Fachbuch, 2018
87 Seiten
1 Einleitung
2 Die Ultras im Profifußball
2.1 Entstehung der Ultra-Szene
2.2 Ultra-Kultur in Deutschland
2.2.1 Eigenschaften und Interessen der Ultras
2.2.2 Feindbilder der Ultras
3 Der Hostile Media Effekt
3.1 Grundlegende Annahmen und Entstehungsgeschichte
3.2 Mechanismen zur Erklärung des Hostile Media Effekts
3.2.1 Selective recall
3.2.2 Selective categorization
3.2.3 Different standards
3.2.4 Prior belief in media bias
3.3 Konsequenzen des Hostile Media Effekts
3.4 Hostile Media Effekt Studien
3.4.1 Unterschiede der Hostile Media Effekt Studien
3.4.2 Vallone et al.: Studie zum Beirut Massaker
3.4.3 Dohle und Hartmann: Studie zu Studiengebühren
3.5 Der Third-Person-Effekt
3.6 Hypothesenableitung
4 Empirische Untersuchung
4.1 Design der Studie
4.2 Instrument
4.3 Stimulusmaterial
4.4 Vorgehen und Ergebnisse des Pretests
4.5 Rekrutierung der Teilnehmer und Durchführung
4.6 Überblick der Stichprobe
5 Ergebnisse
5.1 Vergleich zwischen den Gruppen
5.2 Hypothese 1: Der HME bei den Ultras
5.3 Hypothese 2: Die UV „Einstellung zum Thema Stadionverbot“
5.4 Hypothese 3: Die IV „Gruppeninvolvement“
5.5 Hypothese 4: Die IV „Vertrauen in Medien“
5.6 Hypothese 5: Die IV „Themeninvolvement“
5.7 Hypothese 6: Der TPE
5.8 Hypothese 7: Der TPE als Folge des HME
5.9 Diskussion und kritische Würdigung
6 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, ob der sogenannte „Hostile Media Effekt“ (HME) – die Tendenz, Medienberichterstattung über kontroverse Themen als feindselig oder gegen die eigene Meinung gerichtet wahrzunehmen – bei einer spezifischen, hoch involvierten Gruppe, den Ultras im Profifußball, stärker ausgeprägt ist als bei der Allgemeinbevölkerung, und ob dieser Effekt als Erklärungsmodell für den „Third-Person-Effekt“ (TPE) dienen kann.
3.2.1 Selective recall
Der selective recall, die selektive Erinnerung, geht davon aus, dass Personen solchen Informationen besonders viel Aufmerksamkeit schenken, die ihrem persönlichen Standpunkt widersprechen. Die somit dissonanten Informationen werden elaborierter verarbeitet, wodurch sich an diese eher erinnert wird als an konsonante Informationen. Dadurch kommt es zur verzerrten Wahrnehmung der Informationsverteilung in einem eigentlich ausgewogenen Beitrag und der HME ließe sich somit erklären (vgl. Schmitt/Gunther/Liebhart 2004: 625). Von Giner-Sorolla und Chaiken (1994) wurde diese Erklärung mit der Schematheorie in Verbindung gebracht. Demnach verletzen einstellungsinkongruente Informationen kognitive Schemata, wodurch mehr Aufmerksamkeit hervorgerufen wird (vgl. Giner-Sorolla/Chaiken 1994: 166-167).
Während Vallone et al. (1985) selective recall und selective catergorization zusammen untersuchten, gingen Giner-Sorolla und Chaiken (1994) hingegen direkt auf erinnerte Fakten ein und führten als erste Wissenschaftler auf dem Gebiet Erinnerungsmessungen (free recall und recognition) durch. Die Valenz der frei erinnerten Fakten wurde sowohl von Codierern „objektiv“ gemessen, als auch von den Teilnehmern selbst eingeschätzt. Einen Nachweis für selective recall konnten die Forscher dabei nicht finden. Die von den Codierern festgestellte Valenz der von den Probanden erinnerten Fakten war gegensätzlich sogar eher konsistent zu der eigenen Meinung des jeweiligen Versuchsteilnehmers. Demnach hemmt die selektive Erinnerung einen HME. Giner-Sorolla und Chaiken wiesen jedoch darauf hin, dass die Studie mit allgemeinen Erstsemestern durchgeführt wurde und ihre Ergebnisse nur für eine allgemeine Population, hingegen nicht speziell für partisans gelten. Bei diesen sei es laut den Forschern möglich, dass es durch bipolare Wissensstrukturen und stärkere, gefestigtere Einstellungen zu einer selektiven Erinnerung feindlicher Informationen kommt (vgl. Giner-Sorolla/Chaiken 1994: 172-175). Schmitt et al. (2004) untersuchten mit einem ähnlichen Verfahren partisans, fanden allerdings auch keinen Nachweis für den selective recall und die Ergebnisse deuteten, ähnlich wie bei Giner-Sorolla und Chaiken, in die entgegengesetzte Richtung. Daher wird der Mechanismus des selective recall mittlerweile von vielen Forschern als widerlegt angesehen (vgl. Mende 2009: 42-43).
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der feindlichen Medienwahrnehmung ein, definiert den Hostile Media Effekt und leitet die Forschungsfrage sowie das Ziel der Arbeit, die Untersuchung von Ultra-Gruppen als Spezialfall, her.
2 Die Ultras im Profifußball: Kapitel 2 bietet einen Überblick über die Entstehung und Struktur der Ultra-Kultur sowie deren spezifische Interessen und Feindbilder, insbesondere im Hinblick auf Polizei, Verbände und Medien.
3 Der Hostile Media Effekt: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des HME, stellt Erklärungsmechanismen wie Selective Categorization vor und verknüpft den HME mit dem Third-Person-Effekt.
4 Empirische Untersuchung: Kapitel 4 beschreibt das Design und die Durchführung der Studie, einschließlich des Stimulusmaterials und der Rekrutierung der Teilnehmer aus Ultra-Gruppen und der Allgemeinbevölkerung.
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse der Studie werden detailliert präsentiert, die aufgestellten Hypothesen werden einzeln statistisch geprüft und die Befunde im Kontext der Theorie diskutiert.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, reflektiert kritisch das Studiendesign und schlägt weiterführende Forschungsansätze vor.
Hostile Media Effekt, Third-Person-Effekt, Ultras, Profifußball, Stadionverbot, Medienwahrnehmung, Medienwirkung, Gruppeninvolvement, Themeninvolvement, Persuasive Press Inference, Bias, Medienvertrauen, Medienberichterstattung, Empirische Untersuchung.
Die Arbeit untersucht, wie Fußball-Ultras die Medienberichterstattung über Themen, die ihre Szene betreffen (z.B. Stadionverbote), wahrnehmen und ob dabei der sogenannte „Hostile Media Effekt“ auftritt.
Die zentralen Felder sind die Medienwirkungsforschung, die Soziologie der Ultra-Kultur im Fußball sowie die psychologischen Mechanismen der Wahrnehmung von Medienbeiträgen als parteiisch.
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob sich Ultras aufgrund ihrer spezifischen Gruppeneigenschaften als „Extremgruppe“ stärker von Medienberichterstattung als feindselig beeinflusst fühlen als die normale Bevölkerung.
Es wurde ein quasi-experimentelles Studiendesign gewählt, bei dem zwei Gruppen (Ultras und Allgemeinbevölkerung) einen einheitlichen Text bewerteten, um anschließend Unterschiede in der Wahrnehmung statistisch auszuwerten.
Der Hauptteil widmet sich der Definition und historischen Entwicklung des Hostile Media Effekts, der Vorstellung psychologischer Erklärungsmodelle sowie der theoretischen Verbindung zum Third-Person-Effekt.
Zu den prägenden Begriffen gehören Hostile Media Effekt, Third-Person-Effekt, Stadionverbote, Fußball-Ultras, Bias, Medienwahrnehmung und Gruppeninvolvement.
Ja, die Studie konnte statistisch belegen, dass Ultras den vorgelegten Medienbeitrag unausgewogener und negativer bewerten als die Kontrollgruppe aus der Allgemeinheit.
Entgegen der Hypothese konnte in dieser Studie kein signifikanter direkter Zusammenhang zwischen der Stärke des Gruppeninvolvements und der Intensität des wahrgenommenen Bias im Artikel nachgewiesen werden.
Der Autor warnt, dass ein grundsätzlich niedriges Vertrauen in die Medien – welches in beiden untersuchten Gruppen feststellbar war – die Kompetenz der Medien als neutrale Berichterstatter untergräbt und somit langfristig negative Auswirkungen auf das demokratische System haben kann.
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