Masterarbeit, 2017
65 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Generationenbegriff und die Charakteristik des Generationenromans
2.1. Genre: Familien- und Generationenroman
2.2. Forschungsfelder
2.3. Generationen in der Literatur
2.4. Begründer der Generationenforschung: Karl Mannheim
2.5. Generation als Identitätsstifter
3. Generation Y – eine soziologische Analyse
3.1. Bildung und Beruf
3.2. Familie und Beziehungen
3.3. Politik
3.4. Medien und Freizeit
4. Die Generation Y im Spiegel der Zeitungslandschaft
4.1. Arbeitsdebatte
4.2. Bildungsdebatte
4.3. Internet-Hype
4.3.1. Warum die Generation Y so unglücklich ist
4.3.2 Generation Beziehungsunfähig
5. Die Generation Y in den Gegenwartsromanen
5.1. Schimmernder Dunst über CobyCounty
5.1.1. Erzählstil
5.1.2. Protagonisten
5.1.3. Ort
5.1.4. Themen, Motive und Metaphern
5.1.5. Rezeption
5.2. Die Glücklichen
5.2.1. Erzählsituation
5.2.2. Protagonisten
5.2.3. Ort
5.2.4. Themen, Motive und Metaphern
5.2.5. Rezeption
6. Abgrenzung zu Krachts Faserland
6.1. Exkurs: Popliteratur
6.2. Faserland
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der "Generation Y" durch eine interdisziplinäre Gegenüberstellung soziologischer Forschungsergebnisse und deren literarischer Spiegelung in zeitgenössischen Romanen. Dabei wird analysiert, inwieweit das gesellschaftliche Bild der Generation – geprägt durch Begriffe wie "Egotaktik", Leistungsdruck und eine digitale Lebenswelt – in der Literatur verarbeitet wird, und wie sich diese Generation in Abgrenzung zu den Popliteratur-Entwürfen der 1990er Jahre positioniert.
3.1. Bildung und Beruf
Der Sozialwissenschaftler Bernhard Heinzlmaier fällt wohl das härteste Urteil über die aktuelle Generation, wie bereits seine Buchtitel „Generation Ego“ und „Performer, Styler, Egoisten“ vermuten lassen. Als Jugendforscher und Leiter der Shell-Studien setzt er sich seit Jahren mit dem Thema auseinander und stellt fest, der junge Mensch von heute ist ein „homo oeconomicus“. Seine Grundthese lautet:
„Die betriebswirtschaftliche Logik hat das ganze Denken des Individuums erfasst. Es ist so selbstverständlich geworden, betriebswirtschaftlich zu denken, dass es dem Menschen nicht einmal mehr auffällt, wenn er es nicht tut. Das ganze Denken und Handeln ist auf den instrumentellen Nutzen in einem wirtschaftlichen Sinn ausgerichtet. Jeder Gedanke und jedes Tun muss seine Zweckmäßigkeit an etwas verbürgen, das außerhalb seiner selbst liegt, und das ist entweder ein ökonomischer oder ein machttechnischer Nutzen.“
Schuld daran ist laut ihm, die Bildungsmisere, die durch den Ersatz von Bildung durch Ausbildung ausgelöst wurde, statt humanistischer Bildung nach Humboldt werden heutzutage bevorzugt Fachkompetenzen vermittelt. Er prangert Fachhochschulen und privat bezahlte Universitäten dafür ebenso an, wie die Einführung von Multiple-Choice-Prüfungen an elitären Universitäten und fordert, „dass Schulen und Universitäten nicht mehr länger in erster Linie Informationen vermitteln, sondern auch Menschen erziehen und bilden sollen.“ Geisteswissenschaftliche Fächer werden von naturwissenschaftlichen verdrängt, Kultur wird abgelöst von Technologie und profitorientierte bildungspolitische Leitmetaphern wie Teamgeist, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit durchziehen die Schulen und Universitäten von heute. Darunter leidet vor allem die Allgemeinbildung der Hochschulabsolventen, was im Umkehrschluss den Unternehmen schadet. Dennoch wird die Generation Y durch die ökonomisierte Bildung bereits optimal auf das kommende Arbeitsleben vorbereitet, in welchem sie, egal ob selbstständig oder angestellt als Entrepreneur agieren muss. Statt Arbeitnehmerunterweisungen vom Arbeitgeber zu erhalten, muss sich der Arbeitnehmer der Gegenwart als „unternehmerisches Selbst“ oder auch als „Arbeitskraftunternehmer“ inszenieren und seine Arbeitskräfte aus sich selbst heraus mobilisieren.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Generationenzuschreibungen und Skizzierung der Leitfrage zur literarischen Spiegelung soziologischer Befunde.
2. Generationenbegriff und die Charakteristik des Generationenromans: Theoretische Auseinandersetzung mit der Definition von Generationen und den gattungsspezifischen Merkmalen des Generationenromans.
3. Generation Y – eine soziologische Analyse: Darstellung der Lebensbedingungen der Generation Y hinsichtlich Beruf, Familie, Politik und Medien unter Berücksichtigung soziologischer Forschung.
4. Die Generation Y im Spiegel der Zeitungslandschaft: Übersicht der medialen Debatten und der dort konstruierten positiven wie negativen Stereotype zur Generation Y.
5. Die Generation Y in den Gegenwartsromanen: Detaillierte Analyse der Romane "Schimmernder Dunst über CobyCounty" und "Die Glücklichen" hinsichtlich Erzählstil, Themen und Rezeption.
6. Abgrenzung zu Krachts Faserland: Einordnung der Romane durch einen Exkurs zur Popliteratur und den Vergleich mit Christian Krachts "Faserland".
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage unter Synthese der soziologischen und literarischen Erkenntnisse.
Generation Y, Generationenroman, Popliteratur, Soziologie, Arbeitswelt, Identitätsstifter, Selbstoptimierung, Digital Natives, Leif Randt, Kristine Bilkau, Christian Kracht, Leistungsgesellschaft, prekäre Existenzen, Generation Golf, Faserland.
Die Arbeit untersucht das mediale und soziologische Konstrukt der "Generation Y" und vergleicht dieses Bild mit der Darstellung junger Erwachsener in aktuellen deutschen Gegenwartsromanen.
Zentrale Themen sind der Generationsbegriff, die Auswirkungen einer leistungsorientierten Arbeitswelt auf die Lebensentwürfe junger Menschen, der Einfluss digitaler Medien auf Kommunikation und Identität sowie die Abgrenzung zur Popliteratur der 1990er Jahre.
Das Ziel ist es aufzudecken, ob die soziologischen Beschreibungen der Generation Y – etwa ihre Anpassungsfähigkeit, ihr Egotaktik-Verhalten oder ihr politisches Desinteresse – tatsächlich in der literarischen Produktion der Gegenwart wiederzufinden sind.
Die Autorin wendet eine interdisziplinäre, literatursoziologische Vorgehensweise an, um gesellschaftliche Wandel und literarische Fiktion in Korrelation zu setzen.
Der Hauptteil analysiert zunächst die soziologische Theorie, betrachtet dann die medialen Debatten in Zeitungen und untersucht schließlich detailliert zwei repräsentative Romane ("Schimmernder Dunst über CobyCounty" und "Die Glücklichen") sowie einen Vergleichsroman ("Faserland").
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Egotaktik", "Leistungsdruck", "Prekariat", "Selbstoptimierung" und die Rolle des digitalen Wandels für die Identitätsbildung.
Laut den analysierten Quellen zeichnet sich die Generation Y durch eine stärkere betriebswirtschaftliche Logik, den Zwang zum permanenten "Selbstmanagement" und eine stärkere Orientierung am Privaten bei gleichzeitigem politischem Desinteresse aus.
Die Autorin stellt fest, dass die Romane die soziologische Diagnose der Generation Y (Anpassung, Oberflächlichkeit, Unsicherheit) widerspiegeln, dabei jedoch die Figuren oft in einer "sprachlosen" oder "roboterhaften" Art darstellen, die eine tiefere existenzielle Not oft hinter einer glatten Fassade verbirgt.
Krachts Roman dient als historische Vergleichsgröße (Popliteratur der 90er), um aufzuzeigen, wie sich jugendlicher Protest oder dessen Ausbleiben von einer drogeninduzierten Flucht hin zur strukturellen Anpassung an einen neoliberalen Arbeitsmarkt gewandelt hat.
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