Bachelorarbeit, 2018
59 Seiten, Note: 1,0
I) Einleitung
II) Theoretische Schriften von Diderot und Lessing
II. A. 1) Diderots Entretiens sur le Fils naturel
II. A. 2) Diderots De la Poésie dramatique
II. B. 1) Lessings Briefwechsel über das Trauerspiel
II. B. 2) Lessings Hamburgische Dramaturgie
III) Psychischer Zwiespalt der Familienrollen
III. A) unglückliche Töchter: Rosalie, Sara und Arabella
III. B) liebende Väter: Lysimond und Sir William Sampson
III. C) (un)entschlossene Söhne: Dorval und Mellefont
III. D) konkurrierende Geschwister: Clairville, Constance und Dorval
III. E) rachsüchtige Mutter Marwood
IV) Psycho-physischer Zwiespalt der Familienrollen
IV. A) Weinen
IV. B) Seufzen
IV. C) Mitgefühl
IV. D) Hierarchie und Unterwürfigkeit: vertikale und horizontale Bewegungen
IV. E) Schweigen, Verstummen, Erstarren
V) Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht kontrastiv und vergleichend die Darstellung familiärer Rollen in Denis Diderots Le Fils naturel und Gotthold Ephraim Lessings Miß Sara Sampson, um herauszuarbeiten, wie sich die dramatischen Konzepte der Autoren bezüglich der Figurenkonzeption unterscheiden und inwieweit die Figuren ihren familiären Rollen gemäß handeln oder an ihnen scheitern.
III. C) (un)entschlossene Söhne: Dorval und Mellefont
Bereits in der ersten Szene wird in der Regieanweisung dem Leser Dorvals innere Unruhe vor Augen geführt: „en cheveaux négligés [...] Il paroît agité. Après quelques mouvemens violens, il s’appuie sur un des bras de son fauteuil, comme pour dormir. Il quitte bientôt cette situation. | mit unordentlichen Haaren [...] Er scheinet unruhig. Nach einigen heftigen Bewegungen, stürtzt er sich auf die eine Lehne seines Stuhls, als ob er schlafen wolle. Er setzt sich bald wieder anders.“ (I, I, S. 21) Die Syntax löst sich auf, wodurch auf einer weiteren Ebene seine Verzweiflung ausgedrückt wird: „Je ne peux m’éviter...Il faut sortir d’ici...sortir d’ici! Et j’y suis enchaîné! J’aime...(comme effrayé) & qui aimai-je?...J’ose me l‘avouer, malheureux, & je reste. | Ich kann mir nicht entfliehen.-Ich muß fort von hier.-Von hier fort! Und ich bin hier angefesselt! Ich liebe!--(als ob er erschrecke) Und wen liebe ich?- Ich darf es mir gestehen, ich Unglücklicher, und bleibe hier?“ (ebd., S. 22.) Aufgrund dieses Widerwillens seinen Gefühle gegenüber, will er abreisen. Sein Diener ahnt die Ursache seiner Flucht: „(d’un ton plus bas) Et Rosalie?...vous ne les verrez point? | (in einem leisern Tone) Und Rosalia?- Sie wollen keinen von ihnen sehen?“ (I, II, S. 23) Hierauf verfliegt Dorvals Entschlossenheit, nur um wieder entschlossen abreisen zu wollen. Die Entschlossenheit, aber auch Ausweglosigkeit die Dorval zur Abreise bewegt wird verstärkt durch den der ganzen Szene vorgegebenen Rhythmus: „Cette Scene marche vite. | Dieser Auftritt geht geschwind“ (ebd., S. 22). Es lässt sich erahnen, dass das vorher geäußerte „J’aime | Ich liebe“(I, I, S. 22) auf Rosalie bezogen war, wenn er bei der Erwähnung der bevorstehenden Hochzeit seines Freundes und Rosalie seufzt.
I) Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die literaturgeschichtliche Rezeption Diderots durch Lessing und skizziert das Ziel der Arbeit, die Figurenkonzeptionen beider Autoren anhand ihrer Dramen kontrastiv zu vergleichen.
II) Theoretische Schriften von Diderot und Lessing: Dieses Kapitel analysiert Diderots theoretische Schriften zu seinen Dramen sowie Lessings Briefwechsel über das Trauerspiel und die Hamburgische Dramaturgie, um die unterschiedlichen Ansätze zur Charaktergestaltung und Dramentheorie aufzuzeigen.
III) Psychischer Zwiespalt der Familienrollen: Hier werden die Familienrollen in den beiden Dramen vergleichend analysiert, wobei besonders die spezifischen Rollen von Töchtern, Vätern, Söhnen und Müttern in den Kontext ihrer familiären Pflichten und inneren Konflikte gestellt werden.
IV) Psycho-physischer Zwiespalt der Familienrollen: Dieser Abschnitt untersucht nonverbale Indikatoren wie Weinen, Seufzen und Mimik, die den inneren emotionalen Zustand der Figuren und ihren psycho-physischen Zwiespalt zwischen Wunsch und Pflicht offenbaren.
V) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Dramen gesellschaftliche Realitäten widerspiegeln und dass das tragische Scheitern der Figuren in Lessings Stück das Unvermögen verdeutlicht, individuelles Begehren mit gesellschaftlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.
Diderot, Lessing, Le Fils naturel, Miß Sara Sampson, Figurenkonzeption, Familienrollen, Aufklärung, Dramentheorie, Psychologie, Melancholie, Väterliche Autorität, Tugend, Bürgerliches Trauerspiel, Komparatistik
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Konzepte der Figurencharakterisierung in den Dramen von Denis Diderot und Gotthold Ephraim Lessing unter besonderer Berücksichtigung ihrer theoretischen Schriften.
Im Zentrum stehen die psychologischen Aspekte familiärer Rollenbilder, das Verhältnis zwischen individueller Tugend und gesellschaftlicher Erwartung sowie die Entwicklung der Dramentheorie in der Aufklärung.
Die Arbeit zielt darauf ab, durch eine kontrastive Analyse von Le Fils naturel und Miß Sara Sampson aufzuzeigen, wie Diderots und Lessings divergierende Ansichten zur Figurenkonzeption die Darstellung familiärer Konflikte und das Handeln der Charaktere prägen.
Es wird ein komparatistischer Ansatz verfolgt, der die Primärtexte der Dramen mit den dramaturgischen Schriften beider Autoren vergleicht und in den zeitgenössischen Kontext der europäischen Aufklärung einbettet.
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Familienrollen (Väter, Töchter, Söhne, Mütter) und untersucht deren physische und psychische Reaktionen auf emotionale Zerrissenheit.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Diderot, Lessing, Figurenkonzeption, Familienrollen, Tugend, Melancholie und bürgerliches Trauerspiel.
Die familiäre Ordnung fungiert als zentraler normativer Rahmen; das Scheitern der Figuren an diesem Rahmen führt in Lessings Werk zur Katastrophe, während es bei Diderot zur Reflexion über die Stände dient.
Mellefont wird als unentschlossener "Flattergeist" beschrieben, dessen Inaktivität und egoistische Maskierung seiner wahren Motive maßgeblich zum tragischen Schicksal Saras beitragen.
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