Examensarbeit, 2016
86 Seiten, Note: 1,0
Teil I: Dyskalkulie aus „objektiver“ Sicht
Einleitung
1. Zum Begriff der „Dyskalkulie“
1.1 Definition
1.2 Die Kritik an der Diskrepanz-Definition
2. Erscheinungsbild
2.1 Prävalenz
2.2 Symptome
3. Zu den Ursachen der Dyskalkulie
3.1 Ursachen auf der Ebene des Individuums
3.1.1 Neuropsychologischer Ansatz
3.1.2 Kognitionspsychologischer Ansatz
3.1.3 Entwicklungspsychologischer Ansatz
3.1.4 Defizite im Arbeitsgedächtnis
3.2 Ursachen auf der Ebene der Lehrperson
3.2.1 Fachliche und fachdidaktische Ursachen
3.2.2 Lehrer-Schüler-Beziehung
Teil II: Dyskalkulie aus „subjektiver“ Sicht
4. Probleme der Dyskalkulie
4.1 Komorbiditäten
4.1.1 Lese-Rechtschreibstörung
4.1.2. Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung
4.2 Psychische Folgeprobleme der Dyskalkulie
4.2.1 Emotionale Probleme
4.2.2 Prüfungsangst
4.2.3 Mathematikangst
4.3 Exkurs zur Benachteiligung
4.3.1 Schlechte Schulleistungen
4.3.2 Auswirkungen auf die Berufschancen
5. Fördermöglichkeiten
5.1 Innerschulische Förderung
5.1.1 Nachteilsausgleich für Dyskalkulie-Schüler
5.1.2 Didaktisch-methodische Überlegungen
5.1.3 Pädagogische Überlegungen
5.2 Außerschulische Förderung
5.2.1 Gesetzliche Regelung
5.2.2 Außerschulische Diagnose
5.2.3 Die Dyskalkulie-Therapie
Fazit
Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die Dyskalkulie (Rechenstörung) unter besonderer Berücksichtigung der aus dieser Störung resultierenden psychosozialen Folgeprobleme. Ziel ist es, das Phänomen Dyskalkulie nicht nur als fachdidaktische Herausforderung, sondern als ein Leiden der betroffenen Schüler darzustellen und aufzuzeigen, wie ein Perspektivenwechsel in der Problemwahrnehmung zu effektiveren Förderansätzen führen kann.
2.2 Symptome
Viele wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass bereits Neugeborene über gewisse basale Fähigkeiten in der Verarbeitung von Quantitäten verfügen. Somit hat man seit der Geburt einen „Sinn“ für den Umgang mit Mengen und dem Unterscheiden von Größen. Im Laufe des Heranwachsens werden die angeborenen numerischen Kernkompetenzen (Mengen- und Größenerfassung) verfeinert, welche die grundlegenden Voraussetzungen für den Erwerb mathematischen Wissens bilden. Erste empirische Befunde belegen, dass bereits in vorschulischen Entwicklungsphasen des mathematischen Verständnisses Auffälligkeiten festzustellen sein müssen. „Im Kindergarten können zwar noch nicht die Zahlen- und Rechenfertigkeiten direkt getestet werden, es kann jedoch die Entwicklung eines Mengenverständnisses, das Erlernen von Zählfertigkeiten sowie der Umgang mit kleineren Rechenoperationen im einstelligen Zahlenraum beobachtet werden.“, so Jacobs und Petermann.
Von Aster und seine Mitarbeiter (2007) konnten zeigen, dass Kinder, die in der zweiten Jahrgangsstufe als rechenschwach diagnostiziert wurden, schon im Kindergartenalter Defizite im Umgang mit Zahlen (Zählfunktionen, einfache Addition und Subtraktionen) aufwiesen. Lorenz vertritt die Ansicht, dass die Rechenschwäche in der Grundschule auftritt und ein plötzliches Auftreten in der Sekundarstufe I unwahrscheinlich ist.
Zur Dyskalkulie wurden vier wesentliche Symptome identifiziert, die die Einzelprobleme von rechenschwachen Kindern erklären. Die Symptome lassen sich der Häufigkeit nach wie folgt anordnen:
1. Verfestigtes zählendes Rechnen
2. Probleme bei der Links-Rechts-Unterscheidung
3. Einseitige Zahl- und Operationsvorstellung
4. Intermodalitätsprobleme
Nach Lorenz sind rechenschwache Kinder „zählende Rechner“, die jede Aufgabe als ein Zählproblem betrachten, welches sie durch Abzählen zu lösen versuchen. Diese Kinder lösen fast alle Aufgaben durch Zählen mit den Fingern oder mit Hilfe von Anschauungsmaterialien, wodurch es ihnen nicht gelingt, eine konsistente Vorstellung über den Aufbau des Zahlensystems zu entwickeln. Diese Strategien werden als „entwicklungspsychologisch unreif“ bezeichnet. Landerl und Kaufmann fügen hinzu: „Der genaue Zusammenhang zwischen Defiziten in den Zählfunktionen und dem Aufbau des arithmetischen Faktenwissens ist bisher nicht ausreichend geklärt. Offenkundig ist zählendes Rechnen die einzig verfügbare Strategie, solange kein ausreichendes Faktenwissen vorhanden ist.“
Zum Begriff der „Dyskalkulie“: Die Arbeit beleuchtet die Schwierigkeiten einer einheitlichen Definition der Dyskalkulie und kritisiert das Diskrepanz-Kriterium der ICD-10 als problematisch für die Praxis.
Erscheinungsbild: Dieses Kapitel beschreibt die Prävalenz der Störung und identifiziert typische Symptome, wobei das verfestigte zählende Rechnen als Hauptmerkmal hervorgehoben wird.
Zu den Ursachen der Dyskalkulie: Hier werden neuropsychologische, kognitionspsychologische und entwicklungspsychologische Ansätze sowie der Einfluss der Lehrperson und der Lehrer-Schüler-Beziehung auf die Entstehung der Störung analysiert.
Probleme der Dyskalkulie: Dieser Abschnitt thematisiert komorbide Störungen wie LRS und ADHS sowie psychische Folgeprobleme wie Mathematik- und Prüfungsangst und deren Auswirkungen auf die Schullaufbahn.
Fördermöglichkeiten: Das Kapitel diskutiert innerschulische Maßnahmen wie den Nachteilsausgleich sowie außerschulische Therapieformen, wobei die Bedeutung einer individualisierten, fachspezifischen Förderung betont wird.
Dyskalkulie, Rechenstörung, Rechenschwäche, Mathematikangst, Prüfungsangst, Nachteilsausgleich, Lernstörung, Arbeitsgedächtnis, Lehr-Lern-Prozesse, Inklusive Bildung, Komorbidität, Diagnoseverfahren, Förderung, Schulleistungen, Selbstwirksamkeit.
Die Arbeit analysiert das Phänomen der Dyskalkulie mit einem Fokus auf die psychosozialen Auswirkungen für die betroffenen Kinder und die notwendigen pädagogischen Konsequenzen für den schulischen Alltag.
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Ursachenforschung, die komorbiden Störungen, die psychischen Folgeerscheinungen wie Ängste sowie Ansätze zur schulischen und außerschulischen Förderung.
Ziel ist es, das Verständnis für Dyskalkulie als komplexes Leiden zu vertiefen und aufzuzeigen, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung über rein fachdidaktische Aspekte hinaus ist.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse aktueller Fachliteratur, pädagogischer Studien und Modellen aus der Psychologie und Mathematikdidaktik.
Der Hauptteil gliedert sich in eine objektive Sicht (Definition, Ursachen) und eine subjektive Sicht, die sich den individuellen Problemen, Ängsten und den therapeutischen Möglichkeiten widmet.
Wichtige Begriffe sind Dyskalkulie, Rechenschwäche, Mathematikangst, Nachteilsausgleich, Arbeitsgedächtnis und psychosoziale Folgeprobleme.
Die Beziehung wird als einflussreicher Faktor beschrieben, da ein Klima des Vertrauens und eine konstruktive Fehlerkultur essenziell sind, um die mit der Störung einhergehenden Ängste nicht weiter zu verschärfen.
Es wird kritisiert, da es rechenschwache Kinder mit niedrigerer Intelligenz benachteiligt und den Fokus zu sehr auf das Rechnen statt auf das mathematische Verständnis legt.
Bestimmte Lehrbücher können laut Arbeit zum zählenden Rechnen ermutigen, wodurch sich falsche Lösungsstrategien verfestigen und die Entstehung einer Rechenschwäche begünstigt werden kann.
Eine frühzeitige Erkennung und Therapie können sekundäre psychische Störungen wie Depressionen oder Schulangst verhindern und den Teufelskreis aus Misserfolg und Demotivation durchbrechen.
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