Bachelorarbeit, 2015
54 Seiten, Note: 14 Punkte
1. Einleitung
2. Eine kurze Geschichte der jagenden Frau
2.1 Jagd, Jagdrecht und jagende Frauen von den Anfängen bis ins Mittelalter
2.2 Aristokratische Jägerinnen in der Frühen Neuzeit
2.3 Jägerinnen im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert – eine Grauzone
3. Männer, Frauen, Waffen und die Jagd – Weiblichkeits- und Männlichkeitsbilder im Jagdwesen der Bundesrepublik nach 1945
3.1 Die Jagdzeitschrift Wild und Hund als Quelle
3.2 Die Diskussion um die „Unweiblichkeit“ jagender Frauen
3.3 Die Ehefrau des Jägers – zwischen Mit-Jägerin und Waidmannsweib
a) Die Ehefrau als Jagdgefährtin
b) Das Waidmannsweib
3.4 Das neue Selbstbewusstsein der Jägerinnen in den 1980er Jahren
4. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Rolle von Frauen im deutschen Jagdwesen des 20. Jahrhunderts, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Zeit nach 1945. Ziel ist es, die Verhandlung von Weiblichkeits- und Männlichkeitsbildern in einem traditionell männlich geprägten Umfeld durch die Analyse der Fachzeitschrift "Wild und Hund" aufzuzeigen und zu verstehen, wie Frauen den Zugang zu dieser Männerdomäne fanden.
3.1 Die Jagdzeitschrift Wild und Hund als Quelle
Wie an Beispielen jagender Frauen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit gezeigt, nutzten diese bereits Mittel der öffentlichen Kommunikation, um sich auf ihr „Jägerinnen-Sein“ zu berufen. So ließen sich Aristokratinnen im Mittelalter auf Siegeln als Falknerinnen verewigen, adelige Jägerinnen im 18. und 19. Jahrhundert präsentierten sich auf Gemälden als Göttinnen der Jagd. Bei den untersuchten Jägerinnen des Kaiserreichs und der Weimarer Republik hingegen zeugten eher private Gegenstände wie Fotografien von weiblicher Jägerschaft. Die in dieser Arbeit mit dem Blick auf jagende Frauen herausgearbeiteten Repräsentationen derselben stellen natürlich nur einen minimalen Teil aller jagdlichen Zeugnisse dar – denn diese sind in den meisten Fällen Abbilder männlichen Jägerdaseins.
Mit der Wild und Hund kam 1894 eine der ersten sich ausschließlich mit der Jagd und allen Themen rund um das Jagdwesen beschäftigende Fachzeitschrift von und für JägerInnen auf den deutschen Markt. Hiermit eröffnete sich für die deutsche Jagdszene die Möglichkeit, weidmännisches Fachwissen und Jagdthemen in einem für viele JägerInnen zugänglichen Forum zu diskutieren. Als Quelle zur Erforschung der Strukturen, der weiblichen Partizipation oder auch der Rolle von Frauen im deutschen Jagdwesen sind Zeitschriften wie die Wild und Hund vielversprechend. Denn in all ihren Darstellungsformen – von Text über Bilder bis hin zur Themenauswahl oder der gezeigten Werbung – offenbaren Fachzeitschriften immer auch in hohem Maße das Selbstverständnis des behandelten Fachgebiets. Dabei kann gerade das, was nicht beschrieben oder nicht abgebildet wird ebenso aufschlussreich sein wie das Dargestellte.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Trend zur steigenden Anzahl weiblicher Jagdscheininhaberinnen und formuliert das Forschungsinteresse an der geschlechtsspezifischen Dynamik im deutschen Jagdwesen des 20. Jahrhunderts.
2. Eine kurze Geschichte der jagenden Frau: Dieses Kapitel bietet einen historischen Überblick, der von antiken Wurzeln über das Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit reicht und die Rolle von Frauen in Jagdgesellschaften in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Strukturen analysiert.
3. Männer, Frauen, Waffen und die Jagd – Weiblichkeits- und Männlichkeitsbilder im Jagdwesen der Bundesrepublik nach 1945: Der Hauptteil untersucht anhand der Zeitschrift "Wild und Hund", wie sich die mediale Repräsentation von Frauen veränderte, welche Rollenbilder (Jägerin vs. Waidmannsweib) existierten und wie diese mit gesellschaftlichen Normen korrespondierten.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Etablierung von Frauen im Jagdwesen des 20. Jahrhunderts weniger ein plötzliches Ereignis, sondern eine langfristige Fortführung verschiedener Dynamiken war.
Jagdwesen, Jägerin, Weiblichkeitsbilder, Männlichkeitsbilder, Wild und Hund, Waffengebrauch, Jagdgeschichte, Geschlechterrolle, Bundesrepublik, Emanzipation, Jagdtradition, Waidmannsweib, Medienanalyse, 20. Jahrhundert, Jagdpraxis
Die Arbeit untersucht die Rolle von Frauen im deutschen Jagdwesen während des 20. Jahrhunderts und beleuchtet, wie sich die Sicht auf jagende Frauen in einer von Männern dominierten Szene entwickelt hat.
Im Zentrum stehen die mediale Darstellung von Jägerinnen, die Konstruktion von Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern im Zusammenhang mit der Jagd sowie der Einfluss von Ehemännern und traditionellen Strukturen auf den weiblichen Zugang zur Jagd.
Die Arbeit fragt danach, welche Rolle Frauen in der deutschen Jagdszene vor den 1990er Jahren spielten und welche geschlechterkulturellen Bedingungen ihren späteren "Vorstoß" in diese Domäne vorbereitet haben.
Die Autorin führt eine Medienanalyse der Fachzeitschrift "Wild und Hund" durch, ergänzt durch eine historische Rückschau und die Auswertung relevanter jagdhistorischer Literatur.
Der Hauptteil analysiert die mediale Berichterstattung nach 1945, das Spannungsfeld zwischen der jagenden Ehefrau und der "daheimgebliebenen" Frau, sowie die Entwicklung des Selbstbewusstseins von Jägerinnen bis in die 1980er Jahre.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jagdgeschichte, Geschlechterkonstruktion, Jägerinnenidentität, mediale Repräsentation und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Wandel im deutschen Jagdwesen.
In den 1950er Jahren wurde die Jagd oft als unweiblich abgelehnt, wobei das Töten von Tieren als konträr zur gebärenden Rolle der Frau konstruiert wurde; Autorinnen wie Margret Henrici setzten sich mit diesen Vorurteilen in der "Wild und Hund" aktiv auseinander.
Der Ehemann fungierte oft als "Eintrittskarte" oder Mentor, da eine aktive Teilnahme von Frauen an Jagden in einer männlich geprägten Gesellschaftsstruktur ohne die explizite Billigung oder Einladung durch den Mann nur schwer realisierbar war.
Die Jägerinnen der 1980er Jahre zeigten ein gestiegenes Selbstbewusstsein, übernahmen zunehmend administrative Ämter und distanzierten sich in ihren Berichten teilweise von der Notwendigkeit, sich für ihr Jagdinteresse vor dem Ehemann rechtfertigen zu müssen.
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