Diplomarbeit, 2005
135 Seiten, Note: 1,1
Einleitung
1. Bewährungshilfe: Entwicklung, institutioneller Rahmen und Aufgaben
1.1 Die geschichtliche Entwicklung bis 1949
1.2 Die geschichtliche Entwicklung ab 1949 bis heute
1.3 Der Auftrag der Bewährungshilfe
1.4 Der Hilfe- und Kontrollauftrag
1.4.1 Der Hilfe- und Betreuungsauftrag
1.4.2 Der Kontroll- und Überwachungsauftrag
1.5 Die gesetzlichen Grundlagen der Bewährungshilfe und ihre organisatorische Umsetzung am Beispiel der Sozialen Dienste der Justiz im Land Bremen
2. Sexueller Missbrauch: Begriffe, rechtlicher Rahmen, Ausmaß und Rückfallforschung
2.1 Sexualstraftaten in verschiedenen Kontexten
2.2 Sexueller Missbrauch – Begriffe und Definitionen
2.3 Der strafrechtliche Rahmen
2.4 Das Ausmaß von Sexualstraftaten und das Rückfallrisiko
2.4.1 Das Hellfeld
2.4.2 Das Dunkelfeld
2.5 Die Rückfallgefahr von Sexualstraftätern
3. Sexualstraftaten: Erklärungsansätze und Möglichkeiten der Therapie
3.1 Die Sexualstraftäter
3.2 Die Täterstrategien
3.2.1 Die Kontaktaufnahme
3.2.2 Der Beziehungsaufbau
3.2.3 Die Verpflichtung des Opfers zum Schweigen
3.3 Theoretische Erklärungsansätze und -modelle für sexuellen Missbrauch
3.3.1 Der Psychoanalytische Ansatz
3.3.2 Der Familiendynamische Ansatz
3.3.3 Der Sozialisationstheoretische Ansatz
3.3.4 Das Modell der vier Voraussetzungen von Finkelhor
3.3.5 Das Drei-Perspektiven Modell sexueller Gewalt
3.4 Die Folgen des sexuellen Missbrauchs
3.4.1 Methodische Probleme der Folgenforschung
3.4.2 Einteilung der Missbrauchsfolgen
3.5 Therapie von Sexualstraftätern
3.5.1 Erfolg von Therapie
3.5.2 Divergierende Therapiekonzepte
3.5.3 Ambulante Therapiemodelle für Sexualstraftäter am Beispiel des „Rotterdamer Modells“
4. Arbeit mit Sexualstraftätern: Hilfe und Kontrolle durch die Bewährungshilfe
4.1 Die Zusammenarbeit auf der Grundlage eines Arbeitskontraktes
4.2 Problemlagen bei der ambulanten Behandlung von Sexualstraftätern
4.2.1 Die Kostenfrage
4.2.2 Die Therapiemotivation
4.2.3 Die Zusammenarbeit mit der Justiz
4.3 Mögliche Lösungsansätze
4.3.1 Die Stuttgarter Psychotherapie-Ambulanz
4.3.2 Die Kooperation der Beratungsstelle im Packhaus mit der Bewährungshilfe in Schleswig Holstein
5. Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Arbeit untersucht den Hilfe- und Kontrollauftrag der Bewährungshilfe in der Arbeit mit Sexualstraftätern. Ziel ist es aufzuzeigen, wie das System der Bewährungshilfe in der Lage ist, durch eine professionelle Einbindung in den justiziellen und sozialarbeiterischen Kontext einen Beitrag zur Verringerung von Sexualstraftaten und zum Schutz zukünftiger Opfer zu leisten.
3.2.1 Die Kontaktaufnahme
Die Beziehungsaufnahme zu den Kindern ist lange vor der Tat geplant. Dabei wird von den Tätern gezielt Kontakt zu potentiellen Opfern aufgenommen und erkundet, welche sozialen Kontakte, Gewohnheiten, Abneigungen, Vorlieben, Ängste und Wünsche vorliegen. Dieses Wissen wird dann verwendet, um die Opfer in den Missbrauch zu verwickeln und zum Schweigen zu zwingen. Eine Befragung von 91 überführten Missbrauchern (19-74 Jahre) durch Michelle Elliot hatte zum Ergebnis, das 35% der Täter, die den sexuellen Missbrauch außerfamiliär begangen hatten, Orte aufsuchten, an denen sich Kinder oft aufhalten (Schulen, Einkaufszentren, Parks, Schwimmbäder u.ä.). 38% versuchten im Anschluss daran, sich mit der Familie des Kindes anzufreunden und übernahmen bspw. als Babysitter, Nachhilfelehrer oder Sporttrainer Tätigkeiten, die sie in die Nähe von Kindern brachten und ihnen ermöglichte, die Kontakte auszudehnen (vgl. ENDERS 2001, S. 58). Auch das Internet als Möglichkeit der Kontaktaufnahme wird in Form von Chatrooms immer häufiger genutzt. Missbraucher haben oftmals ein sehr gutes Gespür für Kinder, die verletzlich sind und sie nutzen diese Verletzlichkeit für sich aus.
HEILIGER sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Defiziten eines Kindes in Bezug auf Sicherheit, Anerkennung, Liebe und Wärme und der Gefahr, für bestimmte Annäherungsstrategien von Tätern besonders anfällig zu sein (vgl. HEILIGER 2000, S. 16).
1. Bewährungshilfe: Entwicklung, institutioneller Rahmen und Aufgaben: Das Kapitel erläutert die historische Genese sowie die gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen der Bewährungshilfe in Deutschland.
2. Sexueller Missbrauch: Begriffe, rechtlicher Rahmen, Ausmaß und Rückfallforschung: Hier werden Definitionen und der rechtliche Kontext des sexuellen Missbrauchs sowie statistische Daten zu Ausmaß und Rückfallgefährdung dargestellt.
3. Sexualstraftaten: Erklärungsansätze und Möglichkeiten der Therapie: Dieses Kapitel analysiert Täterstrategien, verschiedene theoretische Erklärungsmodelle und aktuelle Ansätze zur ambulanten Therapie von Sexualstraftätern.
4. Arbeit mit Sexualstraftätern: Hilfe und Kontrolle durch die Bewährungshilfe: Der praktische Umgang mit Sexualstraftätern im Bewährungsdienst wird hier anhand von Fallbeispielen, Kontraktmodellen und Kooperationsstrategien mit der Justiz verdeutlicht.
5. Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Notwendigkeit politischer Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Täterarbeit.
Bewährungshilfe, Sexualstraftäter, sexueller Missbrauch, Hilfe- und Kontrollauftrag, Rückfallprävention, Resozialisierung, Strafvollzug, Tätertherapie, soziale Arbeit, Fallarbeit, Opferschutz, Deliktrekonstruktion, Risikoprognose, Strafgesetzbuch, Jugendgerichtsgesetz.
Die Arbeit analysiert den gesetzlichen Auftrag der Bewährungshilfe, Hilfe anzubieten und zugleich Kontrolle auszuüben, speziell in der komplexen Arbeit mit Sexualstraftätern.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Bewährungshilfe, die strafrechtlichen Rahmenbedingungen, Erklärungsmodelle für Sexualstraftaten sowie praktische Interventionsstrategien im ambulanten Zwangskontext.
Es wird aufgezeigt, dass die Bewährungshilfe aufgrund ihrer spezifischen Einbindung in den justiziellen und sozialarbeiterischen Kontext einen wesentlichen Beitrag zur Rückfallverhinderung und zum Opferschutz leisten kann.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des Forschungsstandes, der Auswertung amtlicher Statistiken sowie der Darstellung praktischer Fallbeispiele aus der Bewährungshilfegeschäftstelle Bremerhaven.
Der Hauptteil befasst sich mit der Täterdynamik (Täterstrategien), verschiedenen theoretischen Erklärungsansätzen (z.B. Finkelhor-Modell) und der praktischen Umsetzung von Therapieangeboten in Kooperation mit der Justiz.
Bewährungshilfe, Sexualstraftäter, Rückfallprävention, Resozialisierung und Tätertherapie sind zentrale Begriffe der Arbeit.
Die Arbeit mit Sexualstraftätern erfordert eine intensivere fachliche Auseinandersetzung, da Täter ihre Verantwortung oft durch komplexe Strategien abwehren und aufgrund der besonderen Deliktart erhöhte Anforderungen an den Opferschutz gestellt werden.
Es gilt als zukunftsweisendes Modell der ambulanten Tätertherapie, das durch die enge Verzahnung von Justiz, Therapie und Bewährungshilfe eine effektive Rückfallprävention ermöglicht.
Die Rekonstruktion hilft dabei, den Täter mit den Fakten seines Handelns zu konfrontieren, kognitive Verzerrungen aufzubrechen und eine tatsächliche Verantwortung für die Tat zu entwickeln.
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