Diplomarbeit, 2005
104 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Großelternrolle und wichtige Einflussfaktoren
2.1 Die Rolle der Großeltern
2.2 Die Geschichte der Großelternrolle
2.3 Alter und Altern
2.3.1 Das Alter und Geschlecht der Großeltern
2.3.2 Das Alter der Enkelkinder
2.3.3 Der Einfluss des Kontaktes und der räumlichen Distanz
2.3.4 Verwandtschaftslinie
2.3.5 Die Großeltern-Eltern-Beziehung
2.4 Quadrangulation
3. Großeltern und Enkelkinder
3.1 Die Bedeutung der Großelternschaft für Großeltern und Enkelkinder
3.2 Stile und Typen der Großelternschaft
3.3 Funktionen der Großeltern
4. Das Trauma Scheidung
4.1 Gründe für den Anstieg der Scheidungszahlen
4.2 Wie Kinder die Scheidung der Eltern erleben
4.2.1 Die Vorscheidungs- oder Ambivalenzphase
4.2.2 Die Scheidungsphase
4.2.3 Die Nachscheidungsphase
4.3 Altersspezifische Reaktionen von Kindern auf Trennung und Scheidung
4.4 Unterschiedliche Scheidungsreaktionen bei Kindern und Jugendlichen
5. Psychische Folgen von Trennung und Scheidung für Kinder
5.1 Langzeitfolgen der Scheidung bei Kindern
5.1.1 Aggressionen
5.1.2 Selbstwertgefühl
5.1.3 Geschlechtsidentität
5.1.4 Probleme in Partnerschaften
5.1.5 Probleme in der Adoleszenz
5.2 Chancen für Scheidungskinder
6. Großeltern als Ersatzeltern in familiären Krisenzeiten
6.1 Großeltern als Bezugspersonen
6.2 Großeltern als Ersatzeltern
6.3 Erziehungsleistungen durch die Großeltern
6.3.1 Großeltern verkörpern Geschichtlichkeit
6.3.2 Die Vermittlung vom Altern und Sterben
6.3.3 Großeltern fördern die Entwicklung der Enkelkinder
6.4 Problematische Aspekte bei der Erziehung durch die Großeltern
7. Konsequenzen für die Soziale Arbeit
8. Schlussbetrachtung
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle von Großeltern als Ersatzeltern für Kinder aus Scheidungsfamilien und analysiert, wie diese einerseits entwicklungsfördernd wirken, aber andererseits auch hemmende Einflüsse ausüben können. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern Großeltern als stabile Identifikationsinstanzen und Quellen seelischer Sicherheit in familiären Krisensituationen fungieren können.
6.3.1 Großeltern verkörpern Geschichtlichkeit
Die Großeltern sind diejenigen Mitglieder der Familie, die am längsten gelebt haben und den größten Zeitraum überblicken. Sie verfügen über Eindrücke und Erfahrungen aus einer Epoche, die den jüngeren Generationen nur indirekt zugänglich ist. Die Weitergabe der Erzählungen aus früherer Zeit, haben eine privaten, vertrauten und verbindlichen Charakter.
Durch die Beziehung zur älteren Generation können Erfahrungen aus einer anderen Zeit, aus einer individuellen Perspektive, plastisch erfahren und nacherlebt werden. Über die Zugehörigkeit zu einer Familie und über das Bewusstsein gleichzeitig Teil und Erbe einer Tradition zu sein, eröffnen sich dem Kind und dem Heranwachsenden neue, zusätzliche Möglichkeiten sich zu definieren. Die Beschreibungen und Erzählungen der Großeltern über bereits längst verstorbene Verwandte und über die Großeltern selbst und deren Erlebnisse aus vergangener Zeit,“ bieten sich (dem Kind) als Identifikationsobjekte an und erweitern damit das Reservoir an Gestalten, die ihm innerhalb seiner Familie zur Verfügung stehen“ (Schwob, 1988, S. 56). Sommer-Himmel (2001) verweist auch auf das Lebendigwerden geschichtlicher Daten, während der gemeinsamen Zeit mit dem Großeltern. Im Kapitel 4.2.3 wurde bereits geschildert, dass wenn im Falle einer elterlichen Scheidung der Vater die Familie verlässt, dem Kind u.a. dadurch eine Identifikationsperson verloren geht. Ebenso schildert das Kapitel über die Geschlechtsidentität die problematischen Aspekte des Zusammenlebens mit nur einem Elternteil bezüglich beider Geschlechter. Schwob (1988) betont dazu: „Psychopathologische Symptome können der Ausdruck eines Mangels an Identifikationsobjekten sein [...] vor allem dann, wenn die Krise, aus der heraus die Symptome entstehen, in der momentanen, entwicklungsbedingten Unverträglichkeit zwischen dem Kind und seinen gegenwärtigen Identifikationsobjekten besteht“ (S. 57). Der Autor unterstreicht, dass das Kind in derartigen Krisenzeiten einen Zugang zu anderen sozial bedeutungsvollen Bezugspersonen, beispielsweise den Großeltern bekommt, „um sich symptomfrei oder symptomarm entwickeln zu können“ (ebd., S. 57).
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Diplomarbeit und Begründung der Relevanz von Großeltern als Unterstützung in Scheidungskonflikten.
2. Die Großelternrolle und wichtige Einflussfaktoren: Analyse des Wandels der Großelternrolle unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und familiären Beziehungsstrukturen.
3. Großeltern und Enkelkinder: Untersuchung der verschiedenen Stile, Typen und Funktionen der Großelternschaft sowie deren Bedeutung für beide Generationen.
4. Das Trauma Scheidung: Darstellung der Scheidungsphasen, kindlicher Reaktionen und der Ursachen für die Zunahme von Scheidungszahlen.
5. Psychische Folgen von Trennung und Scheidung für Kinder: Beleuchtung der langfristigen Auswirkungen, wie Verhaltensänderungen, Selbstwertprobleme und Schwierigkeiten in der Identitätsentwicklung.
6. Großeltern als Ersatzeltern in familiären Krisenzeiten: Analyse der konkreten Unterstützungs- und Erziehungsleistungen, die Großeltern zur Stabilisierung der Enkel beitragen können.
7. Konsequenzen für die Soziale Arbeit: Diskussion über die Notwendigkeit, Großeltern stärker in die pädagogische und sozialarbeiterische Unterstützung von Familien einzubeziehen.
8. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Aufzeigen eines Forschungsdefizits in Bezug auf das großelterliche Betreuungsengagement.
Großelternschaft, Scheidungskinder, Ersatzeltern, Familiendynamik, Identitätsentwicklung, Sozialisation, Trennungstrauma, Erziehungsleistungen, Quadrangulation, Familienkrisen, Soziale Arbeit, generationenübergreifende Beziehungen, psychische Folgen, psychische Stabilisierung, Familienmodelle.
Die Arbeit untersucht die unterstützende Rolle, die Großeltern bei der Betreuung und Erziehung von Enkelkindern aus Scheidungsfamilien spielen, und wie diese dazu beitragen können, familiäre Krisen für das Kind besser zu bewältigen.
Im Fokus stehen der Wandel der Großelternrolle, die psychischen Folgen von Scheidungen für Kinder sowie die spezifischen Chancen und Herausforderungen, die entstehen, wenn Großeltern die Funktion von Ersatzeltern übernehmen.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Großeltern für Scheidungskinder als wichtige Identifikationsfiguren und Quellen der Sicherheit dienen und somit maßgeblich zu deren Entwicklungsförderung beitragen können.
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse existierender Studien und Theorien zu Familiendynamiken, Entwicklungspsychologie und Scheidungsfolgen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Großelternschaft (Rolle, Stile), die Analyse des Scheidungsprozesses aus der Sicht betroffener Kinder sowie die konkrete Bedeutung von Großeltern als Bezugspersonen in krisenhaften Familiensituationen.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Großelternschaft, Scheidungskinder, Identitätsentwicklung, Familiendynamik, Quadrangulation und Soziale Arbeit.
Die Studie zeigt, dass sich die Bedeutung der Großeltern mit dem Alter des Enkelkindes wandelt: Während jüngere Kinder eher Verwöhnung und Geschenke schätzen, gewinnen Großeltern im Jugendalter vor allem als stabile Orientierungspunkte und historische Wissensvermittler an Bedeutung.
Problematisch sind oft die mangelnde Übung in der aktuellen Erziehungspraxis, mögliche eigene Kompensationsbedürfnisse der Großeltern („Wiedergutmachung“ an Enkeln) sowie Konfliktpotenziale zwischen den Großeltern und den leiblichen Eltern bezüglich der Erziehungsmethoden.
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