Bachelorarbeit, 2014
36 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Rousseaus Erziehungskonzept
2.1 Die Erziehung des Mannes: „Wozu nützt das?“
2.2 Die Erziehung der Frau: „Welchen Eindruck wird es machen?“
3 Auslöser der Erziehung
3.1 Immermann: Der Neue Pygmalion
3.2 Keller: Regine
3.3 Vergleich
4 Die Erziehung der Frauenfiguren
4.1 Immermann: Der Neue Pygmalion
4.1.1 Baron Werner
4.1.2 Die Lehrer
4.1.3 Tante Cordula
4.2 Keller: Regine
4.2.1 Die Gelehrtenwitwe
4.2.2 Erwin Altenauer
4.2.3 Die Parzen
4.3 Vergleich
5 Die Rückkehr der Männer
5.1 Immermann: Der Neue Pygmalion
5.2 Keller: Regine
5.3 Vergleich
6 Die Funktion der Kunst
7 Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht vergleichend die pädagogischen Erziehungsversuche in Karl Leberecht Immermanns Novelle „Der Neue Pygmalion“ und Gottfried Kellers Erzählung „Regine“. Ziel ist die Beantwortung der Leitfrage, warum diese Erziehungsprojekte so unterschiedlich enden und ob das Pygmalion-Ideal in der Rolle des Erziehers zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist.
3.1 Immermann: Der Neue Pygmalion
Im Neuen Pygmalion bleibt eine Verbindung zum Ovidischen Mythos schon im Titel aufrechterhalten. Die Ergänzung um das Adjektiv neu verdeutlicht aber, dass der Mythos dem Autor nur als Basis dient. Dieser „neue Pygmalion“ (P 318) lebt, wie sein mythologisches Vorbild, allein, denn „das Verderbnis des [weiblichen] Geschlechts ist zu groß, die Verbildung zu ungeheuer“ (P 279). Während der Ovidische Pygmalion seinen Frauenhass noch mit den „von Natur“ schlechten Anlagen der Frauen begründet, sieht Werner die Frauen von der Gesellschaft durch Bildung verdorben. Seine Tante Cordula drängt ihn zur Heirat, da er sich schon „in den Dreißigen“ (P 271) befindet und sie in der Nachbarstochter Luciane eine geeignete Frau sieht. Werner kann sich jedoch nicht für Luciane erwärmen, denn sie verkörpert für ihn jene Verbildung, die er verabscheut. Als konkreter Auslöser seiner Verachtung kann Luciane somit mit den Propoetiden Pygmalions gleichgesetzt werden. Werner vermisst an Frauen wie Luciane den Teil von „Unbeschreiblichkeit […], welcher Männer und Frauen erst zu anziehenden Erscheinungen macht“ (P 272). Sein Idealbild der Frau ist „wie ein ewiges und unergründliches Rätsel“ (P 272). Nichtsdestotrotz sehnt er sich nach einer Ehefrau, denn das Leben ohne „ist ganz leer und elend“ (P 273), erhofft sich jedoch „die Heilung seiner Schmerzen sichrer und bequemer finden“ (P 278).
Die weibliche Hauptperson wird durch eine Zeichnung des Malers Sterzing eingeführt (vgl. P 275), die Werner vollkommen fasziniert und ihn den ganzen Abend an die abgebildete Emilie denken lässt (vgl. P 275f.). Nachts „reifte in dem Baron [der] unerwartete[ ] Entschluß“ (P 278) sich seine Idealfrau selbst zu erziehen.
1 Einleitung: Vorstellung des Pygmalion-Stoffs im 19. Jahrhundert und Einleitung in die Leitfrage zur Pädagogisierung des Mythos bei Immermann und Keller.
2 Rousseaus Erziehungskonzept: Analyse der theoretischen Grundlagen nach Rousseau, insbesondere der Differenz zwischen der Erziehung des Mannes und der Frau.
3 Auslöser der Erziehung: Untersuchung der Beweggründe der Protagonisten Werner und Erwin, ihre jeweiligen Auserwählten zu erziehen.
4 Die Erziehung der Frauenfiguren: Detaillierte Betrachtung der pädagogischen Methoden, der Lehrerrollen und der Entwicklung von Emilie und Regine.
5 Die Rückkehr der Männer: Analyse der Interaktionen nach der Rückkehr der Männer und der dramatischen Zuspitzung der Handlung.
6 Die Funktion der Kunst: Erörterung der Rolle von Malern und Kunstwerken als treibende Kräfte des Schicksals der Hauptfiguren.
7 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage hinsichtlich des Scheiterns des erzieherischen Pygmalion-Anspruchs.
Pygmalion, Erziehung, Rousseau, Pädagogik, Immermann, Keller, Geschlechterrollen, Idealisierung, Bildungsroman, Literaturwissenschaft, Frauenbild, Emanzipation, Mythos, Sozialkritik, Realitätsverlust.
Die Arbeit untersucht, wie das klassische Pygmalion-Motiv – die Erschaffung einer Idealgestalt durch einen Mann – in der Literatur des 19. Jahrhunderts adaptiert und pädagogisiert wurde, um gesellschaftliche Erziehungsideale zu kritisieren.
Zentrale Themen sind die Rousseausche Erziehungslehre, das Spannungsfeld zwischen idealisierten Vorstellungen und der gesellschaftlichen Realität sowie die Rolle der Frau als „Zögling“ bürgerlicher Männer.
Das primäre Ziel ist es, die Gründe für das unterschiedliche Ende der Erziehungsversuche in Immermanns „Der Neue Pygmalion“ und Kellers „Regine“ aufzuzeigen und zu klären, warum das Modell des männlichen Erziehers in diesen Werken scheitert.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textimmanent arbeitet und diese mit zeithistorischen pädagogischen Konzepten (Rousseau) sowie mythologischen Vergleichen (Ovid) verknüpft.
Der Hauptteil analysiert die Ausgangslage der männlichen Protagonisten, die spezifischen Erziehungsmethoden, die Bedeutung externer Einflüsse wie der Kunst und der sozialen Umgebung sowie das Scheitern der jeweiligen Beziehungskonstrukte.
Schlüsselwörter sind Pygmalion, Erziehung, Rousseau, Pädagogik, Frauenbild, Geschlechterrollen, Idealisierung sowie die literarische Analyse von Immermann und Keller.
Emilie gelingt durch die Unterstützung Dritter eine eigenständige Entwicklung zur Persönlichkeit, während Regine durch Erwins Fixierung auf Äußerlichkeiten in eine soziale Isolation und letztlich in den Suizid getrieben wird.
Der Zufall agiert in beiden Werken als entscheidender Katalysator: Er führt Erwin zu den Bildern, die sein Misstrauen nähren, und ermöglicht Emilie entscheidende Einsichten, die ihr Schicksal zum Guten wenden.
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