Bachelorarbeit, 2018
60 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Forschungsfrage
2. Analyse des DEFA-Fernsehfilms Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes
2.1 Historisch-politischer Kontext
2.1.1 Das Konzept der frühbürgerlichen Revolution in den 1970er Jahren
2.1.2 Das Luther-Jubiläum 1983 im Zeichen von Erbe und Tradition
2.1.3 Das Müntzer-Jubiläum 1989 im Zeichen der friedlichen Revolution
2.2 Produktionsbedingungen
2.3 Inhaltsangabe und Szenenanalyse
2.3.1 Inhaltsangabe
2.3.2 Anfangsszene [00:00:00-00:01:40]
2.3.3 Disputation zwischen Müntzer und Spalatin [00:48:39-00:52:29]
2.3.4 Fürstenpredigt [01:48:20-01:54:16]
2.4 Rezeption
3. Fazit
Diese Arbeit untersucht den DEFA-Fernsehfilm "Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes" (1989) im Kontext der spätsozialistischen Geschichtspolitik der DDR. Dabei wird analysiert, inwiefern das Medium Film das in den 1980er Jahren wandelnde, differenziertere Bild Thomas Müntzers widerspiegelte und als Instrument zur Verarbeitung gesellschaftlicher Instabilität diente.
2.3.3 Disputation zwischen Müntzer und Spalatin [00:48:39-00:52:29]
In der folgenden Disputation zwischen Müntzer und Spalatin, treffen die gegensätzlichen Hal tungen der verschiedenen Flügel der reformatorischen Bewegung aufeinander. Zu Beginn der Szene fragt Spalatin Müntzer, in betont sachlichen Art und Weise: „Erkennt Ihr das Evangeli um als einzige Quelle des Glaubens und der Wahrheit an?“ [00:48:40ff.]. Müntzer antwortet: „Niemand von uns Sterblichen weiß, ob Christus die Wahrheit gesagt oder gelogen hat – wir wissen es nicht, ehe wir nicht selbst wie Christus gelitten haben. Also liegt die Wahrheit nicht in den Buchstaben der Schrift“ [00:49:01ff.]. Vielmehr liege die Wahrheit „[a]llein in der heili gen Stimme Gottes, die jeder hören kann, wenn er nur will“ [00:49:20ff.], worauf Spalatin Müntzer fragt: „Das heißt jedermann könnte die Wahrheit erkennen! Auch ein dummer Bauer, der nicht lesen kann?“ [00:49:30ff.]. Müntzer entgegnet: „Ein Bauer mit Christus im Herzen und der Hand am Pflug hat in seinem kleinen Finger mehr Verstand als zehn Doktoren in ihren Köpfen“ [00:49:41ff.]. Spalatin kommentiert Müntzers Äußerungen lediglich mit einem süffi santen Lächeln und setzt die Befragung fort.
In diesem Dialog werden den Fernsehzuschauern die zentralen Differenzen in den theologi schen Positionen Luthers und Müntzers nahegebracht. Luthers zentraler reformatorischer Grundsatz sola scriputra beruht auf der Annahme, dass die Bibel die einzige Quelle und Norm des christlichen Glaubens ist. Hierdurch grenzte sich Luther von der katholischen Kirche ab, die die Bibel häufig durch die Brille der Kirchenväter und Konzilsbeschlüsse interpretierte. Müntzers Theologie, die von der mittelalterlichen Mystik und der Täuferbewegung beeinflusst ist, fußt dagegen weniger stark auf einem strengen Bibelglauben, sondern auf der Identifikation mit dem leidenden Christus. Ein Bauer ist daher – nach dem Verständnis Müntzer – trotz seiner geringen Bildung ebenso in der Lage die göttliche Wahrheit zu erkennen, wie ein Ge lehrter. Der Zuschauer erhält in dieser Disputation einen Einblick in das theologische Gedan kengebäude Müntzers, der weitgehend der Darstellung Günter Voglers Müntzer-Biographie des Jahres 1989 entspricht.
1. Einleitung: Die Einleitung verortet Thomas Müntzer in der historischen Debatte und erläutert die Bedeutung der marxistischen Geschichtsschreibung für das DDR-Selbstverständnis.
1.1 Forschungsstand: Hier wird der theoretische Rahmen um den Begriff der Geschichtspolitik und des kulturellen Gedächtnisses dargelegt, insbesondere unter Einbeziehung von Münkler und Zimmering.
1.2 Forschungsfrage: Das Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, den Fernsehfilm "Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes" als historische Quelle zu analysieren und dessen Rolle im gesellschaftlichen Wandel der DDR zu prüfen.
2. Analyse des DEFA-Fernsehfilms Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes: Dieses Hauptkapitel erläutert das methodische Vorgehen und die theoretischen Grundlagen der historischen Filmanalyse.
2.1 Historisch-politischer Kontext: Es werden die ideologischen Rahmenbedingungen der DDR-Geschichtsschreibung und deren Wandlungsprozesse detailliert beschrieben.
2.1.1 Das Konzept der frühbürgerlichen Revolution in den 1970er Jahren: Das Kapitel beleuchtet die Etablierung des Konzepts der frühbürgerlichen Revolution durch Historiker wie Steinmetz und Vogler.
2.1.2 Das Luther-Jubiläum 1983 im Zeichen von Erbe und Tradition: Diese Analyse widmet sich der Kurskorrektur der SED im Jahr 1983, die Luther stärker als nationales Kulturerbe integrierte.
2.1.3 Das Müntzer-Jubiläum 1989 im Zeichen der friedlichen Revolution: Das Kapitel untersucht die letzten Versuche der SED, Müntzer als Integrationsfigur für einen kriselnden Staat zu nutzen.
2.2 Produktionsbedingungen: Hier werden die Entstehungsumstände des Films, die dramaturgischen Konzepte und die Einflüsse von Fachberatern rekonstruiert.
2.3 Inhaltsangabe und Szenenanalyse: Das Kapitel bietet eine strukturierte Inhaltsangabe sowie eine detaillierte Analyse zentraler Schlüsselszenen des Films.
2.3.1 Inhaltsangabe: Eine chronologische Übersicht der Filmhandlung wird hier bereitgestellt.
2.3.2 Anfangsszene [00:00:00-00:01:40]: Die Analyse zeigt den Kontrast zwischen der Inszenierung des Films von 1989 und der älteren Verfilmung von 1956 auf.
2.3.3 Disputation zwischen Müntzer und Spalatin [00:48:39-00:52:29]: Das Kapitel untersucht, wie theologische Differenzen im Film visuell und inhaltlich vermittelt werden.
2.3.4 Fürstenpredigt [01:48:20-01:54:16]: Die Analyse konzentriert sich auf die politische Brisanz der Predigt vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Instabilität 1989.
2.4 Rezeption: Dieser Abschnitt wertet Einschaltquoten und zeitgenössische Filmkritiken aus, um die Wirkung des Werkes auf das DDR-Publikum zu bewerten.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und ordnet das Projekt in das Ende der DDR-Filmkultur ein.
Thomas Müntzer, DDR, Geschichtspolitik, DEFA, Frühbürgerliche Revolution, Historischer Materialismus, Erbe und Tradition, Martin Luther, Filmgeschichte, Erinnerungskultur, Transformation, Identifikationsfigur, Allstedter Bund, Politische Mythen, Sozialrevolutionär.
Die Arbeit analysiert den DEFA-Fernsehfilm "Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes" aus dem Jahr 1989. Sie untersucht, wie das Medium Film genutzt wurde, um das sich wandelnde Bild des Reformators in den letzten Jahren der DDR abzubilden.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der marxistischen Geschichtsschreibung, der Instrumentalisierung historischer Persönlichkeiten für die SED-Ideologie sowie der filmischen Umsetzung komplexer theologischer Debatten im DDR-Fernsehen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, inwiefern der Film als Spiegel der sich verändernden gesellschaftlichen Normen und politischen Instabilität der DDR in ihrem Wendejahr fungierte.
Der Autor verwendet eine systematische, historische Filmanalyse, die sich an Modellen wie dem von Kahlenberg und Korte orientiert, um Produktion, Inhalt, Bildsprache und Rezeption des Films ganzheitlich zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-kontextuelle Einordnung, eine Untersuchung der Produktionsbedingungen (inklusive Fachberater-Interviews) sowie eine detaillierte Sequenzanalyse zentraler Szenen wie der "Fürstenpredigt".
Zentrale Begriffe sind Thomas Müntzer, Geschichtspolitik, DDR-Erinnerungskultur, Frühbürgerliche Revolution und das Konzept "Erbe und Tradition".
Der Film reflektiert die Krise durch Analogien, in denen die im Film thematisierten "festgefahrenen Machtverhältnisse" des Mittelalters als Kommentar zur Situation des SED-Staates verstanden werden konnten.
Der Film stellt eine Distanzierung zwischen den Reformatoren dar, wobei Müntzer als "Theologe der Revolution" gegenüber einem eher systemstabilisierenden Luther positioniert wird, was den damals neuen, differenzierten Forschungsstand der DDR-Historiker widerspiegelt.
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