Bachelorarbeit, 2010
36 Seiten, Note: 2,4
1. Einleitung
2. Rezeptionsgeschichte
2.1 Wiederentdeckung ab 1755
2.2 Die „Dolchstoßlegende“
2.3 Die Wegbereiter
2.3.1 Richard Wagner
2.3.2 Fritz Lang
3. Das Nibelungenlied im Nationalsozialismus
3.1 Lyrik
3.1.1 Hans Henning von Grote
3.1.2 Wilhelm von Scholz
3.2 Literatur
3.2.1 J. D. Blaßmann
3.2.2 Hans F. K. Günther
3.3 Politik
4. Das Nibelungenlied als Nationalepos
4.1 Zweifel am Epos
4.2 Missbrauch
5. Fazit
Die Arbeit untersucht die instrumentelle Rezeption des Nibelungenliedes während der Zeit des Nationalsozialismus, wobei der Fokus auf der ideologischen Umdeutung der Charaktere und Motive zur Legitimierung des Regimes liegt.
3.1.1 Hans Henning von Grote
Grote (1896-1964) hatte im Dritten Reich das Amt eines Majors inne und war Verfasser von Romanen und Gedichten. In seinem zur nationalsozialistischen Zeit entstandenen Gedicht Das Lied von Siegfried, einem Appell an das deutsche Volk, tritt Sigfried als blonder, arischer Held auf:
Siegfried schüttelte das Haupt; in dem frischen Wind
Flattern die blonden Locken um das junge Kind.51
Zum Symbol für arische Rasse und Jugend stilisiert, passte Siegfried nun ideal in das Bild der NS-Ideologie. Dabei ist das blonde Haar eine Interpretation der Nationalsozialisten, in der mittelalterlichen Vorlage gibt es keine Stelle, in der die Erscheinung Siegfrieds näher beschrieben wird. Es findet sich lediglich die kurze Bemerkung:
[…] und wie schœne was sîn lîp.52
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema ein und skizziert die Fragestellung zur Instrumentalisierung des Nibelungenliedes im Nationalsozialismus.
2. Rezeptionsgeschichte: Es wird der Weg des Nibelungenliedes von der Wiederentdeckung 1755 bis hin zu den Wegbereitern des Nationalsozialismus wie Wagner und Lang nachgezeichnet.
3. Das Nibelungenlied im Nationalsozialismus: Das Hauptkapitel analysiert die spezifische Umdeutung der Figuren Siegfried und Hagen in Lyrik, Literatur und politischer Rhetorik.
4. Das Nibelungenlied als Nationalepos: Hier wird der kritische Diskurs zur Tauglichkeit des Werkes als Nationalepos unter den Bedingungen der NS-Ideologie beleuchtet.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, wie das Nibelungenlied schrittweise zum Propagandainstrument umgeformt und jeder historische Kontext zugunsten ideologischer Zwecke verfälscht wurde.
Nibelungenlied, Nationalsozialismus, Rezeption, Siegfried, Hagen, Ideologie, Propaganda, Dolchstoßlegende, Nationalepos, Rassismus, Germanentum, Literaturgeschichte, Instrumentalisierung, Richard Wagner, Heldenbild.
Die Arbeit untersucht, wie das Nibelungenlied in der Zeit des Nationalsozialismus für politische und ideologische Zwecke instrumentalisiert und umgedeutet wurde.
Zu den zentralen Themen gehören die Rezeptionsgeschichte, der Missbrauch literarischer Motive in der NS-Propaganda, die Umdeutung von Heldenfiguren und die Eignung des Textes als Nationalepos.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Werk gezielt aus dem Zusammenhang gerissen wurde, um rassistische und nationalistische Ideologien zu legitimieren.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Text des Nibelungenliedes mit zeitgenössischen NS-Interpretationen und Quellen konfrontiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lyrik, Literaturbeispielen und die Verwendung des Stoffes in der politischen Propaganda, insbesondere durch Akteure wie Hermann Göring.
Schlüsselwörter sind Nibelungenlied, Nationalsozialismus, Ideologisierung, Heldenverehrung, Propaganda und Siegfried-Mythos.
Hagen wurde als Symbol für "Gefolgsmanntreue" und den "Vollstrecker des Schicksals" idealisiert, was ihn als Identifikationsfigur für die SS und die NS-Ideologie der unbedingten Pflichterfüllung attraktiv machte.
Das NS-Regime stilisierte Siegfried zum blonden, arischen Helden und "Sonnen-Siegfried", während im mittelalterlichen Text solche rassistischen Zuschreibungen oder eine Gleichsetzung mit Hitlers Führungsanspruch nicht existieren.
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