Magisterarbeit, 2013
106 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Forschungsstand
1.2 Eingrenzung des Gegenstandes
1.3 Vorgehensweise
2 Was ist Kindheit?
2.1 Definition und Begriffswandel
2.2 Die Geschichte der Kindheit
2.3 Kindheitsbilder im Film und in den Medien
3 Magie, Märchen und Traum in der Kindheit
3.1 Die Magische Phase und das Selbstverständnis des Wunderbaren
3.2 Es war einmal…Von der Bedeutung des Märchens in der Kindheit
3.3 Der Kindheitstraum und seine Funktion
4 Die Vorlage
4.1 Lewis Carroll
4.2 Entstehung und historischer Hintergrund der Alice-Romane
4.3 Alice im Wunderland: Das Märchen von der kindlichen Traumwelt
5 Die Wandlung des Kindheitsbildes in ausgewählten Alice-Verfilmungen
5.1 Inszenierung der Idylle? Walt Disneys Alice im Wunderland (1951)
5.1.1 Walt Disneys idealistisches Weltbild und die Kritik an der „Disneyfizierung“
5.1.2 Alices unschuldige Naivität oder Die Wiederbelebung des romantischen Kindheitsbildes
5.1.3 Die Natur als Handlungsort der Kindheit
5.1.4 Zuhaus‘ ist es doch am schönsten – Traditionsbewusstsein bei Alice im Wunderland
5.2 Millers tiefenpsychologische Kindheitsstudie von Alice im Wunderland (1966)
5.2.1 Millers Ästhetik des Minimalismus
5.2.2 Das Ende der Naivität: Alice kühle Rationalität als stille Kapitulation vor dem Erwachsenwerden
5.2.3 Trennung der Welten: Erwachsenenwelt – Kinderwelt
5.2.4 Alice für Erwachsene oder für Kinder? – Eine Adressatenproblematik
5.3 Das Wunderland als surrealistisches Alptraumland – Švankmajers Alice (1988)
5.3.1 Švankmajer und Der Prager Surrealismus
5.3.2 Švankmajer und die düster-groteske Seite der Kindheit
5.3.3 Transformation und Metamorphose als Zeichen der kindlichen Identitätskrise
5.4 Die Rückkehr zur Kindheit als Ausdruck von Freiheit und Emanzipation in Tim Burtons Alice im Wunderland (2010)
5.4.1 Alice als Verkörperung des postmodernen Jugendlichen
5.4.2 Das „Wunderland“ wird zum „Unterland“
5.4.3 Der Tod des Jabberwocky als emanzipatorischer Befreiungsschlag
6 Resümee
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht, welches spezifische Bild von weiblicher Kindheit in vier ausgewählten Verfilmungen von "Alice im Wunderland" entworfen wird, und inwiefern diese filmischen Inszenierungen als Spiegel der gesellschaftlichen Auffassungen ihrer jeweiligen Entstehungszeit dienen können.
Die magische Phase und das Selbstverständnis des Wunderbaren
Die Magische Phase wurde, wie bereits erwähnt, zuerst von PIAGET beschrieben. Seiner Beobachtung nach setzt diese Phase vor allem ab einem Alter von drei Jahren ein und kann – je nach Entwicklungsgrad des Kindes – bis ins zehnte Lebensjahr hineinreichen.
Es existieren nun nachweislich verschiedene Arten von Magie, die während der Dauer dieser Phase im kindlichen Denken auftauchen können. Man unterscheidet Magie durch Partizipation zwischen Gedanken und Dingen (z.B. Zaubersprüche oder Wünsche), zwischen Handlungen und Dingen (z.B. Auf-Holz-Klopfen, damit es Glück bringt) oder zwischen Objekten untereinander (z.B. die Wirkung von Maskottchen). […] Weiterhin zählt zu den magischen Überzeugungen auch das Für-Wahr-Halten unmöglicher Ereignisse […].
Das magische Denken ist nach PIAGET ein „Ausdruck präkausalen Denkens“, was bedeutet, dass Kindern der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung noch nicht bewusst ist. Diese Auffassung konnte jedoch laut CLAUDIA MÄHLER widerlegt werden. So gingen neuere Studien davon aus, dass magisches Denken lediglich auf ein Wissensdefizit von Kindern zurückzuführen sei. Viele von ihnen waren nämlich durchaus auch in diesem Stadium ihrer Entwicklung bereits in der Lage, den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung zu verstehen. Diese Beobachtung erklärt jedoch nicht, woher das magische Denken überhaupt rührt, und deutet lediglich darauf hin, dass den Kindern das magische Denken durch Erziehung und Bildung abtrainiert wurde.
1 Einleitung: Definiert die Forschungsfrage und grenzt das Untersuchungsfeld der "Alice"-Verfilmungen sowie die methodische Herangehensweise ab.
2 Was ist Kindheit?: Analysiert den historischen Begriffswandel von Kindheit als sozialem Konstrukt und beleuchtet die mediale Prägung dieser Altersphase.
3 Magie, Märchen und Traum in der Kindheit: Erläutert die psychologische Relevanz von Magie, Märchen und Traumwelten für das kindliche Identitäts- und Weltverständnis.
4 Die Vorlage: Untersucht die Rolle von Lewis Carrolls literarischem Werk, seine historischen Einflüsse und die Intention hinter der Nonsense-Literatur.
5 Die Wandlung des Kindheitsbildes in ausgewählten Alice-Verfilmungen: Führt eine tiefgehende Analyse der Kindheitsbilder in den Filmen von Disney, Miller, Švankmajer und Burton durch.
6 Resümee: Fasst die zentralen Untersuchungsergebnisse zusammen und reflektiert die filmischen Konstruktionen von Kindheit im zeitgeschichtlichen Kontext.
Alice im Wunderland, Kindheit, Kindheitsbilder, Filmverfilmungen, Lewis Carroll, Magische Phase, Traumdeutung, Kindheitsforschung, Sozialkonstruktivismus, Identitätsentwicklung, Surrealismus, Mediale Darstellung, Kindheitsbild, Subjektivität, Filmästhetik
Die Arbeit analysiert, wie das Bild von "weiblicher Kindheit" in vier prägnanten filmischen Adaptionen von Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" dargestellt und interpretiert wird.
Die zentralen Themen sind die historische Konstruktion von Kindheit, die psychologische Bedeutung von Traum und Märchen sowie die ästhetische Umsetzung dieser Elemente in verschiedenen Filmepochen.
Ziel ist es, zu verstehen, welches Kindheitsideal die jeweiligen Regisseure entwerfen und wie diese Visionen als Spiegel gesellschaftlicher Strömungen ihrer Zeit fungieren.
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche und kulturgeschichtliche Analyse, die Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie, Psychoanalyse und Kindheitsforschung einbezieht.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Filme von Walt Disney (1951), Jonathan Miller (1966), Jan Švankmajer (1988) und Tim Burton (2010).
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kindheitskonstruktion, Alice-Verfilmungen, magisches Denken, Identitätskrise, Surrealismus und gesellschaftliche Prägung.
Disney zeichnet eine idealisierte, naive Alice in einer "heilen Welt", während die literarische Vorlage kritischer gegenüber den Konventionen der Erwachsenenwelt agiert.
Die Puppe dient als zentrales Symbol für die kindliche Identitätskrise und die beklemmende Erfahrung, ein fremdbestimmtes, "spielballartiges" Wesen in einer autoritären Erwachsenenwelt zu sein.
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