Magisterarbeit, 2008
112 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung – Warum Konsum als Politikum?
1.1 Kleine Geschichte des Konsumierens – Aus Bedürfnissen werden Wünsche
1.2 Begriffsbestimmungen: Konsumismus, Neokonsumismus, Konsumerismus, consumerism
1.3 Was die westliche Welt konsumiert – Globale Wirtschaft, globaler Konsum
2. Die „alte“ Konsumkritik – historische Theorien oder zutreffende Prognosen
2.1 Karl Marx: Vergegenständlichung und Warenfetisch
2.2 Die kritische Theorie – Repression durch Überfluss
2.3 Wiederbelebung der Konsumkritik als Globalisierungskritik
3. Konsum und Identität
3.1 Recht auf Eigentum und Emanzipation
3.2 Kapitalistischer Geist und die Wiederverzauberung der Lebenswelt
3.3 Konsum- und Dingkultur als westlicher Lebensstil
3.4 Erlebnisgesellschaft und Multioptionalismus
3.5 Individualität und Massenkonsum
3.6 Authentizität und Enttäuschung
3.7 Pierre Bourdieu: Distinktion
3.8 Milieuansätze und Stilanalyse
4. Konsum und Politik
4.1 Konsumismus – Die letzte oder das Ende der Ideologie?
4.2 Vom Staatsbürger zum Verbraucher - Zwischen Autonomie und Manipulation
4.3 Politisierter Konsum – Der Consumer-Citizen
4.3.1 Handlungstheoretische Ansätze
4.3.2 Kulturtheoretische Ansätze
4.4 Politische Konsumstrategien und ihre Relevanz
4.4.1 Verbraucherkampagnen und Boykott
4.4.2 Ethischer Konsum
4.4.3 Gegenkultur – Culture Jamming
4.4.4 Verweigerung – Zurück zur Natur
4.5 Kaufen als Bürgerpflicht – Lebensstilpolitik versus Konsumpolitik
4.6 Politische Partizipation und Konsum - Entpolitisierung durch Individualisierung?
4.7 Marketing und Werbung – Kreation von Wünschen und Möglichkeiten
5. Konsum und Demokratie
5.1 Exkurs: Kaufkraft statt Freiheit - Hat Beate Uhse die DDR besiegt?
5.2 Sozialpolitik als Konsumsubvention – Von Teilhabe und Ausschluss
5.3 Der Markt und die Demokratie im Spektrum des modernen Liberalismus
5.3.1 John Rawls: Gerechtigkeit als Fairness und Demokratie mit Eigentumsbesitz
5.3.2 Nur eine Frage der Gerechtigkeit?
5.4 Norbert Bolz: Die Theorie vom konsumistischen Frieden
6. Von der Konsumkritik zum Konsumismus? Neue Perspektiven in einer alten Debatte
Diese Magisterarbeit untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Konsum, Identität und Politik in modernen westlichen liberalen Demokratien. Das Hauptziel der Arbeit ist es, die Rolle des Bürgers in einer Gesellschaft zu analysieren, die zunehmend durch Konsumkultur geprägt ist, und die Frage zu klären, ob politisierter Konsum eine neue Form demokratischer Partizipation darstellen kann oder eine Entpolitisierung fördert.
2.1 Karl Marx: Vergegenständlichung und Warenfetisch
Karl Marx interessierte sich eigentlich kaum für den Konsumakt der kapitalistisch hergestellten Waren. Sein Interesse lag hauptsächlich in der kapitalistischen Produktionsweise, welche die beherrschte Klasse, die Arbeiterklasse: (1.) immer weiter vom eigenen Produkt entfremdet, und so dem Menschen eine wichtige Identitätsgrundlage raubt, da sich der Mensch über die Umformung der Natur und damit über die Produkte seiner Arbeit definiert.
(2.) Den Arbeiter vom Konsum der produzierten Waren immer mehr ausschließt, also bei steigendem gesellschaftlichen Reichtum der Arbeiter immer ärmer wird und bis an das Existenzminimum gedrängt wird. Konsumieren im eigentlichen Sinne, also die Waren kaufen, die die industrielle Revolution immer schneller und in größeren Mengen produziert, kann also nur die besitzende Klasse, die durch steigende Gewinne immer mehr Kapital akkumulieren kann.
Somit ist die einzige Krise, in die das kapitalistische System geraten kann (der Revolution natürlich ausgenommen) eine Überproduktionskrise. Durch Produktionssteigerung werden zu viele Waren auf den Markt geworfen, die keine Käufer finden.
1. Einleitung – Warum Konsum als Politikum?: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und begründet die Relevanz einer politikwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Konsum als politischem Faktor in modernen westlichen Demokratien.
2. Die „alte“ Konsumkritik – historische Theorien oder zutreffende Prognosen: Hier werden klassische marxistische Ansätze, die Kritische Theorie sowie moderne globalisierungskritische Positionen auf ihre heutige Gültigkeit und Erklärungskraft für den Konsumismus hin geprüft.
3. Konsum und Identität: Dieses Kapitel analysiert, wie moderne Konsummuster, Dingkultur und ästhetische Inszenierungen (Habitustheorie) maßgeblich zur Identitätsbildung und sozialen Distinktion beitragen.
4. Konsum und Politik: Hier wird der Wandel vom mündigen Staatsbürger zum Verbraucher untersucht sowie die Effektivität und politische Relevanz von Konsumstrategien wie Boykott, ethischem Konsum und Culture Jamming kritisch bewertet.
5. Konsum und Demokratie: Dieses Kapitel expliziert die Bedeutung des freien Marktes für moderne Demokratien und bewertet, insbesondere unter Heranziehung von John Rawls, wie soziale Ungleichheit und Teilhabe in Konsumgesellschaften gerecht gestaltet werden können.
6. Von der Konsumkritik zum Konsumismus? Neue Perspektiven in einer alten Debatte: Das Schlusskapitel resümiert die zentralen Thesen der Arbeit und diskutiert die Möglichkeiten einer konstruktiven Auseinandersetzung mit dem globalisierten Kapitalismus jenseits kulturpessimistischer Sichtweisen.
Konsumgesellschaft, Konsumismus, Konsumkritik, Politische Partizipation, Identität, Habitus, Bourdieu, Demokratie, Liberalismus, Globalisierungskritik, Warenfetisch, Kapitalismus, Consumer-Citizen, Erlebnisgesellschaft, Distinktion
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis von Konsum, persönlicher Identität und politischem Handeln in modernen westlichen Demokratien.
Die Themen umfassen historische Konsumkritik, die Funktion von Konsum als Identitätsmerkmal, die Politisierung des Einkaufsverhaltens und die Vereinbarkeit von kapitalistischen Marktmechanismen mit demokratischen Werten.
Das Ziel ist es, zu klären, inwiefern der Wandel vom mündigen Bürger zum Konsumenten die Demokratie gefährdet und ob politisierter Konsum eine wirksame neue Form der demokratischen Beteiligung darstellen kann.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären theoretischen Ansatz, der politikwissenschaftliche Theorien, Soziologie und Kulturwissenschaften miteinander verknüpft, um das Phänomen Konsumismus ganzheitlich zu verstehen.
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze zur Konsumkritik, die Verknüpfung von Konsum mit Identität (Habitus), sowie spezifische politische Konsumstrategien wie Boykott oder Ethischer Konsum.
Zentrale Begriffe sind Konsumgesellschaft, Konsumismus, Politische Partizipation, Identität, Habitus, Kapitalismus und Demokratie.
Der Autor sieht in der Figur des "Consumer-Citizen" eine ambivalente Entwicklung, die zwar politisches Potenzial bietet, jedoch nicht das klassische, institutionalisierte demokratische Engagement ersetzen kann.
Die Arbeit zeigt auf, dass die Grenzen zwischen privater Konsumentscheidung und öffentlichem politischen Handeln in der modernen Gesellschaft zunehmend verschwimmen und eine strikte Trennung theoretisch wie praktisch schwierig geworden ist.
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