Bachelorarbeit, 2014
50 Seiten, Note: 1 (20/20)
1. Einleitung
2. Der deutsche Bildungsroman
2.1 Der Bildungsbegriff im Wandel der Zeit
2.2 Versuch einer Gattungsbestimmung
2.2.1 Theoretische Bestimmungen von Blanckenburg bis Lukács
2.2.2 Inhaltliche und strukturelle Merkmale
2.2.3 Abgrenzung von verwandten Gattungen
2.2.4 Historische Entwicklung
3. Christian Krachts „Faserland” – ein Bildungsroman?
3.1 Die inhaltliche und formale Struktur des Romans
3.1.1 Der Erzähler als Subjekt einer Bildungsreise
3.2 Identitätsfindung in einer postmodernen Gesellschaft
3.2.1 Die Unmöglichkeit der Identifikation mit dem Vaterland
3.2.2 Lebensstil als identitätsstiftendes Distinktionsverfahren
3.2.3 Die Abwendung von klassischen Wert- und Bildungsvorstellungen
3.3 Soziale Beziehungen
3.3.1 Die Abwesenheit der Eltern
3.3.2 Die vermeintlichen Freunde
3.3.3 Liebesbeziehungen
3.4 Realitätsflucht
3.4.1 Kindheitserinnerungen
3.4.2 Rausch
3.4.3 Flucht aus dem Vaterland: Die Schweiz als Utopie?
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Christian Krachts Debütroman „Faserland“ als Bildungsroman klassifiziert werden kann, indem sie die Gattungskonventionen des klassischen Bildungsromans den post-modernen, subversiven Elementen des Werks gegenüberstellt und deren didaktischen Nutzen kritisch hinterfragt.
3.1.1 Der Erzähler als Subjekt einer Bildungsreise
Die Handlung von „Faserland” ist – allein dies verwundert angesichts der Tatsache, dass bündige Inhaltsangaben zu paradigmatischen Werken wie Goethes „Wilhelm Meister” oder Manns „Zauberberg” unmöglich erscheinen – schnell umrissen: Der Protagonist reist von Norden nach Süden durch Deutschland und schließlich in die Schweiz. Unterwegs besucht er in Hamburg, Frankfurt, Heidelberg, München und Meersburg alte Bekannte, Clubs oder Partys. Dabei erlebt er, stets eher passiv als aktiv, die Drogen- und Sexeskapaden seiner Mitmenschen und zeigt sich selbst grundsätzlich kommunikationsunfähig, der Sonnenbrille und Barbourjacke stets verbundener als den vermeintlichen Freunden. Zwischengeschoben sind Erinnerungen an die eigene Kindheit und Reflexionen über den Holocaust, die immer wieder zwischen den Zeilen durchbrechen.
Die wohl offenkundigste Parallele zwischen Krachts Debüt und der Gattung des Bildungsromans liegt in der Konzentration auf einen Einzelhelden, in diesem Falle ein namenloser Ich-Erzähler. Obwohl der Text keinerlei Angaben zu seiner Person macht, lässt sich manches anhand seines Verhaltens oder an seinem sozialen Umfeld ablesen – so erkennt Thomas André zum Beispiel: „Die Diskussion über die Farbe einer ,Barbour’-Jacke können nur diejenigen intensiv führen, die Mitte der 90er Mitte zwanzig waren.” Sein anspruchsvolles Konsumverhalten – er trägt ausschließlich teure Kleidung, reist per Flugzeug, Taxi oder Bahn und übernachtet in Edelhotels – sowie die Tatsache, dass er das Privatinternat Schloss Salem besucht hat, deuten ferner darauf hin, dass er aus wohlhabenden Verhältnissen stammt. Mit dem Motiv eines jungen Protagonisten, der sich auf eine Reise begibt, bedient sich Kracht somit eindeutig jenes literarischen Schemas, das spätestens seit Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre” als typisch für den Bildungsromans gilt.
1. Einleitung: Die Arbeit kontextualisiert „Faserland“ innerhalb der neuen deutschen Popliteratur und thematisiert die kritische Debatte um dessen Eignung als Schullektüre.
2. Der deutsche Bildungsroman: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung und die definitorischen Merkmale des Bildungsromans, um ein theoretisches Fundament für die Analyse zu legen.
3. Christian Krachts „Faserland” – ein Bildungsroman?: Der Hauptteil wendet die zuvor erarbeiteten theoretischen Gattungsmerkmale auf den Roman an und analysiert die Identitäts- und Sozialstrukturen des Protagonisten.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert, dass „Faserland“ den klassischen Bildungsroman ironisch bricht und eher als Regressionsroman zu verstehen ist, dessen Wert gerade in der schonungslosen Darstellung postmoderner Befindlichkeiten liegt.
Faserland, Christian Kracht, Bildungsroman, Popliteratur, Postmoderne, Identitätsfindung, Konsumkritik, Distinktion, Regressionsroman, deutsche Gegenwartsliteratur, Literaturwissenschaft, Subjektwerdung, gesellschaftliche Orientierungslosigkeit.
Die Bachelorarbeit untersucht, ob der Debütroman „Faserland“ von Christian Kracht als Bildungsroman im klassischen Sinne gelesen werden kann oder ob er diese Gattung ironisch unterwandert.
Im Fokus stehen die Identitätssuche des namenlosen Ich-Erzählers, der Einfluss von Konsumkultur und Marken, das Verhältnis zur deutschen Vergangenheit und die Frage nach gesellschaftlicher Integration.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen den Strukturprinzipien des Bildungsromans und deren tatsächlicher Umsetzung im Roman herauszuarbeiten und den didaktischen Wert des Werks zu prüfen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die den Roman im theoretischen Kontext des Bildungsromans sowie aktueller popliterarischer Diskurse verortet.
Der Hauptteil analysiert die formale und inhaltliche Struktur des Romans, die soziale Isolation des Erzählers und die Bedeutung der Reiseflucht in die Schweiz.
Wesentliche Begriffe sind Bildungsroman, Postmoderne, Popliteratur, Identitätskrise und Regressionsroman.
Der Autor argumentiert, dass die Kritik von konservativer Seite die subversiven Chancen des Textes übersieht, da gerade der Kontrast zur klassischen Literatur den Lernprozess fördern kann.
Das „leere Zentrum“ des Erzählers verdeutlicht, dass die Reise nicht der zielgerichteten Selbstfindung dient, sondern eine Flucht vor dem eigenen Ich darstellt, die letztlich zur psychischen Auflösung führt.
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