Diplomarbeit, 2001
137 Seiten, Note: gut
1. Einleitung und Erkenntnisinteresse
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Literatursuche
2. Zum Begriff der Freundschaft
2.1 Alltagssprachliche Verwendung des Begriffs
2.2 Etymologische Bedeutung von ‚Freundschaft‘
2.3 Darstellung verschiedener Definitionen von Freundschaft
2.3.1 Der Freundschaftsbegriff bei Tenbruck – Anmerkungen und Kritik
2.3.2 Der Freundschaftsbegriff bei Nötzoldt-Linden – Anmerkungen und Kritik
2.3.3 Der Freundschaftsbegriff bei Auhagen – Anmerkungen und Kritik
2.4 Abgrenzung zu Kameradschaft und Bekanntschaft
3. Stand der Forschung
3.1 Freundschaft - eine vernachlässigte soziologische Kategorie
3.2 Freundschaftsforschung bei Tenbruck und Simmel
3.3 Soziologische Konzepte zur Freundschaft
3.3.1 Phänomenologischer Forschungsansatz von Kracauer
3.3.2 Struktureller Forschungsansatz von Lazarsfeld/ Merton
3.3.3 Symbolisch-interaktionistischer Forschungsansatz von Suttles
3.3.4 Funktionalistisch-systemtheoretischer Ansatz von Eisenstadt
3.4 Empirische Forschungen zur Freundschaft
3.4.1 Auhagens Untersuchung mit dem ‚Doppeltagebuch‘
3.4.2 Kasts Untersuchung zu intimen Freundinnenschaften
3.5 Zur Geschlechterkategorie
3.6 Sozialpsychologische Perspektiven zur Freundschaft
4. Zur Bedeutung von Freundschaften im Alltag
4.1 Kurzer historischer Abriss zur Freundschafts(forschungs)entwicklung
4.2 Freundschaft in modernen Gesellschaften
4.2.1 Becks Individualisierungsthese oder die strukturelle Individualisierung
4.2.2 Entstehung von Identität aus Sicht des symbolischen Interaktionismus
4.2.3 Auswirkungen von Freundschaft auf die Identität
4.3 Funktionen von Freundschaft im Alltag
5. Von der Einsamkeit zur Freundschaft / Voraussetzungen und Erwartungen
5.1 Das Verhältnis von Einsamkeit zur Freundschaft
5.1.1 Geschlechtliche Unterschiede im Umgang mit Einsamkeit
5.1.2 Voraussetzungen für Freundschaftsschließung – Wege aus der Einsamkeit
5.2 Erwartungen an eine(n) FreundIn/ eine Freundschaft
5.2.1 Merkmale eines idealen Freundes bzw. einer idealen Freundin
5.2.2 Kompatibilität zweier Menschen
6. Zum Prozess von Freundschaftsbeziehungen
6.1 Entstehen, Entwicklung und Erhaltung von Freundschaften
6.1.1 Entstehen und Entwicklung von Freundschaften
6.1.2 Erhaltung von Freundschaften
6.2 Konflikte, Störungen und Freundschaftsabbruch
6.2.1 Konflikte und Krisen in Freundschaften
6.2.1.1 Störungen in Freundschaften resp. ‚Gestörte Freundschaften‘
6.2.1.2 Verwandlung von FreundIn in ‚FeindIn‘
6.2.2 Abbruch von Freundschaften
7. Sozialpsychologische Theorien zur Entstehung und Entwicklung von Freundschaften
7.1 Theoretische Überlegungen zum Beginn von Freundschaften
7.1.1 Anziehungskraft und Freundschaftsentstehung
7.1.2 Ähnliche Einstellungen und Attraktion
7.1.3 Ähnlichkeit versus Gegensätzlichkeit/ Theorien interpersonaler Attraktion
7.1.3.1 Belohnungstheorien
7.1.3.2 Austauschtheorien
7.1.3.3 Kognitive Konsistenztheorien
7.1.3.4 Komplementaritästheorien
7.2 Theoretische Überlegungen zur Freundschaftsentwicklung
8. Verschiedene Theorien zu Geschlechterdifferenzen
8.1 Sozialpsychologische Theorien zu Geschlechtsunterschieden
8.1.1 Theorie der sozialen Rollen (Geschlechterrollentheorie)
8.1.2 Konzeption ‚separater Kulturen‘
8.1.3 Ansätze der Psychobiologie bzw. Evolutionspsychologie
8.2 Geschlechterrollen und Geschlechterstereotype
8.3 Zum Verhältnis von Expressivität bzw. Instrumentalität zu psychischem Wohlbefinden
8.4 Kommunikationsdiskrepanzen zwischen den Geschlechtern
8.5 Zur Geschlechterforschung (gender studies): Geschlechterkategorie – Problematik der Zweigeschlechtlichkeit
9. Gegenüberstellung von Frauenfreundschaften und Männerfreundschaften
9.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede in wesentlichen Funktionen und Aspekten von Freundschaft
9.1.1 Geselligkeit und Austausch
9.1.2 Vertrauen
9.1.3 Unterstützung und Hilfe
9.1.4 Streit und Konflikte
9.1.5 Psychophysisches Wohlbefinden
9.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede in Freundschaftsinhalten
9.3 Vergleich des Umgangs zwischen Freundinnen und Freunden untereinander
9.4 Störungen in Frauen- und Männerfreundschaften
9.5 Unterschiedlicher Abbruch von Freundschaften
9.6 Frauen – das freundschaftsfähigere Geschlecht?
9.7 Freundschaften im Ost/West- und im Geschlechtervergleich – eine empirische Untersuchung von Valtin und Fatke
9.7.1 Forschungsinteresse und Fragestellung
9.7.2 Stichprobe, Methode und Operationalisierung
9.7.3 Ergebnisse der Untersuchung
9.7.3.1 Gesellschaftsspezifische Unterschiede
9.7.3.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede
9.7.3.3.Verschiedene Freundschaftstypen
9.8 Frauen- und Männerfreundschaften im Alter – eine empirische Untersuchung von Schütze und Lang
9.8.1 Fragestellung und Ausgangshypothesen der Untersuchung
9.8.2 Ergebnisse der Untersuchung
9.8.2.1 Geschlechtsunterschiede in den Freundschaftsfunktionen alter Menschen
9.8.2.2 Auswirkungen der Freundschaften im Alter auf das Wohlbefinden
9.9 Theoretische Geschlechterdifferenzen in der freundschaftlichen Praxis - Anwendung einiger Ansätze
10. Resümee und Ausblick
Diese Diplomarbeit untersucht die soziologischen und sozialpsychologischen Dimensionen von Erwachsenenfreundschaften mit einem besonderen Fokus auf geschlechtsspezifischen Differenzen. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und wie sich Frauen- und Männerfreundschaften unterscheiden, welche Ursachen diesen Unterschieden zugrunde liegen und wie sich der gesellschaftliche Wandel auf die Gestaltung dieser persönlichen Beziehungen auswirkt.
1. Einleitung und Erkenntnisinteresse:
In meinem Freundeskreis habe ich immer wieder auffällige Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfreundschaften festgestellt. Freundschaften unter Männern kommen mir oft lockerer und unkomplizierter vor, Freundschaften unter Frauen hingegen häufig intimer und tiefgehender. Mich beschäftigt die Frage, ob die von mir beobachteten Unterschiede wirklich zutreffen und wie sie zustande kommen. Diese Problematik interessierte mich schon seit längerem.
Mein Interesse, mich damit eingehender zu befassen, wurde jedoch erst während meines Forschungspraktikums bei Frau Dr. Felizitas Sagebiel geweckt. Das Thema meines Praktikums entwickelte sich aus dem Seminar ‚Transformation Ostdeutschlands im Spiegel von Frauenbiographien. Forschungswerkstatt: Qualitative Interviews‘. Grundlage für mein Forschungspraktikum waren 25 qualitative Interviews mit ostdeutschen Frauen, durchgeführt von Frau Dr. Sagebiel. Ihr Erkenntnisinteresse galt den Auswirkungen des gesellschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland nach der Wende auf die Biographien von ostdeutschen Frauen und wie diese sich auf interpersonelle Beziehungen, insb. Freundschaften, ausgewirkt haben. Mich interessierte in erster Linie die Bedeutung von Frauen in Freundschaften zu Frauen und/ oder zu Männern im DDR- Alltag und inwieweit sich typische Freundschaftsmuster und -inhalte als unmittelbare oder mittelbare Folge der Wiedervereinigung Deutschlands wandelten.
1. Einleitung und Erkenntnisinteresse: Einführung in das Thema, die persönliche Motivation der Verfasserin sowie der Aufbau der Arbeit.
2. Zum Begriff der Freundschaft: Analyse verschiedener Definitionen, etymologischer Hintergründe und Abgrenzung von verwandten Begriffen wie Kameradschaft.
3. Stand der Forschung: Diskussion soziologischer und sozialpsychologischer Theorien zur Freundschaftsforschung, inklusive klassischer Ansätze und empirischer Studien.
4. Zur Bedeutung von Freundschaften im Alltag: Betrachtung der historischen Entwicklung und der Rolle von Freundschaften in modernen Gesellschaftsstrukturen unter dem Aspekt der Individualisierung.
5. Von der Einsamkeit zur Freundschaft / Voraussetzungen und Erwartungen: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Einsamkeit und Freundschaft sowie Erwartungshaltungen an ideale Freundschaften.
6. Zum Prozess von Freundschaftsbeziehungen: Darstellung der Phasen von Entstehung, Erhaltung sowie Konfliktpotential und Abbruch von Freundschaften.
7. Sozialpsychologische Theorien zur Entstehung und Entwicklung von Freundschaften: Fokus auf Attraktion, Austauschtheorien und psychologische Grundlagen der Entstehung.
8. Verschiedene Theorien zu Geschlechterdifferenzen: Theoretische Auseinandersetzung mit der Theorie der sozialen Rollen, Geschlechterstereotypen und Kommunikationsstilen.
9. Gegenüberstellung von Frauenfreundschaften und Männerfreundschaften: Vergleich der spezifischen Funktionen, Inhalte und empirische Untersuchungen zum Geschlechter- und Altersvergleich.
10. Resümee und Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Identifikation zukünftiger Forschungsbedarfe.
Freundschaft, Frauenfreundschaften, Männerfreundschaften, Soziologie, Sozialpsychologie, Individualisierung, Geschlechterdifferenzen, Identitätsfindung, Einsamkeit, Attraktion, Geschlechterrollen, Beziehungsarbeit, Reziprozität, empirische Forschung, Transformation.
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen und psychologischen Untersuchung von Freundschaften zwischen Erwachsenen, wobei der Schwerpunkt auf den Unterschieden zwischen den Geschlechtern liegt.
Neben den theoretischen Grundlagen der Freundschaft werden die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen, wie die Individualisierung, und die spezifische Bedeutung von Freundschaft für die Identitätsbildung behandelt.
Das Ziel ist es, zu ergründen, warum und wie sich Frauen- und Männerfreundschaften in ihrer Form, Funktion und Tiefe unterscheiden und welche gesellschaftlichen Bedingungen diese Muster prägen.
Die Autorin stützt sich auf eine breite Literaturanalyse soziologischer und sozialpsychologischer Theorien sowie auf Ergebnisse ausgewählter empirischer Studien.
Der Hauptteil analysiert Freundschaften in verschiedenen Phasen (Entstehung bis Abbruch), die Bedeutung von Einsamkeit, sowie detaillierte Vergleiche von Frauen- und Männerfreundschaften im Hinblick auf Kommunikation, Konfliktmanagement und Alltagspraxis.
Die wichtigsten Begriffe sind Freundschaft, Geschlechterdifferenzen, Individualisierung, Sozialpsychologie, Frauenfreundschaften und Männerfreundschaften.
Weil die Individualisierung in der Moderne traditionelle Bindungen wie Familie lockert und Freundschaften dadurch als zentrale Stützpfeiler für die Identität und Lebensbewältigung an Bedeutung gewinnen.
Ja, laut Arbeit neigen Frauen häufig dazu, Konflikte innerhalb einer Freundschaft zu vermeiden oder auszusitzen, während Männer eher distanzierter agieren oder das Problem als weniger belastend empfinden.
Die Autorin diskutiert kritisch, ob Zweigeschlechtlichkeit eine biologische Naturtatsache oder eine soziale Konstruktion ("doing gender") ist, die unser Verständnis von Freundschaft maßgeblich beeinflusst.
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