Examensarbeit, 2009
47 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Meister Eckhart
2.1 Biografie
2.2 Grundzüge der Mystik Eckharts
2.2.1 Eckharts theologisch-philosophisches Umfeld
2.2.2 Werke
2.2.3 Eckharts Lehre
3. Heinrich Seuse
3.1 Biografie
3.2 Grundzüge der Mystik Seuses
3.2.1 Charakteristik und Wirkungsgeschichte der Mystik Seuses
3.2.2 Werke
4. Johannes Tauler
4.1 Biografie
4.2. Grundzüge der Mystik Taulers
4.2.1 Werk, Einflüsse und Wirkungsgeschichte
4.2.2 Taulers Lehre
5. Gelassenheit
5.1 Die Genese des Gelassenheitsbegriffs
5.2 Das alltägliche Verständnis von ‚Gelassenheit’
5.3. Das Verständnis von ‚Gelassenheit’ bei Eckhart, Seuse und Tauler
5.3.1 Das Verständnis von ‚Gelassenheit’ bei Meister Eckhart
5.3.2 Das Verständnis von ‚Gelassenheit’ bei Heinrich Seuse
5.3.3 Das Verständnis von ‚Gelassenheit’ bei Johannes Tauler
5.4. Wirkungsgeschichte der Eckhartschen Gelassenheit bei Seuse und Tauler
5.4.1 Wirkungsgeschichte der Eckhartschen Gelassenheit bei Heinrich Seuse
5.4.2 Wirkungsgeschichte des Eckhartschen Gelassenheitsbegriffs bei Johannes Tauler
5.5 Die Bedeutung mystischer Gelassenheit für die heutige Zeit
6. Fazit
Die Arbeit untersucht das ursprüngliche mystische Verständnis von „Gelassenheit“ bei Meister Eckhart und analysiert, wie dieser Begriff von seinen Schülern Heinrich Seuse und Johannes Tauler aufgenommen und im Laufe der Zeit durch neue Nuancen verändert wurde.
5.3.1 Das Verständnis von ‚Gelassenheit’ bei Meister Eckhart
Zur Annäherung an das Verständnis von ‚Gelassenheit’ bei Meister Eckhart werde ich mich zunächst auf die von A. Bundschuh vorgenommene Analyse zur Wortbedeutung beziehen.
Das von Meister Eckhart geprägte Wort ‚Gelassenheit’ ist eine Abstraktbildung zu ‚gelassen’ (mhd. gelâzen). Gelâzen ist wiederum die Partizip-Perfekt-Bildung von lâzen: gelâzen hât. Diese Form entwickelt sich weiter zum Adjektiv: gelâzen îst. Die Entwicklung des Wortes hatte sich bereits im Mittelhochdeutschen vollzogen.
Für Meister Eckhart ist der Mensch gelâzen, der „sich selbst und die Welt gelassen und sich Gott gelassen hat“. Der Begriff gelâzen ist somit nach zwei Seiten, aber auch auf zwei unterschiedliche Bedeutungen hin ausgerichtet. Die beiden Bedeutungen liegen im mittelhochdeutschen lâzen zusammen und treten unterschiedlich stark hervor:
Die Abkehr von sich selbst und der Welt und die Zukehr zu Gott ist nicht als ein Nacheinander gedacht, sondern beides ist zu Verstehen als die zwei Seiten der einen Bewegung. In dieser einen Bewegung ist die negative Seite der Abkehr und die positive der Hinwendung vereint und bildet so die Grundbedingung für die unio mystica. Im christlich-mittelalterlichen Denken ist die Formulierung ‚sich selbst und die Welt und sich Gott lassen’ bereits bekannt. Eckhart übersteigt nun aber dieses traditionelle Denken, indem er fordert, dass der Mensch „Gott um Gottes willen lasse“. Erst dieses ‚Lassen’ ist Voraussetzung für den Übergang in einen ganz anderen Bereich. Aus dem ‚gelâzen hân’ wird nun ein absolutes ‚gelâzen sîn’. Derjenige der ‚gelâzen ist’, sich also im Zustand der Gelassenheit befindet, kommt zu seiner eigentlichen Identität, denn er ist im Zustand der Gleichheit und Einheit mit Gott. In diesem Zustand ist alles Trennende, alle unglîcheit aufgehoben. In dieser Einheit kann ‚Gottes Wort’ gehört werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Begriff der Gelassenheit ein und stellt die Forschungsfrage nach der Aufnahme und Veränderung des eckhartschen Gelassenheitsverständnisses durch Seuse und Tauler.
2. Meister Eckhart: Dieses Kapitel behandelt die Biografie und die zentralen theologisch-philosophischen Grundzüge der Mystik Eckharts, insbesondere sein Verständnis von Gott und der Geburt Gottes in der Seele.
3. Heinrich Seuse: Hier werden Leben und Werk des „geistlichen Minnesängers“ Seuse dargestellt, wobei der Schwerpunkt auf seiner Einordnung als Mystiker des Herzens und seinem literarischen Schaffen liegt.
4. Johannes Tauler: Dieses Kapitel widmet sich der Biografie und der Predigt-Theologie Taulers, die eine stärker praktische und lebensnahe Frömmigkeit der Gottesfreundschaft betont.
5. Gelassenheit: Dieser zentrale Teil analysiert detailliert die Genese des Gelassenheitsbegriffs, das moderne Verständnis im Kontrast zum mystischen Ursprung sowie die spezifischen Ausprägungen des Begriffs bei den drei untersuchten Mystikern.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Eckhartsche Gelassenheit bei Seuse und Tauler ihren spekulativen Charakter teilweise zugunsten einer ethischen und praktisch-tugendhaften Ausrichtung einbüßte, heute aber wieder neue spirituelle Relevanz entfalten kann.
Gelassenheit, Abgeschiedenheit, Meister Eckhart, Heinrich Seuse, Johannes Tauler, Mystik, Gotteserfahrung, Gottergebenheit, Unio mystica, Gottesgeburt, Seelengrund, Spiritualität, Mittelalterliche Mystik, Christusnachfolge, Gottesfreundschaft
Die Arbeit analysiert den mystischen Begriff der „Gelassenheit“ und untersucht, wie dieses zentrale Konzept von Meister Eckhart durch seine beiden Schüler, Heinrich Seuse und Johannes Tauler, adaptiert und inhaltlich transformiert wurde.
Die zentralen Themen sind die mittelalterliche deutsche Mystik, die philologische und theologische Herleitung des Begriffs „Gelassenheit“, die Lebenswege der drei Mystiker sowie die Wechselwirkungen zwischen spekulativer Philosophie und praktischer Frömmigkeit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das ursprünglich philosophisch-spekulative Verständnis von Gelassenheit als „Losgelöstsein“ bei Eckhart in den Werken von Seuse und Tauler eine Verschiebung hin zu einer stärker praktischen, lebensnahen und durch Demut geprägten Haltung erfahren hat.
Die Arbeit nutzt eine historisch-philologische Analyse, bei der Originalschriften und Traktate (wie Eckharts „Reden der Unterweisung“ oder Seuses „Buch der Wahrheit“) systematisch interpretiert und mit der Forschungsliteratur in Beziehung gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der drei Mystiker (Biografie und Mystik-Grundzüge), eine eingehende Begriffsanalyse der „Gelassenheit“ inklusive ihrer Säkularisierung und Wirkungsgeschichte bei den Schülern Eckharts.
Neben dem zentralen Begriff „Gelassenheit“ sind Begriffe wie Abgeschiedenheit, Gottergebenheit, Gottesgeburt, Seelengrund, Unio mystica und die Namen der drei untersuchten Dominikaner-Mystiker essenziell.
Während bei Eckhart der spekulative Aspekt der Abkehr von der Welt zugunsten des „reinen Seins“ dominiert, betont Tauler stärker die praktische Umsetzung in der Alltagstätigkeit und ordnet die Gelassenheit einer Haltung demütiger Gottergebenheit unter.
Das „Buch der Wahrheit“ fungiert als direkte Verteidigung der Lehre Eckharts gegen kirchliche Verurteilungen und zeigt ein Gelassenheitskonzept, das dem spekulativen Verständnis Eckharts am nächsten kommt, bevor Seuse in späteren Schriften eher praktisch-asketische Wege wählte.
Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert säkularisiert und entwickelte sich zu einem psychologischen Ideal der „Gelassenheit“ als bloße Selbstbeherrschung oder stoische Gleichmut, wodurch der ursprünglich metaphysische Bezug zu Gott und zum „Seelengrund“ in den Hintergrund trat.
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