Bachelorarbeit, 2016
34 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
Hautteil
1. „Der Film macht dem Drama das Bett.“ Reflexion auf Medienwandel wie -differenz und die Medialität des Theaters.
2. Doppelte Medialität des Epischen. Der frühe Film und das Gestische
3. Kampf um die ‚Apparate‘ in der Kulturindustrie. Technifizierung und Umfunktionierung der Literatur.
Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Bertolt Brechts Theorie des epischen Theaters und den aufkommenden Massenmedien, insbesondere dem Film. Dabei wird analysiert, wie Brecht mediale Wandlungsprozesse als Impuls für ästhetische und politische Innovationen nutzte, um das Theater aus seiner Krise zu führen und funktional neu zu bestimmen.
3. Kampf um die ‚Apparate‘ in der Kulturindustrie. Technifizierung und Umfunktionierung der Literatur.
In der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny zeigt der Marxist Brecht, dass alle zwischenmenschlichen Verhältnisse im Kapitalismus durch die Warenform vermittelt sind. Er zeigt dies im Modus der gestischen Verdoppelung: Indem Brecht für die Darstellung der Wirklichkeit auf die Form des juristischen Prozesses zurückgreift, findet er eine gestische Spielweise, die eine ‚kommentarhaft sich selbst darstellende Struktur‘ ermöglicht. Die Rekonstruktion der Form des juristischen Prozesses, die Rekonstruktion der Handlung (des Tathergangs) stiftet auf der Bühne eine gestische Differenzierung der ‚Wirklichkeit‘: Der Handlung vor dem Prozess wird – zur Prüfung – ein rekonstruierter Tathergang gegenübergestellt.
Um zu beweisen, wie sehr auch jeglicher Kunstgenuss durch die warenförmige Produktions- und Zirkulationssphäre bestimmt ist, rekontextualisiert, ‚verdoppelt‘ auch Brecht seinen ‚Tathergang‘ – den Prozess, der die Verfilmung seines Sensationserfolgs Dreigroschenoper nach sich zog – im Form eines Kommentars, der ‚medientheoretische[n] Polemik‘ Dreigroschenprozeß. Ein soziologisches Experiment. Brechts Beschreibung des Prozesses ist keine nüchterne sozialwissenschaftliche Studie, sondern verbindet Medientheorie und literarische Satire. Der Dreigroschenprozeß versammelt als vorläufiger Schlusspunkt Brechts praktischer Erfahrungen mit dem Film seine Erfahrungen mit dem neuen Massenmedium und ‚des riesigen ideologischen Komplexes, der die Kultur ausmacht […]‘ Brecht analysiert darin die Dialektik zwischen Massenmedien und Öffentlichkeit sowie den sich ihm offenbarenden Fortschritt im ‚Prozeß der Umschmelzung geistiger Werte in Waren‘ So bilanziert Brecht:
„Was also kann man aus dem ‚Dreigroschenoper‘-Prozeß lernen? Wenn sie sich ein Billet zu einem Tonfilm kaufen, haben Sie gelernt und wissen sie, daß das, was Sie jetzt sehen, ausschließlich als Ware in einer ausschließlich aus Waren bestehenden Welt hergestellt wurde.“
Einleitung: Dieser Abschnitt führt in die komplexe Beziehung zwischen Brecht und dem Film ein und verortet die Arbeit im diskursiven Feld der Medientheorie und Theatergeschichte.
Hautteil: Der Hauptteil analysiert in drei Kapiteln die theoretische und praktische Auseinandersetzung Brechts mit dem Film, der Gestik und der ökonomischen Verfasstheit moderner Kunst.
1. „Der Film macht dem Drama das Bett.“ Reflexion auf Medienwandel wie -differenz und die Medialität des Theaters.: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Brecht den Film als Herausforderung begreift, die ihn zu einer grundlegenden Umgestaltung der Theaterarbeit und der dramatischen Form motivierte.
2. Doppelte Medialität des Epischen. Der frühe Film und das Gestische: Hier wird untersucht, wie Brecht das „Gestische“ des Schauspielers in Analogie zur Filmtechnik entwickelte, um eine distanzierte, wissenschaftlich-analytische Sicht auf das soziale Handeln zu ermöglichen.
3. Kampf um die ‚Apparate‘ in der Kulturindustrie. Technifizierung und Umfunktionierung der Literatur.: Das Kapitel analysiert Brechts Kritik an der Kommerzialisierung der Kunst und zeigt, wie er durch die „Umfunktionierung“ von Apparaten und Produktionsbedingungen versuchte, ein emanzipatorisches Theater zu etablieren.
Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Brechts episches Theater eine Antwort auf die Krise der Moderne darstellt, in der Medienwandel und Krisenerfahrung untrennbar mit utopischen Entwürfen verbunden sind.
Bertolt Brecht, Episches Theater, Medientheorie, Film, Gestik, Warenform, Kulturindustrie, Umfunktionierung, Medialität, Apparat, Dialektik, Zeigen, Montage, Moderne, Politische Ästhetik
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Auseinandersetzung von Bertolt Brecht mit den Massenmedien, insbesondere dem Film, und deren Einfluss auf die Konzeption und Entwicklung seines epischen Theaters.
Im Zentrum stehen die Medialisierung der Kunst, die Rolle des Schauspielers als „Gestus“-Vermittler, die ökonomische Kritik an der „Warenform“ im Kulturbetrieb sowie die dialektische Beziehung zwischen Technik und Kunst.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Brecht durch die Einbeziehung medialer Bedingungen das Theater als ein ästhetisches und politisches Projekt neu begründete, um den Anforderungen der Moderne gerecht zu werden.
Es handelt sich um eine medientheoretisch und theaterwissenschaftlich fundierte Analyse, die Brechts Schriften und Inszenierungspraxen unter Einbeziehung zeitgenössischer Kritiken sowie medienhistorischer Kontexte auswertet.
Der Hauptteil analysiert Brechts Reaktion auf den Medienwandel (Kapitel 1), die Entwicklung einer gestischen Schauspieltechnik durch filmische Vorbilder (Kapitel 2) und die ökonomische Analyse der „Apparate“ der Kulturindustrie (Kapitel 3).
Wichtige Begriffe sind insbesondere das „Epische Theater“, „Medialität“, „Gestus“, „Warenform“, „Umfunktionierung“ und „Technisierung der Kunst“.
Der Film wird als ein „Apparat“ und „Leitmedium“ verstanden, das den Zwang zur Erneuerung des Theaters auslöste, wobei Brecht den Film nicht einfach imitierte, sondern dessen Funktionsweise für eine „doppelte Medialität“ auf der Bühne nutzbar machte.
Der Gestus wird als ein analytisches Instrument begriffen, das es ermöglicht, soziale Rollen und Verhaltensweisen „demonstrierbar“ und somit gesellschaftlich kritisierbar zu machen, in Analogie zur mechanischen Zerlegung von Bewegungen durch die Kamera.
Die Warenform dient als Ausgangspunkt für Brechts Ideologiekritik: Er erkennt, dass die Kunst im Kapitalismus den Gesetzen der Warenproduktion unterliegt, und sucht nach Strategien („Umfunktionierung“), diese Form durch künstlerische Arbeit produktiv zu unterlaufen.
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