Bachelorarbeit, 2016
82 Seiten, Note: 1,0
1. Theoretische Grundlagen und Definitionen
1.1. Forensische Linguistik
1.2. Suizid
1.3. Abschiedsbriefe
1.3.1. Suizidbriefe
1.3.2. Verabschiedungsbriefe
2. Aktueller Stand der Forschung
3. Material
4. Methodik und Analyse
4.1. Inhaltliche Kategorisierung
4.1.1. Hinterlassenschaft
4.1.2. Krankheit
4.1.3 Strom-des-Lebens-Themen
4.1.4. Umgebung
4.1.5. Gefühle
4.2. Sprachliche Aspekte
4.2.1. Wortumfang
4.2.2. Prozentanteil Nomen und Verben
4.2.3. Positive Gefühlsäußerungen
4.2.4. Testamentarische Anweisungen
4.2.5. Begründungen und Erklärungen
4.2.6. Sitz der Kontrolle
5. Ergebnisse
5.1. Abschiedsbriefe und ihre Themen
5.1.1. englische Abschiedsbriefe
5.1.2. deutsche Abschiedsbriefe
5.2. Sprachliche Auffälligkeiten
6. Fazit/Kritik
7. Ausblick
8. Appendix
8.1. Analysebogen
8.2. Deutsche Suizidbriefe
8.3. Deutsche Verabschiedungsbriefe
8.4. Englische Suizidbriefe
8.5. Englische Verabschiedungsbriefe
Die Arbeit verfolgt das Ziel, einen linguistischen Vergleich zwischen Suizidbriefen und Verabschiedungsbriefen (anlässlich eines Auslandsaufenthalts) durchzuführen, um inhaltliche Themen sowie sprachliche Auffälligkeiten zu identifizieren und einen Beitrag zur Suizidprävention zu leisten.
1.1. Forensische Linguistik
Die Arbeit der forensischen Linguisten kann in folgende drei Unterkategorien eingeteilt werden: Die forensische Analyse von Handschriften; forensische Phonetik und forensische Linguistik.
Bei der forensischen Analyse von Handschriften widmen die Analytiker sich den hinterlassenen Worten eines Schriftstücks und äußern sich zu dem Verfasser. Sie entschlüsseln Details zu dem Text (beispielsweise auf welchem Drucker er gedruckt wurde) und können durch Vergleichstexte Äußerungen über die Authentizität eines Textstückes machen.
Die forensische Phonetik (forensic phonetics) untersucht die geäußerten Laute einer Person und kann helfen einen individuellen Akzent eines Sprechers zu identifizieren. Bekannte und bereits identifizierte Sprachaufnahmen von verdächtigen Personen werden oftmals mit noch zu identifizierenden Sprachaufnahmen abgeglichen um einen Täter ausfindig zu machen. Sprecher werden somit identifiziert und/oder kategorisiert.
Hauptsächliche Analyseaspekte der forensischen Linguistik sind Orthographie, Lexis, Grammatik, Textstruktur und Bedeutung. Sie behandelt die Analyse des Gesagten oder Geschriebenen.
„Die forensische Linguistik ist ein Teilbereich der Linguistik, der die linguistische Analyse sprachlicher Daten (einschließlich ihrer Präsentation vor Gericht) umfasst, die Gegenstand juristischer Betrachtung sind (Fobbe, 2011:16)“.
Es lassen sich Überschneidungen der Bereiche Sprache und Recht finden, da alles Sprachliche mit eingeschlossen und linguistisch analysiert wird. Die zu untersuchenden sprachlichen Elemente sind grundsätzlich gesprochene und geschriebene Äußerungen, die in bestimmten Zusammenhängen stehen und in Form von Wörtern, Sätzen oder Texten realisiert sind (vgl. Fobbe, 2011:22). Zu diesem Anwendungsbereich zählen unter anderem schriftliche Zeugenaussagen, Plagiate, Abschiedsbriefe, zweifelhafte Testamente und Geständnisse als auch Droh-, Bekenner- und Erpresserschreiben.
1. Theoretische Grundlagen und Definitionen: Erläutert die forensische Linguistik als Disziplin und definiert die zentralen Begriffe Suizid sowie Abschieds- und Verabschiedungsbriefe.
2. Aktueller Stand der Forschung: Gibt einen Überblick über die bestehende psychologische und soziologische Literatur und betont die Bedeutung früherer Korpora wie die von Shneidman und Farberow.
3. Material: Beschreibt den selbst erstellten Korpus, der aus 20 Textstücken besteht (jeweils deutsche und englische Suizid- sowie Verabschiedungsbriefe).
4. Methodik und Analyse: Legt das Vorgehen dar, bei dem eine manuelle inhaltliche Kategorisierung und eine statistische Untersuchung sprachlicher Aspekte kombiniert werden.
5. Ergebnisse: Präsentiert die quantitativen und qualitativen Auswertungen der Themen und sprachlichen Auffälligkeiten, illustriert durch zahlreiche Diagramme.
6. Fazit/Kritik: Fasst die Tendenzen zusammen und hinterfragt kritisch die methodischen Einschränkungen der manuellen Auswertung sowie die begrenzte Datengröße.
7. Ausblick: Erörtert die Relevanz der linguistischen Suizidforschung für die Suizidprävention und fordert weiterführende Untersuchungen.
8. Appendix: Enthält den Analysebogen sowie das gesamte untersuchte Quellenmaterial der verschiedenen Briefgruppen.
9. Literaturverzeichnis: Listet sämtliche wissenschaftlichen Quellen auf, die für die Arbeit herangezogen wurden.
Forensische Linguistik, Suizidbriefe, Verabschiedungsbriefe, Inhaltsanalyse, linguistischer Vergleich, Suizidprävention, Wortumfang, Nomen-Verb-Verhältnis, testamentarische Anweisungen, Textlinguistik, Sprachprofiling, präsuizidale Phase, Korpusanalyse, externe Kontrolle, emotionale Äußerungen.
Die Arbeit untersucht sprachliche und inhaltliche Unterschiede zwischen echten Suizidbriefen und Verabschiedungsbriefen, die von Personen verfasst wurden, die ins Ausland reisen.
Die Untersuchung gliedert sich in eine inhaltliche Themenkategorisierung (z.B. Hinterlassenschaft, Krankheit) und eine linguistische Stilanalyse sprachlicher Merkmale.
Das Ziel ist es, sprachliche Indikatoren zu identifizieren, die zur Unterscheidung zwischen Suizidbriefen und nicht-suizidalen Verabschiedungsschreiben beitragen und somit die Suizidprävention unterstützen können.
Die Autorin führt eine manuelle linguistische Analyse an einem Korpus von 20 Briefen durch, wobei sie Konzepte der Inhaltsanalyse auf Nomina, Wortumfang und grammatikalische Strukturen anwendet.
Der Hauptteil befasst sich mit der methodischen Einordnung, der Kategorisierung der Briefinhalte nach Eisenwort et al. sowie der detaillierten statistischen Auswertung sprachlicher Auffälligkeiten wie dem Wortumfang und dem Nomen-Verb-Verhältnis.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie forensische Linguistik, Suizidprävention, Korpusanalyse und die sprachwissenschaftliche Untersuchung von Abschiedsbriefen charakterisieren.
Die Arbeit stützt sich auf die Hypothese, dass eine höhere lexikalische Dichte durch einen höheren Nomen-Anteil auf eine gesteigerte mentale Aktivität und eine präzisere, oft testamentarische Ausdrucksweise in Suizidbriefen hinweist.
Die Ergebnisse zeigen, dass testamentarische Anweisungen und inhaltliche Bezüge zum Hab und Gut (Hinterlassenschaft) signifikant häufiger in Suizidbriefen vorkommen als in Verabschiedungsbriefen, in denen diese Themen kaum eine Rolle spielen.
Die Hypothese, dass Suizidbriefe primär eine externe Kontrolle (z.B. Schicksal, Krankheit) widerspiegeln, konnte nur eingeschränkt bestätigt werden; die Ergebnisse sind hier weniger eindeutig als in anderen Kategorien.
Die Autorin betont selbst, dass aufgrund der begrenzten Anzahl von nur 20 analysierten Briefen keine statistisch absolut gesicherten Aussagen getroffen werden können und die Ergebnisse daher als Tendenzen zu interpretieren sind.
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