Magisterarbeit, 2012
117 Seiten, Note: 1,50
1. Coolness. Zur Relevanz eines kulturellen Phänomens: Eine Einleitung
2. Methode und Aufbau der Arbeit: „Cool Facts, Cool Functions, Cool Fictions”
3. „Über Cool lässt sich nicht streiten“- oder? Zum Forschungsstand
4. „Cool Facts.“ Zu Begriff und Konzeption(en)
4.1. Begriffsgeschichte
4.2. „Urahnen und nahe Verwandte des Coolen.“
4.2.1. Ein Abriss kulturhistorischer Stationen
4.2.2. Der „blasierte Typus“ und der „Kältefreak“
4.3. Coolnesskonzepte im 20. Jahrhundert
4.3.1. Coolness als ästhetische Widerstandshaltung: Die klassische Coolness
4.3.2. Coolness als narzisstischer Lebensstil: Die moderne Coolness
5. „Cool Functions.“ Versuch einer Systematik
5.1. Zu Voraussetzungen und „Auslösern“ von Coolness
5.1.1. Die „bedrohliche Situation“ als Ausgangslage
5.1.2. Das Ohnmachtsgefühl als Grundbedingung
5.2. Zum Zweck von Coolness
5.2.1. „Würde” durch Coolness?
5.2.2. „Cool ist cool ist cool.” Zur Selbstreferenz cooler Ästhetik
5.3. Zur Wirkungsweise von Coolness
5.3.1. Der Coole als Schauspieler
5.3.2. „Die Anderen“ als Publikum?
6. „Cool Fictions.“ Coolness als mediales Phänomen
6.1. Coolness in einer „medialen Bilderwelt“
6.2. Coolness im filmischen Medium
6.2.1. Der Film als „ideale Plattform cooler Ästhetik“
6.2.2. Zu filmischer Produktion und Reflexion von Coolness
6.3. Das Internet als „Tod der Coolness“?
6.3.1. Coolness ohne Körper. Folgen virtueller Räumlichkeit
6.3.2. „Cooles Schweigen“ versus Kommunikation im Netz
6.3.3. „Coolness im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit“
6.4. Zwischenfazit
6.5. Coole Figuren in Quentin Tarantinos Film „Pulp Fiction“. Eine Analyse
6.5.1. Zum Handlungsverlauf
6.5.2. Die Figur des Vincent Vegas- „ein cooler Möchtegernheld“?
6.5.3. Butch Coolidge als (männlich-)coole Filmfigur
7. Resümée und Ausblick: Coolness als „alter Hut“?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Coolness als zentrale kulturelle Kategorie des 20. und 21. Jahrhunderts, wobei die zentrale Forschungsfrage darauf abzielt, das Wesen der Coolness trotz ihrer begrifflichen Vagheit systematisch zu bestimmen und ihre Bedeutung sowie ihren Wandel im medialen Kontext zu analysieren.
4.1. Begriffsgeschichte
Die Annäherung eines kulturellen Phänomens über dessen Begriffsbezeichnung, betrachtet die Literaturwissenschaftlerin Mieke Bal als unabdingbare methodische Vorgehensweise. Denn: „Begriffe sind [...] programmatisch und normativ [...].“ Bals Ansatz soll für die vorliegende Arbeit nun methodisch übernommen werden, da die etymologisch sprachwissenschaftliche Annäherung über den Begriff „Cool/Coolness“, dem dahinter steckenden „Programm der Coolness“ bereits stark an Kontur zu verleihen vermag.
Beschäftigt man sich nun näher mit dem Begriff, so fällt zunächst auf, dass „cool/Cool“ als thermische Metapher auf Kälte oder Erkalten und damit auf sinnlich Wahrnehmbares verweist. Übersetzt man den Begriff aus dem Englischen gemäß seiner originären Bedeutung ins Deutsche, so entspräche er schlicht dem Temperatur beschreibenden „kalt“ beziehungsweise dem Nomen „Kälte“. Von Bedeutung ist nun, dass - spätestens seit Beginn des 18. Jahrhunderts - eine metaphorische Übertragung dieser ursprünglichen Bedeutung des Wortes auf eine charakterliche Eigenschaft stattgefunden hat. Wurde der Begriff zuvor also lediglich für die Beschreibung eines Temperaturzustandes benutzt, so wird er nun zusätzlich zur Beschreibung eines persönlichen Attributes verwendet. Der Begriff erfährt also eine Erweiterung seines Bedeutungshofes, welche nun nicht mehr nur das messbar Objektive, sondern auch das eher charakterlich Subjektive einschließen kann.
Eine derartige Projektion einer Temperatur- auf eine Charaktereigenschaft lässt sich bereits 1730 im Dictionarium Britannicum feststellen. Dort wird das ursprüngliche „cool“ – also im Sinne von kalt - erstmals ausdrücklich um die Konnotation „kühle Distanz im Sinne einer charakterlichen Eigenschaft“ erweitert und auf das sächsische Wort „cuole“ zurückgeführt. Als Beispiel für eine sehr frühe Verwendung dieser metaphorischen Bedeutung des Adverbs „cool“ im literarischen Bereich, kann eine Stelle aus dem 1836 erschienenen Roman Pickwick Papers von Charles Dickens gelten. Dickens beschreibt hier einen Kutscher, welcher seine „Coolness“ beim Lenken eines Vierspänners durch bewusst lässiges Abtupfen seiner Stirn während der Fahrt demonstrieren möchte.
1. Coolness. Zur Relevanz eines kulturellen Phänomens: Eine Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit des Begriffs „cool“ in der modernen Gesellschaft und leitet die Forschungsfrage nach dem eigentlichen Wesen der Coolness ab.
2. Methode und Aufbau der Arbeit: „Cool Facts, Cool Functions, Cool Fictions”: Dieses Kapitel definiert den methodischen Ansatz, der sich auf die psychologische Komponente von Coolness konzentriert und strukturell zwischen Ursprung, Systematik und medialer Darstellung unterscheidet.
3. „Über Cool lässt sich nicht streiten“- oder? Zum Forschungsstand: Hier wird die Forschungslage kritisch gesichtet und diskutiert, warum eine allgemeingültige Definition von Coolness schwierig, aber ein systematischer Zugang notwendig ist.
4. „Cool Facts.“ Zu Begriff und Konzeption(en): Dieses Kapitel widmet sich der Begriffsgeschichte und den kulturhistorischen Vorläufern sowie einer Differenzierung zwischen klassischer und moderner Coolness.
5. „Cool Functions.“ Versuch einer Systematik: Der Hauptteil liefert eine Systematik, indem er Auslöser, Zweck und Wirkungsweise von Coolness als Strategie zur Wahrung der Würde oder als reiner Ästhetik untersucht.
6. „Cool Fictions.“ Coolness als mediales Phänomen: Hier wird der Zusammenhang zwischen Coolness und Massenmedien, insbesondere Film und Internet, analysiert und die Coolness anhand von „Pulp Fiction“ veranschaulicht.
7. Resümée und Ausblick: Coolness als „alter Hut“?: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer Reflexion über den potenziellen Relevanzverlust von Coolness in der heutigen Zeit.
Coolness, Kulturgeschichte, Ästhetik, Gefühlskontrolle, Medialität, Distanzierung, Subjektivität, Männlichkeit, Narzissmus, Pulp Fiction, Inszenierung, Authentizität, Moderne, Postmoderne, Internet.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Coolness als kulturelle Strategie und Attitüde. Sie beleuchtet, wie sich der Begriff historisch entwickelt hat, wie er funktioniert und welche Rolle er in einer medial geprägten Welt spielt.
Die zentralen Themenfelder sind die Kulturgeschichte der Distanzierung, die Systematik der Coolness als Überlebensstrategie, ihre mediale Vermittlung durch Film und Internet sowie ihre enge Verknüpfung mit Männlichkeitskonzepten und narzisstischen Tendenzen.
Das primäre Ziel ist es, das Wesen der Coolness systematisch zu durchdringen, um sie nicht nur als vagen Modebegriff, sondern als zentrale kulturelle Kategorie des 20. und 21. Jahrhunderts wissenschaftlich zu erfassen.
Die Arbeit praktiziert einen interdisziplinären Ansatz unter Einbeziehung von Philosophie, Soziologie, Psychologie sowie Medien- und Literaturwissenschaften, um das komplexe Phänomen in seiner ganzen Breite zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung kulturhistorischer Fakten, eine systematische Erarbeitung der Funktionen von Coolness sowie eine Filmanalyse, in der die theoretischen Erkenntnisse am Beispiel von „Pulp Fiction“ verifiziert werden.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Coolness, Ästhetik, Distanzierung, Medialität, Affektkontrolle, Männlichkeit und Inszenierung.
Der Film wird als Beispiel gewählt, weil er typisch für das „postmoderne Kino“ ist, das gezielt mit Inszenierung, Zitaten und Rollenbildern spielt, wodurch die theoretischen Thesen der Arbeit visuell veranschaulicht werden können.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Coolness durch den „emotional turn“ und die veränderte Kommunikationsstruktur des Internets, in dem aktive Teilhabe wichtiger ist als passive Distanzierung, zunehmend an Relevanz verliert und als „alter Hut“ gelten könnte.
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