Masterarbeit, 2014
73 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
2. FORSCHUNGSSTAND
2.1. AUTOR-, DATIERUNGS- UND GATTUNGSFRAGEN
2.2. VORLAGEN
2.2.1. Historische Vorlagen
2.2.2. Literarische Vorlagen
2.2.3. Sagen
2.3. FORMALE ASPEKTE
2.4. ZWISCHENFAZIT
3. INHALTLICHER VERGLEICH
3.1. FAMILIE UND EMANZIPATION
3.2. RELIGION UND GÖTTLICHE AUSERWÄHLUNG
3.3. RÎTERS MUOT
3.4. DAS ENDE NACH HANDSCHRIFT K
4. DER RICHTIGE UND DER FALSCHE – EIN FAZIT
5. BIBLIOGRAPHIE
Die vorliegende Arbeit untersucht die inhaltliche und konzeptionelle Verwandtschaft der mittelalterlichen Heldenepen Otnit und Wolfdietrich A, um zu klären, ob diese Texte über ihre äußere Überlieferung hinaus als zusammengehörige Texteinheit begriffen werden können. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Frage, inwiefern die Protagonisten komplementär konzipiert sind und ob Wolfdietrich als eine "verbesserte" oder "modernere" Heldenkonstruktion gegenüber dem in seiner Entwicklung defizitären Otnit zu verstehen ist.
3.1. Familie und Emanzipation
In diesem ersten Teil des Vergleichs soll es nun um die Fragen nach Familie, Familienstruktur und die Fähigkeit zur Emanzipation gehen. Dazu wird zuerst untersucht, welche Mitglieder überhaupt zum familiären Umfeld der Helden gehören und in welcher Beziehung sie zu den Protagonisten stehen.
Zu Beginn des Otnit findet man ein gewöhnliches Familienbild: Vater, Mutter, Kind und auch einen Onkel gibt es. Der Vater, der König von Lamparten, spielt in der gesamten Erzählung keine Rolle – und das wörtlich genommen, denn seine Figur taucht aktiv handelnd nie auf. Insofern kann angenommen werden, dass er zu Beginn der Erzählung bereits verstorben ist. Weil es diesen Vater also nicht gibt, wählt Otnit sich einen Ersatzvater, seinen oheim Ylias von Reußen (O 55, 3): ich will dich ze vater kiesen: du bist der vater mein. Diese Position hält Ylias auch, bis Otnits tatsächlicher biologischer Vater auftritt, der Zwergenkönig Alberich (O 164, 4): wie gros aber ir euch dunket, so seit ir doch mein kind. Somit hat Otnit also nicht nur einen Vater, sondern gleich drei: Den König von Lamparten als Ziehvater, Ylias als Wahlvater und Alberich als biologischen Vater. Auf weiblicher Seite stehen dem in der Minderheit Otnits Mutter sowie später seine Frau, die Tochter des Heidenkönigs Nachorel, gegenüber.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Heldenlieder Otnit und Wolfdietrich unter besonderer Berücksichtigung ihrer intertextuellen Verflechtung und der Problemstellung hinsichtlich ihrer Eigenständigkeit oder Zusammengehörigkeit.
2. FORSCHUNGSSTAND: Darstellung der mediävistischen Diskussion zu Autorschaft, Datierung, Gattung und den literarischen sowie historischen Vorlagen der beiden Epen.
3. INHALTLICHER VERGLEICH: Detaillierte Untersuchung der zentralen inhaltlichen Aspekte Familie/Emanzipation, Religion/Auserwählung und rîters muot, um die komplementäre Anlage der beiden Heldenfiguren herauszuarbeiten.
4. DER RICHTIGE UND DER FALSCHE – EIN FAZIT: Zusammenfassende Definition der Helden Otnit als "Falscher" und Wolfdietrich als "Richtiger" im Kontext ihrer Herrscher- und Ritterqualität.
5. BIBLIOGRAPHIE: Verzeichnis der herangezogenen Primär- und Sekundärliteratur.
Otnit, Wolfdietrich, Heldendichtung, Mittelhochdeutsch, Emanzipation, Triuwe, Alberich, Heidenkampf, Drachenkampf, Familienstruktur, saelde, rîters muot, Heldenepik, Intertextualität, Literaturgeschichte
Die Arbeit analysiert die inhaltliche Verbindung zwischen den Heldenepen Otnit und Wolfdietrich A. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob beide Texte eine erzählerische Einheit bilden oder als unabhängige Dichtungen zu betrachten sind.
Die Untersuchung gliedert sich in die Bereiche familiäre Bindungen, religiöse Ausrichtung und Auserwählung sowie die ritterliche Gesinnung, hierbei besonders der Begriff der triuwe.
Ziel ist es zu ergründen, ob Otnit und Wolfdietrich parallel konzipiert wurden und ob Wolfdietrich als "verbesserte" Version (2.0) des in seiner Entwicklung als defizitär betrachteten Otnit verstanden werden kann.
Es handelt sich um eine inhaltlich-vergleichende Literaturanalyse, die den Fokus auf die Konstruktion der Protagonisten und ihre jeweilige Interaktion mit dem familiären und göttlichen Umfeld legt.
Der Hauptteil konzentriert sich auf eine detaillierte Analyse der Handschrift A, bevor er in einem zweiten Schritt die ergänzenden Inhalte der Handschrift k in den Vergleich einbezieht.
Wichtige Begriffe sind Heldendichtung, Emanzipation, triuwe, saelde sowie die komplementäre Gegenüberstellung von "richtigem" und "falschem" Heldentum.
Während dem Helden Otnit die göttliche Gunst (saelde) fehlt und er daher ruhmlos scheitert, erweist sich Wolfdietrich durch göttliche Zeichen und Prüfungen als Auserwählter, was ihm zum Erfolg verhilft.
Otnit wird als "Falscher" charakterisiert, da ihm essenzielle Herrscher- und Ritterqualitäten wie Weitsicht und bedingungslose Treue fehlen, er in einer ungelösten Adoleszenz verharrt und schlussendlich am Drachenkampf scheitert.
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