den Fokus darauf, dass es sich ganz allgemein um „Deutsch“ handelt, welches im Kiez, also aus der Berliner Mundart heraus übersetzt, im eigenen Viertel gesprochen wird (vgl. Wiese 2012: 15). Der Begriff wurde von Heike Wiese geprägt.
Sprachliche Merkmale, neben denen, die unter jugendsprachlichen Merkmalen bereits aufgezählt wurden, sind:
„(1) der Einfluss von Sprachen aus Herkunftsländern der verschiedenen Migrantenpopulation, der sich in phonetisch-phonologischen Veränderungen und in der Einführung lexikalischen Materials und kurzer Routinen zeigt;
(2) grammatische Reduktionen auf morphologischer und syntaktischer Ebene“ (Wiese 2006: 8)
Außerdem unterscheidet es sich signifikant von anderen Jugendsprachen dadurch, dass es im Hintergrund bei den Sprechern einen leichten ungesteuerten Zweitspracherwerb hat (durch die Verwendung mehrerer Kulturen und unterschiedlich sprachliche Wendungen) und in Beziehung zu ethnolektalen Varietäten steht. Das ist zum Beispiel das „Türkendeutsch“2, die Varietät, die sich aus dem Deutsch türkischer Migranten entwickelt hat und in den Elternhäusern einiger Sprecher gesprochen wird (vgl. Wiese 2006: 10).
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Jugendsprachvarietäten und das Forschungsziel ein, das Sprachbewusstsein von Jugendlichen selbst zu untersuchen.
2. Forschungsstand, Forschungsfrage, Forschungsmethode: Dieser Abschnitt beschreibt den theoretischen Rahmen um Language Awareness, die Einbeziehung von Kiezdeutsch und die Durchführung der qualitativen Studie mittels Leitfadeninterviews.
3. Linguistische Konzeptionen jugendsprachlicher Varietäten: Es werden theoretische Grundlagen zu Language Awareness, Sprachvarietäten (Standard, Substandard, Dialekte) und das spezifische Phänomen Kiezdeutsch umfassend beleuchtet.
4. Empirische Instrumente: Der Teil erläutert das Konzept der Studie, die Bedingungen der Befragung, die bevorzugten Sprachvarietäten der Teilnehmer, deren Sprachbewusstsein und die Bewertung von Testsätzen.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Kiezdeutsch auch bei Jugendlichen stark stigmatisiert ist, das Sprachbewusstsein jedoch ausgeprägter ist als erwartet.
Kiezdeutsch, Sprachbewusstsein, Language Awareness, Jugendsprache, Sprachvarietäten, Standarddeutsch, Substandard, Soziolekt, Sprachwandel, Qualitative Studie, Leitfadeninterviews, Stigmatisierung, Mehrsprachigkeit, Dialekt, Identität
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Sprachbewusstsein von Jugendlichen und der Art und Weise, wie sie verschiedene Sprachvarietäten wahrnehmen, bewerten und im Alltag einsetzen.
Die Arbeit fokussiert auf linguistische Konzepte wie "Language Awareness", die Differenzierung von Sprachvarietäten (Standard, Substandard, Dialekte) sowie eine spezifische Untersuchung des Phänomens Kiezdeutsch.
Das Ziel ist es, durch Interviews herauszufinden, was Jugendliche selbst über ihre Sprache, andere Varietäten und Kiezdeutsch denken, und zu bewerten, wie Kiezdeutsch von ihnen aufgenommen oder stigmatisiert wird.
Die Autorin führt eine qualitative Studie mit elf heterogenen Jugendlichen durch, wobei als zentrales Erhebungsinstrument das Leitfadeninterview genutzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende theoretische Einordnung von Sprachvarietäten und Language Awareness sowie in die Darstellung und Reflexion der empirischen Ergebnisse aus der Befragung.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kiezdeutsch, Sprachbewusstsein, Language Awareness, Jugendsprache, Stigmatisierung und Sprachvarietäten.
Kiezdeutsch wird thematisiert, da es als subkulturelle Varietät kontrovers diskutiert wird, oft mit mangelnder Sprachkompetenz assoziiert ist und laut der Forscherin Heike Wiese als neuer Dialekt gilt – eine Annahme, die in dieser Arbeit kritisch hinterfragt wird.
Nein, die Ergebnisse deuten eher darauf hin, dass Kiezdeutsch von den befragten Jugendlichen abgelehnt und stigmatisiert wird, unabhängig von deren eigenem Migrationshintergrund, was der These eines sich verbreitenden, akzeptierten Dialekts entgegensteht.
Die Jugendlichen zeigen ein überraschend hohes Maß an Bewusstsein für ihren eigenen Sprachgebrauch und sind in der Lage, je nach Situation oder sozialer Gruppe zwischen verschiedenen Sprachstilen zu wechseln.
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