Masterarbeit, 2018
76 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Adoleszenz
2.1 Kontextuelle Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz
2.2 Identitätskrise
2.3 Problem- und Risikoverhalten bei Jugendlichen
3. Suizidales Verhalten bei Jugendlichen
3.1 Suizidgedanken, Suizidversuch, Suizid
3.2 Ablauf suizidaler Handlungen
3.3 Besonderheiten jugendlicher Suizidalität
3.4 Erklärungsmodell und Theorie für die Entwicklung von Suizidalität
4. Die Darstellung jugendlicher Suizidalität in Bov Bjergs Auerhaus
4.1 Die Darstellung jugendlicher Suizidalität in der Literatur
4.2 Die Gattung des Adoleszenzromans
4.3 Von der Identitätssuche zur Suizidalität
4.3.1 Der Suizidversuch des Ich-Erzählers
4.3.2 Der Suizidversuch Frieders
4.3.3 Die Zeit im Auerhaus
4.3.4 Der Suizid Frieders
4.4 Die Kardinalfrage: Die Frage nach dem Sinn
4.5 Die Verbindung der Suizidenten
4.6 Von der Verurteilung zur Akzeptanz
4.7 Zwischenfazit
5. Das didaktische Potenzial für den Literaturunterricht
5.1 Die gesellschaftliche Relevanz
5.2 Die Schule als Ort der Vermittlung
5.2.1 Werther-Effekt versus Papageno-Effekt
5.2.2 Warnzeichen von Suizidalität
5.3 Die Eignung von Auerhaus für die literarische Auseinandersetzung
5.3.1 Literatur als Medium der Vermittlung
5.3.2 Der Adoleszenzroman im Unterricht
5.3.3 Leerstellen
5.3.4 Identifikation
5.3.5 Fiktion versus Wirklichkeit
5.3.6 Metaphorik und Symbolik
5.4 Überlegungen für die Praxis
6. Fazit
Die Masterarbeit untersucht das didaktische Potenzial des Romans "Auerhaus" von Bov Bjerg für eine präventions- und aufklärungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema jugendlicher Suizidalität im Literaturunterricht. Sie analysiert die Suizidalität der beiden Hauptfiguren anhand verhaltenstheoretischer Modelle und beleuchtet die Rolle des Adoleszenzromans als Medium für die Identitätsfindung und Krisenbewältigung.
4.3.1 Der Suizidversuch des Ich-Erzählers
Der Ich-Erzähler, auch mit seinem Nachnamen ‚Höppner‘ gerufen, wird als etwas unscheinbarer, durchschnittlicher und unsicherer Jugendlicher beschrieben. Er führt eine Beziehung mit der selbstbewussten Vera, die jeglicher Strukturierung und Einengung in ihrem Leben ausweicht. Somit reagiert sie auch auf die feste Bindung einer Beziehung mit erhöhtem Freiheitsdrang: „Vera schlief im Zimmer, ich in der Küche. Vera sagte, das würde vom Platz her nicht anders gehen, und ich wollte es glauben.“ Die Zurückweisung ihm gegenüber und die ihm dadurch verwehrt bleibenden, aber doch sehnlichst erwünschten, sexuellen Erfahrungen scheinen Unsicherheit und Verlustängste zu erzeugen, was sich in seiner stetig wiederholenden Absicherung über ihre Zusammengehörigkeit äußert. Höppner schwärmt von Vera und nimmt ihre weiblichen Reize wahr.
Fragen, die er ihr gegenüber äußert, wie, ob sie Kinder wolle, zeugen von seiner Verliebtheit aber vor allem von einer großen Ernsthaftigkeit, mit der er die Beziehung wahrnimmt. Dies wird besonders deutlich, als er sich die Zukunft der Auerhausmitbewohner vorstellt und die Vision von sich und Vera als verheiratetes Paar mit Kindern beschreibt. Der Ich-Erzähler scheint somit ein traditionelles Familienbild anzustreben und diesbezüglich eher konservative Werte zu vertreten. Durch Vera findet er Schutz und Beratung. Dennoch kann sie, von der Sehnsucht nach Ungebundenheit getrieben, keine Sicherheit bezüglich ihrer Beziehung bieten. Das Fehlen von körperlicher Intimität und die teils massive Abweisung Veras scheinen den Ich-Erzähler zu beschämen. Zwar erinnert er sich an den ersten Kuss mit seiner Freundin und ist diesbezüglich nicht vollkommen unerfahren, jedoch ist es ihm unangenehm, Frieder gegenüber seine Jungfräulichkeit zuzugeben. Seine Unerfahrenheit entschuldigt er damit, dass Vera noch nicht bereit für sexuelle Intimität sei. Als Vera ein sexuelles Verhältnis mit dem eigentlich homosexuellen Harry eingeht, ist seine zuvor benannte Ausrede für das Fehlen von Intimität hinfällig. Ihr Handeln begründet sie mit den Worten: „»[...] Liebe ist kein Kuchen, der weniger wird, wenn man ihn teilt.«“ Der Misserfolg bei der Entwicklungsaufgabenbewältigung scheint Selbstzweifel in ihm auszulösen und er entwickelt das Gefühl der Eifersucht. Der Jugendliche erfüllt die Entwicklungsaufgabe der romantischen Beziehung somit nicht. Es mangelt der jugendlichen Beziehung an einem ausgewogenen Verhältnis von Individualität, Autonomie, Verbundenheit und Intimität, das als Voraussetzung für eine gelungene Partnerschaft gesehen werden kann.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Thematisierung jugendlicher Suizidalität in der Jugendliteratur ein und skizziert die Fragestellung bezüglich des didaktischen Potenzials von "Auerhaus".
2. Adoleszenz: Dieses Kapitel theoretisiert die Entwicklungsphase der Adoleszenz, ihre zentralen Aufgaben wie Identitätsfindung und die damit verbundenen Risiken wie Identitätskrisen.
3. Suizidales Verhalten bei Jugendlichen: Hier werden Wissensgrundlagen zu Suizidalität geschaffen, einschließlich Begriffsdefinitionen und der Vorstellung eines verhaltenstheoretischen Modells zur Analyse.
4. Die Darstellung jugendlicher Suizidalität in Bov Bjergs Auerhaus: Das Hauptkapitel analysiert die Romanfiguren und die Darstellung suizidalen Verhaltens im Kontext des modernen Adoleszenzromans und des Gesellschafts- und Generationenkonflikts.
5. Das didaktische Potenzial für den Literaturunterricht: Dieses Kapitel prüft die Eignung des Romans für den Unterricht, diskutiert pädagogische Herausforderungen wie den Werther-Effekt und evaluiert Methoden wie die Arbeit mit Leerstellen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt das Potenzial von "Auerhaus" als Instrument für eine reflektierte, präventive Auseinandersetzung mit dem Thema im Unterricht.
Jugendliche Suizidalität, Auerhaus, Bov Bjerg, Adoleszenzroman, Literaturunterricht, Suizidprävention, Identitätskrise, Adoleszenz, Literaturdidaktik, Identitätsfindung, Verhaltenstheoretisches Modell, Papageno-Effekt, Werther-Effekt, Sinnsuche, Jugendkultur.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Darstellung von jugendlicher Suizidalität im Roman "Auerhaus" von Bov Bjerg und untersucht dessen Eignung für den Einsatz im Literaturunterricht.
Die zentralen Themen umfassen die Entwicklungspsychologie der Adoleszenz, die psychologischen Hintergründe suizidalen Verhaltens, die Gattung des Adoleszenzromans und die Möglichkeiten der didaktischen Aufarbeitung sensibler Themen in der Schule.
Das primäre Ziel ist es, das didaktische Potenzial des Romans aufzuzeigen, um eine präventions- und aufklärungsorientierte Auseinandersetzung mit suizidalem Verhalten im Rahmen der Schule zu ermöglichen.
Die Analyse stützt sich auf ein verhaltenstheoretisches Erklärungsmodell nach Schmidtke, um die Beweggründe und das Verhalten der Romanfiguren in ihren jeweiligen Kontexten tiefenpsychologisch zu untersuchen.
Im Hauptteil werden die Identitätskrisen der Jugendlichen, die Funktion des Auerhauses als Schutzraum, der Umgang der Gesellschaft mit Suizidalität und die Entwicklung des Ich-Erzählers analysiert.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Adoleszenz, Suizidalität, Literaturdidaktik, Identitätsfindung und präventive Pädagogik.
Das Auerhaus wird als utopischer Schutzraum gedeutet, der den Jugendlichen einen zeitweiligen Rückzug vor den als dystopisch empfundenen gesellschaftlichen Normen und Erwachsenenwelten ermöglicht, bevor die Realität die Utopie einholt.
Der Ich-Erzähler fungiert als Identifikationsfigur, die durch ihre eigene Auseinandersetzung mit der Suizidalität des Freundes und ihrer eigenen Entwicklung den Schülern eine Brücke baut, um aus einer beobachtenden Perspektive zu lernen.
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