Diplomarbeit, 2010
138 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Chaosforschung
2.1 Die historische Entwicklung der Chaosforschung
2.1.1 Aspekte der Chaosforschung
2.1.1.1 Die Meteorologie
2.1.1.2 Das Pendelexperiment
2.2 Das Attraktorkonzept als Ordnungsmodell der nichtlinearen Physik
2.2.1 Attraktoren in stabilen Systemen
2.2.2 Attraktoren in dynamisch instabilen Systemen
2.2.3 Bedingungen für die Existenz eines seltsamen Attraktors
2.2.3.1 Die fraktale Struktur eines seltsamen Attraktors
3. Chaostheoretische Darstellung und Untersuchung des Bildungsraums
3.1 Der Begriff »Raum«
3.2 Definition der Variablen und Aufbau des zu untersuchenden Bildungsraums
3.2.1 Gestaltungsvariablen des Bildungsraums
3.2.2 Einfluss- und Machtoptionen der Variablen auf den Bildungsraum
3.2.3 Grafische Darstellung des Bildungsraums
3.3 Chaostheoretische Analyse des Bildungsraums
3.3.1 Der lokale Bereich des Bildungsraums
3.3.1.1 Die Dualität zwischen Individuum und Gesellschaft
3.3.1.2 Chaostheoretische Zwischenbilanz
3.3.2 Der globale Bereich des Bildungsraums und die Gesellschaft als seltsamer Attraktor
3.3.3 Grafische Darstellung der Entwicklung des Prozesses zur Bildung und der Gesellschaft
4. Historische Untersuchung der Bildungsräume
4.1 Das antike Griechenland
4.1.1 Platon
4.1.2 Aristoteles
4.1.3 Die Gestaltung des Bildungsraums nach Platon und Aristoteles
4.2 Das Mittelalter
4.2.1 Das Christentum
4.2.2 Die Gestaltung des Bildungsraums im christlichen Mittelalter
4.3 Die Renaissance
4.3.1 Erasmus von Rotterdam, Martin Luther und Giordano Bruno
4.3.2 Die Gestaltung des Bildungsraums in der Renaissance
4.4 Die Neuzeit
4.4.1 Johann Amos Comenius
4.4.2 Thomas Hobbes
4.4.3 Die Gestaltung des Bildungsraums nach Comenius und Hobbes
4.5 Die Aufklärung und der Neuhumanismus
4.5.1 Jean-Jacques Rousseau
4.5.2 Die Gestaltung des Bildungsraums nach Rousseau
4.5.3 Immanuel Kant
4.5.4 Wilhelm von Humboldt
4.5.4.1 Wege und Mittel zur Vollkommenheit
4.5.4.2 Umsetzungen des Bildungsideals
4.5.5 Die bildungspolitische Umsetzung der Vorstellungen Kants und Humboldts
4.5.5.1 Friedrich Schleiermacher
4.5.5.2 Friedrich Herbart
4.5.6 Die Gestaltung des Bildungsraums nach Kant und Humboldt
4.6 Das 20. Jahrhundert
4.6.1 Erziehung im Nationalsozialismus
4.6.1.1 Die nationalsozialistische Schulpolitik
4.6.1.2 Die Rolle des Schülers und des Lehrers
4.6.2 Die Entstehung von zwei deutschen Bildungsräumen
4.6.3 Erziehung in der Deutschen Demokratischen Republik
4.6.3.1 Grundlagen der sozialistischen Erziehungs und Bildungspolitik
4.6.3.1.1 Der historische Materialismus nach Karl Marx
4.6.3.1.2 Die sowjetische Schule nach Wladimir Lenin
4.6.3.2 Das Bildungsziel der DDR
4.6.3.3 Die Schulpolitik in der DDR
4.6.3.4 Die Rolle des Schülers und des Lehrers
4.6.4 Vergleich der Ideologie des Dritten Reichs mit der der DDR in Bezug auf die Gestaltung des Bildungsraums
5. Die Analyse der Ergebnisse der historischen Darstellung unter Einbeziehung der Chaostheorie
5.1 Die Entwicklung des Bildungsraums unter chaostheoretischer Betrachtung
5.2 Die Gestaltung des deterministischen Bildungsraums
5.3 Der Lösungsweg: Anforderungen an einen dynamischen Bildungsraum
5.4 Die Gestaltung des Bildungsraums mit Hilfe von Bildungsstandards
5.4.1 Gründe für die Entwicklung von Bildungsstandards
5.4.2 Zweck und Wesen der Bildungsstandards
5.4.3 Das Konzept von »europäischen Qualifikationsrahmen« und Kompetenzmodellen
5.4.4 Kritische Betrachtung unter Einbeziehung der Chaostheorie des an Bildungsstandards ausgerichteten Bildungsraums
6. Fazit
6.1 Der deterministisch chaotische Bildungsraum
6.2 Die optimale Gestaltung des Bildungsraums
6.3 Bedingungen zur Umsetzung des optimalen Bildungsraums
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen einseitig gestalteter Bildungsräume auf den individuellen und gesellschaftlichen Bildungsprozess zu untersuchen und auf Basis chaostheoretischer Erkenntnisse ein Modell für einen optimalen, harmonischen Bildungsraum zu entwickeln.
3.1 Der Begriff »Raum«
Wenn der Mensch den Begriff »Raum« verwendet, intendiert er damit sowohl eine Eingrenzung eines bestimmten Objekts als auch eine Abgrenzung zu einem anderen Objekt. Der Mensch schafft sich damit seine eigene klar erkennbare Ordnung.
Ein Raum kann physisch sichtbar oder geistig abstrakt sein. So werden Räume physisch in dem Bereich der Architektur durch Wände oder im Bereich der Mathematik durch plastische geometrische Formen geschaffen. Geistige Räume sind metaphorische Konstrukte, die nicht unmittelbar sichtbar sind, aber mit Hilfe einer grafischen Transformation „sichtbar“ und damit eventuell verstehbar werden. Diese räumliche Strukturierung der Umwelt ermöglicht es dem Menschen, unverkennbare Kriterien für einen bestimmten Bereich verständlicher zu kommunizieren und sich entlang und anhand der Räume zu orientieren. Des Weiteren kann durch eine metaphorische Strukturierung der Umwelt eine solidere Analyse von anderen abgegrenzten Räumen durchgeführt werden. Das versetzt den Menschen in die Lage, seine Umwelt durch das Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten besser zu begreifen. So wird z. B. in der Soziologie versucht, in einem „sozialen Raum“ soziale Strukturen und individuelle Gesinnungen „abzubilden“, um das Zusammenleben der Menschen besser analysieren und verstehen zu können. Staatsoberhäupter, Pädagogen und Bildungswissenschaftler können einen bestimmten Bildungsraum definieren und geben damit genau vor, was sie unter Bildung verstehen, wer Adressat der Bildung ist und wie eine individuelle Bildung erreicht werden soll.
Wie die Beispiele zeigen, können geistige Räume zwar durch Definitionen eingegrenzt werden, jedoch auf Grund der mannigfaltigen Konstellation ständig neue Aspekte mit aufnehmen, was so den Raum erweitern oder ebenso eingrenzen kann. Während bei einem sichtbaren Objekt wie einem Zimmer oder Quader objektiv das Ausmaß bestimmt und abgegrenzt werden kann, ist dies bei einem geistigen Konstrukt nicht ohne Weiteres möglich, da auf Grund der unterschiedlichen subjektiven Einschätzungen der zahlreichen Betrachter unendlich viele Meinungen über das Ausmaß und den Inhalt des Raums existieren. Dies führt dazu, dass geistige Räume mehrdimensional sind und im Gegensatz zu physischen Räumen, die bei einer räumlichen Erweiterung immer dreidimensional bleiben, ihre Dimension je nach Meinungslage ändern können.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das dialektische Spannungsverhältnis zwischen dem individuellen Freiheitsdrang und dem gesellschaftlichen Wunsch nach Ordnung ein und definiert das Forschungsziel.
2. Die Chaosforschung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Chaosforschung erläutert, wobei Konzepte wie Attraktoren, deterministisches Chaos und fraktale Strukturen im Vordergrund stehen.
3. Chaostheoretische Darstellung und Untersuchung des Bildungsraums: Hier wird der theoretische Bildungsraum definiert, seine Variablen (Staat, Lehrer, Schüler) analysiert und ein grafisches Modell zur Untersuchung ihrer Machtverhältnisse entwickelt.
4. Historische Untersuchung der Bildungsräume: Dieser umfangreiche Hauptteil analysiert verschiedene historische Konzepte von Bildung – von der Antike über das Christentum und die Renaissance bis hin zu totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts.
5. Die Analyse der Ergebnisse der historischen Darstellung unter Einbeziehung der Chaostheorie: Hier werden die historischen Befunde mit den chaostheoretischen Modellen synthetisiert, um die Dynamik und Stabilität von Bildungsräumen sowie die Auswirkungen von Bildungsstandards kritisch zu bewerten.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und leitet Kriterien für einen optimalen, flexiblen und stabilen Bildungsraum ab, der individuelles Wachstum und gesellschaftliche Ordnung ermöglicht.
Chaostheorie, Bildungsraum, Bildungspolitik, Systemtheorie, Prinzipal-Agent-Ansatz, Seltsamer Attraktor, Individualität, Gesellschaft, Pädagogik, Bildungsstandards, Determinismus, Nichtlineare Dynamik, Reformpädagogik, Humanismus, Machtverhältnisse
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Bildungspolitik, der Entwicklung des Individuums und gesellschaftlicher Stabilität unter Anwendung chaostheoretischer Modelle.
Die zentralen Felder sind die Chaostheorie als wissenschaftliche Analysemethode, die historische Entwicklung von Bildungsidealen und die heutige bildungspolitische Steuerung durch Standards.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein Bildungsraum beschaffen sein muss, um eine harmonische Entwicklung von Individuum und Gesellschaft zu ermöglichen, anstatt lediglich zu instrumentalisieren.
Die Arbeit nutzt die Chaostheorie, um komplexe soziale Systeme wie Bildungswesen zu modellieren, ergänzt durch eine historische Analyse und den Prinzipal-Agent-Ansatz zur Untersuchung von Machtstrukturen.
Der Hauptteil analysiert verschiedene historische Bildungsräume, von antiken Konzepten über religiöse Dogmen bis hin zur totalitären Indoktrination des 20. Jahrhunderts, und stellt diese in einen systemtheoretischen Kontext.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Chaostheorie, Bildungsraum, Individualität, Gesellschaft, Bildungspolitik und Systemstabilität geprägt.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass eine einseitige Ausrichtung an Standards als deterministisches Steuerungselement chaotische Dynamiken ignorieren kann, was langfristig die Stabilität des Systems gefährden könnte.
In Anlehnung an Niels Bohr und Hans-Carl Jongebloed postuliert die Arbeit, dass Bildung aus der komplementären Einheit von „Erkenntnis“ und „Erfahrung“ besteht, und dass die Vernachlässigung einer dieser Seiten das System schwächt.
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