Diplomarbeit, 2005
93 Seiten, Note: 1,6
Einleitung
1. Wie kommt das Kind zur Sprache?
1.1 Stufenförmige Entwicklung der Sprache
1.2 Merkmale des Spracherwerbs
1.3 Bedeutung und Funktion der Sprache für Kinder
1.4 Kommunikative und egozentrische Funktion der Kindersprache
1.5 Bedeutung der non-verbalen Kindersprache
2. Zweisprachigkeit
2.1 Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft
2.1.1 Historischer Rückblick
2.1.2 Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität
2.1.3 Kulturelle Identität
2.1.4 Mehrsprachigkeit heute
2.2 Zweisprachigkeit in der Wissenschaft
2.2.1 Versuch einer operationalen Definition
2.2.2 Kategorisierung der Zweisprachigkeit
2.2.3 Zweisprachigkeit in der Wissenschaft
2.2.3.1 Entwicklungsstufen bei einem Doppelspracherwerb
2.2.3.2 Entwicklungsstadien beim Zweitspracherwerb
2.2.4 Kontrastiv- und Identitätshypothese
2.3 Bedeutung der Erstsprache für die Zweisprachigkeit
2.3.1 Zum Begriff der Muttersprache
2.3.2 Erstsprache in den ersten Lebensjahren
2.3.3 Erstsprache als Vorteil
3. Probleme der zweisprachigen Kinder
3.1 Zweisprachigkeit als Abweichung
3.2 Zweisprachigkeit und Intelligenzentwicklung
3.3 Psychologische Probleme
3.3.1 Bedeutung der Zweisprachigkeit für den Prozess der kindlichen Identitätsentwicklung
3.3.2 Stigmatisierung bei Kindern
3.3.2.1 Sprachliche Stigmatisierung bei Kindern
3.3.3 Psychologischer Aspekt des Stotterns
3.3.4 Sprachlosigkeit im Kindergarten
3.4 Linguistische Probleme
3.4.1 Anzeichen der instabilen zweisprachigen Kompetenz
3.4.2 Sprachwahl und Kodewechsel bei Kindern
3.4.3 Interferenz
3.4.4 Probleme der richtigen Zuordnung
3.5 Bildungspolitische Probleme
3.5.1 Doppelte Halbsprachigkeit
3.5.1.1 Kritik und der bildungspolitische Aspekt
3.6 Aussichten für die Schulzeit der halbsprachigen Kinder
4. Sprachförderung
4.1 Konzepte zur Sprachförderung zweisprachiger Kinder im Kindergarten
4.1.1 Defizittheorie
4.1.2 IFP-Modell
4.1.3 Fortbildungskurse für Erzieherinnen
5. Zusammenfassung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die oft fälschlicherweise als rein negativ wahrgenommenen Auswirkungen von Zweisprachigkeit bei Vorschulkindern zu untersuchen, ideologisch bedingte Vorurteile abzubauen und den komplexen, vielschichtigen Prozess des zweisprachigen Spracherwerbs zu beleuchten.
1.4 Kommunikative und egozentrische Funktion der Kindersprache
Die kommunikative Funktion ist, dem allgemeinen Verständnis von Sprache nach, deren Hauptfunktion. Die Möglichkeit, sich mit anderen zu verständigen und auszutauschen, Informationen weiterzugeben oder zu empfangen, ist in erster Linie an Sprache gebunden. In Kommunikationsmodellen wird dabei zwischen Sender und Empfänger unterschieden, zwischen denen über einen Kanal Mitteilungen transportiert werden.
So einfach, wie sich das Modell auf den ersten Blick darstellt, so kompliziert erweist sich Kommunikation auf den zweiten Blick. Es ist kein mechanischer Ablauf, wie mit den Begriffen „codieren, senden, empfangen, decodieren“ nahegelegt wird, sondern ein zwischenmenschlicher Austausch. Dabei können neben der Sprache unterschiedliche Mittel eingesetzt werden und vor allem ist der persönliche Erfahrungshintergrund von Empfänger und Sender und ihre Beziehung zu einander für die Interpretation des Gesagten ausschlaggebend.
Welche Rolle spielt die Kommunikation für das Kind? Die Beziehung zu anderen Personen wird von Beginn an mit Sprache verbunden und zu einem wesentlichen Teil über Sprache gestaltet. Mit Sprache werden nicht nur Mitteilungen und Botschaften gesendet, sondern ebenfalls emotionale Stimmungen, die für Kinder von fundamentaler Bedeutung sind. Der emotionale Aspekt der sprachlichen Zuwendung ist speziell im Säuglings- und Kleinkindalter für eine bestmögliche kindliche Entwicklung von äußerster Wichtigkeit. Bei Kindern im vorschulischen Alter relativiert sich dies jedoch, da die Kommunikation nunmehr weitere Funktionen, Informationen und Mitteilungen für sie enthält.
Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der weltweit zunehmenden Mehrsprachigkeit ein und hinterfragt kritisch die historisch gewachsenen, oft negativen Einstellungen zur Zweisprachigkeit, um die Forschungsfrage nach den tatsächlichen linguistischen und psychologischen Problemen bei Vorschulkindern zu motivieren.
1. Wie kommt das Kind zur Sprache?: Dieses Kapitel beschreibt den natürlichen Spracherwerb, die verschiedenen Entwicklungsstufen, sowie die Bedeutung und Funktionen der Sprache (kommunikativ, egozentrisch, non-verbal) als notwendige Grundlage für das Verständnis bilinguale Erziehung.
2. Zweisprachigkeit: Es erfolgt eine wissenschaftliche Verortung der Zweisprachigkeit unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit, verschiedener Definitionen, Kategorisierungen und Hypothesen (Kontrastiv-/Identitätshypothese) sowie eine eingehende Analyse der Bedeutung der Erstsprache.
3. Probleme der zweisprachigen Kinder: Dieses Kapitel untersucht die bei zweisprachigen Kindern auftretenden Herausforderungen, darunter Stigmatisierung, psychologische Aspekte wie Stottern, sprachliche Probleme (Interferenz, Kodewechsel) und bildungspolitische Begrifflichkeiten wie die "Doppelte Halbsprachigkeit".
4. Sprachförderung: Hier werden unterschiedliche Konzepte zur Sprachförderung im Kindergarten – von der kritisch beleuchteten Defizittheorie bis hin zum bilingualen IFP-Modell und Fortbildungskursen – vorgestellt und hinsichtlich ihrer praktischen Auswirkungen bewertet.
5. Zusammenfassung: Die Autorin fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, räumt mit Mythen über Intelligenzminderung auf und plädiert für eine wertschätzende, tolerante Umgebung, die Zweisprachigkeit als wertvolle Kompetenz statt als Defizit betrachtet.
Zweisprachigkeit, Spracherwerb, Erstsprache, Zweitsprache, Identitätsentwicklung, Mehrsprachigkeit, Vorschulkind, Stigmatisierung, Interferenz, Kodewechsel, Doppelte Halbsprachigkeit, Sprachförderung, Bilingualismus, Kommunikation, Migrationshintergrund
Die Arbeit befasst sich mit der Situation zweisprachig aufwachsender Kinder im Vorschulalter, wobei der Fokus auf den linguistischen, psychologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen liegt, denen diese Kinder in einem oft monolingual ausgerichteten Bildungssystem begegnen.
Die zentralen Themen sind der natürliche Spracherwerb, Definitionen und Konzepte der Zweisprachigkeit, die kindliche Identitätsentwicklung, sprachliche Probleme wie Interferenz und Kodewechsel sowie die Möglichkeiten der pädagogischen Sprachförderung im Kindergarten.
Das primäre Ziel ist es, den ideologisch geprägten, oft negativen Blick auf Zweisprachigkeit wissenschaftlich fundiert zu korrigieren, die tatsächlichen Herausforderungen dieser Kinder zu verstehen und Wege für eine erfolgreiche, unterstützende Sprachpädagogik aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender pädagogischer, psychologischer und linguistischer Studien, die die Autorin kritisch gegeneinander abwägt und mit Beobachtungen aus der Praxis sowie Einzelfallbeispielen verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große inhaltliche Blöcke: die theoretischen Grundlagen des Spracherwerbs, eine ausführliche wissenschaftliche Einordnung der Zweisprachigkeit sowie eine detaillierte Analyse der Probleme von zweisprachigen Kindern (z. B. Identitätskonflikte, sprachliche Stigmatisierung, schulische Aussichten).
Zweisprachigkeit, Erstsprache, Identitätsentwicklung, Sprachförderung, Interferenz, Kodewechsel, Bilingualismus und Stigmatisierung sind die zentralen Begriffe, die den Inhalt der Arbeit maßgeblich bestimmen.
Die Autorin verzichtet auf den Begriff "Muttersprache", da dieser in der deutschen Tradition stark ideologisch belastet ist und keine präzise wissenschaftliche Grundlage bietet, um die vielfältigen, oft mehrsprachigen Identitäts- und Erwerbssituationen von Kindern mit Migrationshintergrund angemessen zu beschreiben.
Die Autorin setzt sich sehr kritisch mit diesem Begriff auseinander. Sie argumentiert, dass er wissenschaftlich wenig fundiert ist und oft als stigmatisierendes Instrument dient, um die sprachliche Verarmung zu pathologisieren, anstatt die Ursachen in der einseitigen, defizitorientierten Pädagogik und gesellschaftlichen Diskriminierung zu suchen.
Der Kindergarten ist laut Arbeit die erste und entscheidende Bildungseinrichtung, die den Grundstein für die sprachliche Identität und den späteren Schulerfolg legt. Eine zu einseitige Ausrichtung auf die deutsche Sprache ohne Anerkennung der Erstsprache wird hierbei als Gefahr für die kindliche Identitätsentwicklung bewertet.
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