Bachelorarbeit, 2017
46 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Begriffliche und theoretische Grundlagen: Goffmans Rollen-Theorie
2.1. Der Untersuchungsgegenstand: Was ist BDSM überhaupt?
2.1.1. BDSM als Szene
2.1.2. Die Fetisch-Party
2.2. Bisheriger Stand der Forschung zur BDSM-Szene
3. Empirische Untersuchung der BDSM-Szene im Club „Grande Opera“
4. Betrachtung und Analyse von Interaktion auf Fetisch-Partys unter rollentheoretischen Gesichtspunkten
4.1. Das dichotome Ordnungssystem der BDSM-Szene: Top und Bottom
4.2. Weitere Rollen auf Partys der BDSM-Szene
4.3. Die Spiel-Interaktion unter rollentheoretischen Gesichtspunkten
4.4. Schutz des Selbst und des Anderen in der BDSM-Szene: BDSM Praktiken als Spiel
5. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht BDSM nicht als medizinische Störung, sondern als soziales Phänomen und interaktionsrelevantes Handlungsfeld. Ziel ist es, unter Anwendung des rollentheoretischen Modells von Erving Goffman aufzuzeigen, wie soziale Interaktionen innerhalb der Fetisch-Szene strukturiert sind, welche Rolle die räumliche Umgebung spielt und wie durch festgelegte Regelsysteme ein sicherer Rahmen für das einvernehmliche Ausleben von Macht und Gewalt geschaffen wird.
4.1. Das dichotome Ordnungssystem der BDSM-Szene: Top und Bottom
Zwei Rollentypen sind wesentlich und entscheidend für jede BDSM-Interaktion: Top und Bottom. Der Top hat während eines BDSM-Spiels die aktive, führende Rolle (Sodermanns 2016: 27). Häufig wird der Top auch als ‘Dom’ für dominant bezeichnet, Top ist jedoch der allgemeinere und umfassendere Begriff. Der Top kann sadistisch und/oder dominant sein. Der Bottom, auch ‘Sub’ für submissive, ist im Spiel der untergebene, eher passive Part (Sodermanns 2016: 27). Er kann masochistisch und/oder devot sein. Passiv meint hierbei nicht, dass der Bottom keine Handlungen ausführt oder ausführen kann, seine Handlungen werden aber durch den Top kontrolliert. Um diese Rollen adäquat auszufüllen, bedarf es viel Erfahrung und lange Lernprozesse (Plaschg/Röthlin/Schwarz 2008: 278). Die entsprechenden Wissensgebiete müssen erschlossen und Schlüsselkompetenzen angeeignet werden. Diese werden auf verschiedenen Wegen erlernt, durch Lektüre, Kurse/Workshops, das Zuschauen und auch das Selbst-praktizieren innerhalb der überwachten BDSM-Szene. So werden die erforderlichen technischen, psychologischen und emotionalen Kompetenzen erworben.
An die Rollen Top und Bottom werden gewisse Anforderungen gestellt. Beide Spielpartner müssen zu offener Kommunikation in der Lage sein: Vor dem Spiel müssen Interessen, Ängste und Grenzen geklärt werden (Newmahr 2001: 75). Der Bottom legt bereits vor dem Spiel den Rahmen der möglichen Handlungen fest; dazu ist es nötig, dass er seine eigenen Grenzen kennt und in Worte fassen kann (vgl. Newmahr 2001: 88). Auch muss er im Notfall in der Lage sein, die Interaktion zu stoppen, zum Beispiel wenn der Top eine Gefahrenquelle nicht rechtzeitig erkennt (Sodermanns 2016: 51-53). Der Top muss sich auf diese Abmachungen und Aushandlungen verlassen können, denn eine erneute Grenzziehung während des Spiels würde das illusionierte Machtgefälle stören und damit das gesamte Spiel in Gefahr bringen (Newmahr 2001: 75). Auch ein Wechseln der Rolle ist während der BDSM-Praktiken nicht mehr möglich (Plaschg/Röthlin/Schwarz 2008: 277). Mit Beginn des Spiels gibt der Bottom die gesamte Kontrolle und Befehlsgewalt an den Top ab. Ab hier kontrolliert der Top die Szene, was auch deren Ende einschließt (Newmahr 2001: 75). Der Top muss genau auf die Reaktionen und Signale seines Bottoms achten. Direkte Kommunikation wird zwar genutzt, kann aber durch die Art des Spiels auch zu Missverständnissen führen (Newmahr 2001: 77).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema BDSM ein und stellt die Forschungsfrage nach den sozialen Interaktionsmechanismen innerhalb der BDSM-Szene, wobei sie sich von medizinischen Stigmatisierungen distanziert.
2. Begriffliche und theoretische Grundlagen: Goffmans Rollen-Theorie: Das Kapitel erläutert Erving Goffmans dramaturgische Perspektive auf soziale Interaktion und überträgt diese auf die BDSM-Szene, inklusive der Definition von BDSM-Begriffen und Szenestrukturen.
3. Empirische Untersuchung der BDSM-Szene im Club „Grande Opera“: Die Autorin beschreibt ihre methodische Vorgehensweise bei der verdeckt teilnehmenden Beobachtung im Club „Grande Opera“ und reflektiert die Bedingungen ihrer Feldforschung.
4. Betrachtung und Analyse von Interaktion auf Fetisch-Partys unter rollentheoretischen Gesichtspunkten: Der Hauptteil analysiert die spezifischen Rollen (Top/Bottom, Zuschauer, Angestellte) und untersucht, wie durch Aushandlungsprozesse, räumliche Rahmung und Verhaltensregeln ein sicheres BDSM-Spiel ermöglicht wird.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass BDSM ein soziales Phänomen mit eigenen Interaktionsstrukturen darstellt, und regt weitere Forschungsfelder sowie die gesellschaftliche Entstigmatisierung an.
BDSM, Sadomasochismus, Erving Goffman, Rollentheorie, Fetisch-Party, Soziologie, Interaktion, Top, Bottom, Machtgefälle, SSC-Prinzip, Grenzarbeit, Identitätskonstruktion, Subkultur, Ethnographie
Die Arbeit untersucht BDSM als soziales Phänomen und wie innerhalb der Fetisch-Szene soziale Interaktionen, Machtverhältnisse und Grenzziehungen organisiert werden.
Die Schwerpunkte liegen auf der soziologischen Analyse von Rollenverhalten, der Bedeutung von Fetisch-Clubs als sozialer Raum und der Untersuchung von Schutzmechanismen bei der Ausübung von Macht und Gewalt.
Ziel ist es zu ergründen, wie der Umgang mit Macht, Ungleichheit und Gewalt in der BDSM-Szene trotz der Abweichung von gesellschaftlichen Normen reibungslos und für die Teilnehmer sicher funktioniert.
Die Autorin nutzt die Methode der verdeckt teilnehmenden Beobachtung im Club „Grande Opera“ und verbindet die gewonnenen Daten mit dem theoretischen Modell von Erving Goffman.
Der Hauptteil befasst sich mit den Rollentypen „Top“ und „Bottom“, der Bedeutung des Publikums, den räumlichen Voraussetzungen im Fetisch-Club sowie dem „SSC“-Prinzip zur Regulierung von Gewalt im Spiel.
Die wichtigsten Schlagworte sind BDSM, Goffmans Rollentheorie, Interaktion, Machtgefälle, Fetisch-Party, SSC-Prinzip und Identitätskonstruktion.
Sie ermöglichen die Abgrenzung des „Spiels“ vom Alltag. Da das BDSM-Selbst außerhalb des spezifischen Kontextes oft nicht sichtbar ist, dienen definierte Räume als Schutz und zur authentischen Rollenausübung.
Aftercare beschreibt die emotionale und körperliche Nachsorge nach einem Spiel, welche dazu dient, den Bottom aufzufangen und eine Rückführung aus der eingenommenen Rolle zu gewährleisten.
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