Bachelorarbeit, 2018
49 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Bestandsaufnahme
3. Antisemitismus
3.1 Antisemitismus und Islamismus
3.2 Islamismus und Antiimperialismus
4. Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen
4.1.1 „Neuer“ oder „Klassischer Antisemitismus“?
4.1.2 Kollektivkonstruktionen
4.1.3 Israelbezogener Antisemitismus
4.1.4 Externe Indoktrination
4.1.5 Zusammenfassung
4.2 Problematische pädagogische Haltungen und Interventionen
5. Interventionen
5.1 Förderung der Ambiguitätstoleranz – Ansätze der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA)
5.1.2 Zusammenfassung des Interviews
5.2 Das Nahost-Projekt an der „Problemschule“
6. Fazit
Die Arbeit untersucht, inwieweit Kollektivkonstruktionen bei muslimischen Jugendlichen antisemitische Haltungen fördern. Ziel ist es zu verdeutlichen, wie diese Prozesse pädagogisch in der Bildungsarbeit durch Ansätze wie die Förderung der Ambiguitätstoleranz adressiert werden können, um Handlungsspielräume für Lehrkräfte zu erweitern.
3.1 Antisemitismus und Islamismus
Besonders deutlich wird dies im „politischen“ Islamismus, der Hitlers Bild vom „Weltjudentum“ und die Geschichte einer jüdischen Weltverschwörung auch in Form einer Gegnerschaft gegen eine säkularisierte Moderne verinnerlicht hat. Als Inspirationsquelle dient dem Islamismus u.a. das 1905 im zaristischen Russland entstandene Pamphlet „Die Protokolle der Weisen von Zion“, das sozusagen die konzentrierte Manifestation sämtlicher antisemitischer Glaubenssätze darstellt, und Grundlage der Charta der Partei und Terrororganisation Hamas ist. Als wichtiger Vordenker des modernen Islamismus gilt Sayyid Qutb (1906 -1966), der Judentum und Islam als historisches und theologisches Gegenpaar darstellt („Von ihrem ersten Tag an waren Juden die Feinde der muslimischen Gemeinschaft“) und den Kampf gegen die Moderne mit dem Kampf gegen das Judentum in eins setzt: „Hinter der Dokrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der geheiligten Beziehungen in der Gesellschaft steckte ebenfalls ein Jude“. Auch hier zeigt sich wieder die „Bedrohung“ einer Gemeinschaft durch eine destruktive Gesellschaft, die wörtlich mit dem „Weltjudentum“ und dem „Welt-Kreuzzüglertum“ gleichgesetzt wird, und dem eigenen Ziel, einer weltweiten veränderungsresistenten Gemeinschaft ohne Widersprüchlichkeiten, entgegensteht.
Der Verweis auf die „Kreuzzügler“ weist bereits daraufhin, dass sich die Bekämpfung des „Weltjudentums“ auch gegen die USA und den „Westen“ richtet: Den Anschlag auf das World Trade Center bezeichnete Bin Laden als gegen eine „Allianz von Zionisten und Kreuzzüglern“ gerichtet. An anderer Stelle äußerte er: „Die jüdische Lobby hat Amerika und den Westen als Geiseln genommen“.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den „neuen Antisemitismus“ unter muslimischen Jugendlichen als Ausdruck einer Kollektivkonstruktion und thematisiert die pädagogische Überforderung im Umgang mit diesen Haltungen.
2. Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland nach 1945 und stellt dar, warum aktuelle Beobachtungen – insbesondere von muslimisch gelesenen Tätern – lange Zeit in Statistiken unterrepräsentiert waren.
3. Antisemitismus: Hier werden theoretische Grundlagen des Antisemitismus erarbeitet, wobei ein besonderer Fokus auf die Verschränkung mit islamistischen Ideologien und antiimperialistischen Narrativen gelegt wird.
4. Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen: Es werden qualitative Studien analysiert, um zu zeigen, wie antisemitische Vorurteile bei Jugendlichen in Identitätskonstruktionen integriert werden und welche Rolle Medien sowie das soziale Umfeld spielen.
5. Interventionen: Das Kapitel stellt konkrete pädagogische Projekte wie die KIgA-Ansätze zur Förderung der Ambiguitätstoleranz vor und diskutiert die Möglichkeiten einer konstruktiven Bildungsarbeit.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Antisemitismus nicht kulturalistisch zu determinieren, sondern als gesamtgesellschaftliches Problem zu adressieren.
Antisemitismus, Muslimische Jugendliche, Kollektivkonstruktion, Islamismus, Nahostkonflikt, KIgA, Widerspruchstoleranz, Pädagogik, Identitätsstiftung, Israelbezogener Antisemitismus, Opferkonkurrenz, Interventionsberechtigung, Bildungsarbeit, Verschwörungstheorien, Kritische Theorie.
Die Arbeit thematisiert das Auftreten antisemitischer Einstellungen unter muslimischen Jugendlichen und analysiert diese als identitätsstiftende Kollektivkonstruktionen.
Die Untersuchung umfasst die ideologischen Grundlagen des Antisemitismus, die Rolle des Nahostkonflikts, den Einfluss von Medien und das Spannungsfeld pädagogischer Interventionen.
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie antisemitische Muster in Weltbilder muslimischer Jugendlicher integriert werden, und Strategien zu reflektieren, um diesen pädagogisch zu begegnen.
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse qualitativer Studien sowie der Auswertung von Konzepten und Berichten pädagogischer Initiativen.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen hinter antisemitischen Weltbildern und stellt die Arbeit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) als Interventionsbeispiel vor.
Zentrale Begriffe sind Antisemitismus, Kollektivkonstruktion, Widerspruchstoleranz, Islamismus und Bildungsarbeit.
Sie verknüpft theoretische Ansätze mit der praktischen Arbeit der KIgA und hinterfragt dabei kritisch die eigene Haltung von Pädagogen in der Migrationsgesellschaft.
Der Nahostkonflikt dient hier häufig als Projektionsfläche und Katalysator für antisemitische Ressentiments, die zur Aufrechterhaltung kollektiver Identitäten genutzt werden.
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