Bachelorarbeit, 2018
38 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Konstruktivistische Außenpolitikanalyse
2.1 Strategische Kulturforschung
2.2 Datenerhebung und Operationalisierung strategischer Kultur
2.2.1 Der gerechtfertigte Zweck für den Einsatz militärischer Mittel
2.2.2 Der bevorzugte Grad an rechtlicher Legitimation
2.2.3 Der bevorzugte Grad an Kooperation
2.2.4 Die bevorzugte Art und Weise des Einsatzes militärischer Mittel
2.2.5 Qualitative Diskursanalyse und quantitative Meinungsumfragen
3. Deutschlands Sicherheitspolitik und strategische Kultur
3.1 Zentrale Prinzipien deutscher Sicherheitspolitik
3.2 Strategische Kultur seit der Wiedervereinigung
4. Fallbeispiel Afghanistan (ISAF)
4.1 Der 11. September als Wendepunkt der deutschen Sicherheitspolitik
4.2 Akteure, Debatte und öffentliche Meinung zur ISAF-Mission
4.2.1 Neuanfang und Stabilisierung (2001-2003)
4.2.2 Debatte um die Ausweitung des Einsatzgebietes (2004-2007)
4.2.3 Zuspitzung, Strategiewechsel und Exit (2008-2012)
5. Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht den Einfluss gesellschaftlicher Werte und Normen auf die deutsche Sicherheitspolitik am Beispiel des ISAF-Einsatzes in Afghanistan. Ziel ist es, durch die Analyse der strategischen Kultur als konstruktivistische Variable zu erklären, warum Deutschland in diesem Konflikt ein wankelmütiges Verhalten zeigte, das durch ein Spannungsfeld zwischen Bündnissolidarität und militärischer Zurückhaltung geprägt war.
4.2.1 Neuanfang und Stabilisierung (2001-2003)
Der Entscheidungsprozess um die ISAF verlief im Vergleich zur OEF weniger kontrovers, was auf den zivilen Charakter der Mission zurückzuführen ist. Obwohl die deutsche Beteiligung mit anfangs 1.200 Soldaten weitaus größer war als an der OEF kreisten die hitzigen Debatten eher um Letztere (Heitmann-Kroning 2015, S. 144). Die eingangs herausgearbeiteten Indikatoren der strategischen Kultur werden im Folgenden für die Phase von 2001-2003 dargestellt.
Der gerechtfertigte Zweck für die Beteiligung an der ISAF-Mission
Zu Beginn der ersten Debatte über die Mandatierung des Einsatzes am 22. Dezember 2001, formulierte Bundeskanzler Schröder in seiner Regierungserklärung als Zweck u.a. die Wahrung des Friedens und Frauenrechte in Afghanistan (vgl. Deutscher Bundestag 2001, S. 20821). Dies stehe in engem Zusammenhang mit der Demokratisierung des Landes. Die Mission diene ausdrücklich „der Etablierung eines demokratischen Staates zur Ermöglichung von Frieden und Menschenrechten, wobei es nicht nur um den Schutz basaler Schutzrechte (auf Leben u. ä.), sondern in der Tat um liberale Gleichheitsrechte geht.“ (Müller/Wolf 2011, S. 210).
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die sicherheitspolitische Ausgangslage Deutschlands nach 2014 und führt in das konstruktivistische Analysekonzept der strategischen Kultur ein.
2. Konstruktivistische Außenpolitikanalyse: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus sowie das Konzept der strategischen Kultur als Analyseraster für militärische Entscheidungen.
3. Deutschlands Sicherheitspolitik und strategische Kultur: Hier werden die historischen und soziokulturellen Leitbilder der deutschen Außenpolitik, insbesondere Multilateralismus und Zurückhaltung, theoretisch fundiert.
4. Fallbeispiel Afghanistan (ISAF): Dieses Hauptkapitel analysiert den Afghanistan-Einsatz in drei Phasen, wobei der Fokus auf Begründungsmustern, Legitimation und der Rolle von Normen liegt.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit synthetisiert die Ergebnisse und bestätigt das Spannungsfeld zwischen der Bündnissolidarität und der prägenden Zurückhaltungskultur der Bundesrepublik.
Afghanistan, Bundeswehr, ISAF, Konstruktivismus, Strategische Kultur, Sicherheitspolitik, Bündnissolidarität, Multilateralismus, Kultur der Zurückhaltung, Diskursanalyse, Militäreinsätze, Außenpolitik, Normen, Werte, Parlamentsarmee.
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Werte und Normen das sicherheitspolitische Handeln Deutschlands beeinflussen, insbesondere im Kontext des Auslandseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan.
Zentral sind die konstruktivistische Außenpolitikanalyse, die Definition und Anwendung strategischer Kultur sowie die historische Entwicklung deutscher Sicherheitspolitik nach der Wiedervereinigung.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen politischem Handeln (Bündnissolidarität) und kultureller Prägung (Zurückhaltung) während der ISAF-Mission zu erklären.
Es wird ein multimethodischer Ansatz verfolgt, der eine qualitative Diskursanalyse von Parlamentsdebatten mit der quantitativen Auswertung von Meinungsumfragen kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Phasen des Afghanistan-Einsatzes (2001-2003, 2004-2007, 2008-2012) und untersucht jeweils den gerechtfertigten Zweck, Legitimation, Kooperation sowie die Art des militärischen Einsatzes.
Schlüsselbegriffe sind ISAF, Strategische Kultur, Konstruktivismus, Multilateralismus und deutsche Sicherheitspolitik.
Der Autor zeigt auf, dass die Bundesregierung den Begriff "Krieg" über Jahre vermied, um die pazifistische "Kultur der Zurückhaltung" im Inland nicht zu gefährden, bevor 2009 eine realistischere Rhetorik einsetzte.
Der Vorfall markierte einen Wendepunkt, da die Realität des militärischen Engagements die bisherige zivile Rhetorik durchbrach und die deutsche Öffentlichkeit mit der harten Realität des Einsatzes konfrontierte.
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